Therapie bei Ödemschwellungen

Katholische St. Lukas Gesellschaft

Operative Therapie bei Ödemschwellungen.
Operative Therapie bei Ödemschwellungen. Foto: Kath. St. Lukas Gesellschaft

Dortmund/Castrop-Rauxel. Nicht wenige Frauen leiden nach einer Brustkrebsbehandlung an anhaltenden schmerzhaften Schwellungen des Oberarms oder der Brust. Diese Beschwerden können als Komplikationen der oft unvermeidlichen Entfernung bzw. Bestrahlung von Lymphknoten entstehen. Nicht immer helfen die dann üblichen Drainage- und Kompressionsbehandlungen. Eine ergänzende Alternative bietet die supermikrochirurgische Wiederherstellung des Lymphabflusses.

Die Plastischen Chirurgen und Gynäkologen der Kath. St. Lukas Gesellschaft nehmen den diesjährigen Brustkrebsmonat Oktober zum Anlass, um auf neue Verfahren zur Behandlung von Lymphödemen nach Brustkrebsoperationen aufmerksam zu machen. Die Gynäkologischen Kliniken von Chefarzt Dr. Michael Glaßmeyer am St. Rochus-Hospital in Castrop und Chefarzt Dr. Christoph Hemcke am St.-Josefs-Hospital in Dortmund kooperieren eng mit den Plastischen Chirurgen des Castroper Lymphzentrums, die an den Tumorkonferenzen teilnehmen und ihre Dienste darüber hinaus über eine Spezialsprechstunde unkompliziert anbieten.

„Um einen Brustkrebs vollständig zu entfernen und eine mögliche Wiedererkrankung zu vermeiden, wird im Zuge der Operation geprüft, ob die Lymphknoten befallen sind“, erklärt Dr. Glaßmeyer. „Wenn ein Tumorbefall festgestellt wird, müssen Lymphgewebe entfernt und das verbleibende Lymphsystem bestrahlt werden. Dabei kann es zu Unterbrechungen des normalen Lymphabflusses kommen. Dann kann sich Flüssigkeit im Oberarm oder in der Brust selbst aufstauen. Es entstehen schmerzhafte, mit Spannungsgefühl einhergehende Beschwerden.“ Experten schätzen, dass bis zu 50 Prozent der operierten Frauen nach einer Brustkrebsoperation an Lymphödemen des Oberarms und bis zu 30 Prozent an chronischen Lymphödemen der Brust leiden. „Der Leidensdruck betroffenen Patientinnen ist individuell verschieden. Die Symptome treten meist innerhalb der ersten drei Jahre nach der Operation auf, können aber sich auch noch viel später bemerkbar machen. Sie werden bei vielen Betroffenen im Verlauf der Zeit schlimmer“, sagt Dr. Hemcke.

Neben Schwellung und Anspannung der Haut sowie Funktionsbeeinträchtigungen der Hand entwickeln sich Veränderungen und Verhärtungen des Bindegewebes. Es wird angenommen, dass mehr als zwei Drittel der Patientinnen nicht adäquat behandelt werden. Aber auch eine angemessene symptomatische Behandlung mit Drainage, Kompression und Hautpflege führt oft nicht zu einer befriedigenden Linderung der Beschwerden.

„Eine dauerhafte Lösung kann eine supermikrochirurgische Wiederherstellung des Lymphabflusses sein“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie, Rekonstruktive Lymph- und Supermikrochirurgie am St. Rochus-Hospital, Priv.-Doz. Dr. Andrej Ring. Dabei handelt es sich um Techniken, die in den letzten Jahren ausgereift sind und international angewendet werden. Auch in Castrop ist es gelungen, die Beschwerden von mehreren Patientinnen erfolgreich zu lindern. Den Lymphchirurgen stehen zwei Verfahren zur Verfügung. Bei beiden geht es jeweils darum, unter dem Mikroskop zwischen den winzig kleinen Gefäßen von Lymph- und Venensystem eine neue Verbindung herzustellen. Damit wird der Abfluss der aufgestauten Flüssigkeit aus dem Gewebe wieder ermöglicht. Im Rahmen des ersten Verfahrens wird der geschädigte Lymphknoten durch einen Bypass umgangen. Beim zweiten Verfahren wird der geschädigte Lymphknoten durch einen körpereigenen intakten Lymphknoten ersetzt, der in der Regel aus der Leiste entnommen und verpflanzt wird.

„Zurzeit gibt es nur wenige Spezialkliniken in Deutschland, die derartige Verfahren anbieten“, erläutert Dr. Ring. „Der supermikrochirurgische Eingriff ist minimal invasiv und kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Wir benötigen nur wenige Zentimeter kurze, oberflächliche Hautschnitte. Wenn alles gut läuft, können die Patienten am nächsten Tag nach Hause entlassen werden.“

Quelle: