So lief das Weihnachtsgeschäft 2021

Herner Einzelhändler ziehen Fazit

Das Weihnachtsgeschäft 2021 in der Herner City: Zwischen Tannenbäumen und Buden mussten die Geschäfte die 2G-Regel umsetzen.
Das Weihnachtsgeschäft 2021 in der Herner City: Zwischen Tannenbäumen und Buden mussten die Geschäfte die 2G-Regel umsetzen. Foto: Björn Koch

Bereits zum zweiten Mal in Folge stand das Weihnachtgeschäft unter Corona-Bedingungen. In vielen Teilen Deutschlands beklagten sich die Händler über Umsatzeinbußen und weniger Kunden. Insgesamt sehe das Fazit für das Weihnachtsgeschäft für den deutschen Einzelhandel eher ernüchternd aus. Doch wie sieht die Situation für den Einzelhandel in Herne aus? halloherne sprach mit verschiedenen Herner Händlern über ihr Fazit zum Weihnachtsgeschäft.

'Nicht so gut wie erhofft, nicht so schlimm wie befürchtet'

„Das Geschäft lief nicht so gut wie erhofft, aber auch nicht so schlimm, wie wir es befürchtet hatten“, resümierte Jens Reiter von Reiter Fashion an der Bahnhofstraße 78.

Mitte des Jahres habe er noch auf ein besseres Weihnachtsgeschäft gehofft, aufgrund der damals positiveren Corona-Entwicklung. Jedoch haben die Entwicklungen zum Winter hin mit der Erhöhung der Fallzahlen und den weiteren Beschränkungen für Ernüchterung gesorgt. „Natürlich hat da auch die 2G-Regel reingespielt. Aber alles in allem sind wir mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäftes zufrieden", so Reiter.

Wohlbefinden der Kunden im Vordergrund

Marie Vössing von Wein & Spezialitäten Martina Vössing an der Behrensstraße 9 bestätigt auf Nachfrage von halloherne, dass das Weihnachtsgeschäft nicht so ablaufen konnte, wie unter Nicht-Corona-Bedingungen: „Für uns war das Weihnachtsgeschäft in Ordnung, aber natürlich nicht so gut wie unter normalen Umständen."

Sternenbummel 2017.
Der Laden Wein & Spezialitäten Vössing bietet unter anderem Wein und Leckereien an. Foto: Robert Freise

In ihrem Geschäft haben sich immer nur vier Haushalte gleichzeitig aufhalten dürfen. „Wir hatten diesbezüglich keine Auflagen, sondern es war unsere eigene Entscheidung. Es war uns wichtig, dass sich die Kunden wohlfühlen und mit einem guten Gefühl bei uns einkaufen können", so Marie Vössing. „Wenn gerade viel los war, haben wir Kunden gebeten, die zum Beispiel nur auf das Verpacken von Geschenken warteten, ob sie draußen warten könnten. So haben wir vermehrten Andrang vermieden."

Obwohl Wein & Spezialitäten Martina Vössing aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Läden des täglichen Bedarfs nicht unter die 2G-Regel fiel, gab es ab und an Kunden die verunsichert waren. „Es gibt immer wieder Kunden, die uns ihre Nachweise zeigen wollen. Denen erklären wir dann, dass wir nicht von der 2G-Regel betroffen sind. Aber insgesamt sind unsere Kunden sehr verständnisvoll und ziehen toll mit", so Marie Vössing weiter.

Drei Punkte für Zufriedenheit entscheidend

Ähnliche Erfahrungen hat der Wein- und Spirituosenhandel Meimberg an der Bahnhofstraße gemacht. „Wir konnten leider auch kein Niveau aus 2019 erreichen, dennoch war es noch einigermaßen zufriedenstellend“, sagt Richard Gerdesmann, Stiefsohn von Inhaber Julius Meimberg und zuständig für Marketing und Vertrieb, auf Nachfrage von halloherne. „Dafür waren drei wesentliche Punkte entscheidend.“

So führt er auf: „Zum einen haben wir eine treue Kundschaft. Zweitens sind wir nicht von der 2G-Regel betroffen - dennoch waren die Kunden in dieser Hinsicht kooperativ. Zwar hatten nur wenige die Bändchen getragen (halloherne berichtete und berichtete), dafür haben uns viele Leute freiwillig ihre Nachweise gezeigt.“ Er fühlt mit den anderen Inhabern mit, die bei jedem Kunden die Nachweise am Eingang kontrollieren müssen - daraus resultiere ein ungeheurer Kontrollaufwand, so Gerdesmann weiter.

Impressionen vom Herner Weihnachtsmarkt 2021
Die Herner Innenstadt, hier am Robert-Brauner-Platz, war auch mit Weihnachtsmarkt nur überschaubar besucht. Foto: Björn Koch

„Drittens haben wir auch von einem Sortimentswechsel profitiert. So bieten wir seit einiger Zeit nicht nur Wein an, sondern auch hochwertige Spirituosen. So stehen Rum und Whisky hoch im Kurs“, erläutert der stellvertretende Chef. „Die Genießer legen mittlerweile viel mehr Wert auf Premiumprodukte. Dazu gehört auch guter Gin, aber der ist bereits seit rund fünf Jahren im Trend.“ Dennoch sei der Hauptumsatzträger weiterhin der Weinverkauf, auch wenn bei den Spirituosen höhere Einzelpreise aufgerufen werden.

Der Laden bleibt bestehen

Beruhigen kann er alle Kunden, die vor Kurzem aufgrund einer Schlagzeile, die nicht bei halloherne erschienen ist, dachten, das Geschäft stehe kurz vor einer Auflösung. „Das hat viele verunsichert und verwirrt. Mein Vater Julius Meimberg hört nur mit seinen hochwertigen Kochmenüs aus dem Programm 'Julius kocht' hier auf und kümmert sich nun um den Hotel- und Kochbetrieb in der Pfalz, der vor einigen Jahren übernommen und errichtet worden ist.“ Ökonom Richard Gerdesmann kümmert sich weiter um das Geschäft an der Bahnhofstraße.

Olaf Kenkmann, Sprecher des Einzelhandelverbands in Herne, hat zu Beginn des Jahres 2022 noch keine genauen Zahlen über das Weihnachtsgeschäft vorliegen. „Aber so wie ich informiert bin und was ich bislang von den Händlern gehört habe, haben die 2G-Regeln im Einzelhandel eine abschreckende Wirkung für Kunden verursacht. Das bedeutet auch eine höhere Belastung für die Händler“, so Kenkmann im Gespräch mit halloherne. „Die Umsätze lagen deutlich hinter den Erwartungen, die Kundenfrequenz wurde geringer. Richtig glücklich waren die wenigsten Inhaber.“

Auf Onlinehandel ausgewichen

Die Politik habe, so Kenkmann, mal wieder hoheitsrechtliche Aufgaben an die Händler verteilt. „Die Kontrollen für 2G sind ein riesen Aufwand. Zudem tut es jedem Händler weh, wenn er Kunden aufgrund der Regelungen wegschicken muss“, sagt der Vorsitzende des Einzelhandelverbands. „Viele sind deswegen gar nicht erst gekommen und auf den Onlinehandel ausgewichen. Kleinere Händler können so schnell gar keinen Onlineshop aufbauen, wenn sie es nicht schon vorher getan haben.“

Kenkmann durfte selbst als Chef des Rewe-Supermarktes an der Siepenstraße auf die 2G-Kontrollen verzichten - das machte sich auch in den Umsätzen bemerkbar. „Wir konnten die bisherigen Werte an Umsätzen bestätigen. Der Lebensmittelhandel hat von den Beschränkungen profitiert“, so Olaf Kenkmann abschließend.

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"Zutritt nur für Geimpfte und Genese": 2G gilt für alle Geschäfte, außer die des täglichen Bedarfs und Drogerien. Foto: Stefan Kuhn
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