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Die Anzahl der Schuldner in Herne ist leicht zurückgegangen.

Stadt ist mit ihrer Überschuldungsquote in den Top fünf

Schuldnerquote in Herne rückläufig

Die Schuldnerquote in Herne ist im Jahr 2022 leicht auf 16,44 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Jahr 2021 sei dies ein Rückgang von 0,38 Prozent. Denn hier lag die Quote noch bei 16,82 Prozent. Das geht aus der kürzlichen Veröffentlichung des SchuldnerAtlas von Creditreform hervor.

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Herne unter den schuldnerreichsten Städten

Dennoch gehöre Herne zu den zehn deutschen Städten mit der höchsten Überschuldungsquote im Jahr 2022. Herne belege nach Angaben des SchuldnerAtlas den fünftletzten Rang. Neben Herne hätten noch zwei weitere Ruhrgebietsstädte eine ebenfalls hohe Verschuldung. Gelsenkirchen liege mit 16,94 Prozent deutschlandweit auf dem zweitletzten Rang und Duisburg mit 15,87 Prozent auf dem sechsletzten Rang.

Jedoch gebe es laut SchuldnerAtlas auch NRW-Städte mit niedriger Schuldnerquote. So sei die Quote im Ennepe-Ruhr-Kreis mit 9,77 Prozent die geringste im Ruhrgebiet. Ebenso sei sie in Bottrop mit 10,01 Prozent ebenfalls niedrig.

Hohe Verschuldung in PLZ-Gebieten 44652 und 44653

Ebenfalls gehöre Herne zu den 20 Schuldnerreichsten Postleitzahl (PLZ)-Bereichen des Ruhrgebiets. So sei die Schuldnerdichte im Bereich der PLZ 44653 mit 20,38 Prozent am dichtesten. Hierzu zählen beispielsweise die Stadtteile Crange oder auch Unser Fritz. Weiterhin gebe es eine hohe Verschuldung im Gebiet mit der PLZ 44652. Zu dieser PLZ zählen unter anderem die Stadtteile Baukau-West, Wanne oder Wanne-Süd.

Die geringste Verschuldung liege im Bereich der PLZ 44625. Dazu zählen beispielsweise die Ortsteile Herne-Süd oder Holsterhausen.

Gründe für die Verschuldung

Auf Nachfrage von halloherne macht die Geschäftsführerin der Schuldnerberatung Herne, Andrea Leyk, deutlich, dass es nicht nur den einen Grund gibt, in eine Überschuldung zu geraten. „Viele 'Ursachen' haben gemeinsam, dass Einkommen wegfällt oder geringer wird, wie zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung oder Scheidung", so Leyk. „Man kann auch sagen, dass unerwartete Ereignisse oder Schicksalsschläge dazu führen, dass weniger Einkommen im Haushalt vorhanden ist und deshalb kein Geld mehr für vereinbarte Kreditraten vorhanden ist."

Andrea Leyk, Geschäftsführerin der Schuldnerberatung.

Obwohl die Energiekosten stark gestiegen sind, kämen bisher noch nicht mehr Menschen in die Schuldnerberatung, weil sie ihre Strom- beziehungsweise Gasrechnungen nicht mehr bezahlen könnten. „Zu uns kommen schon seit Jahren Menschen, die ihre Energierechnung nicht mehr begleichen können, bisher sind die Fallzahlen hier nicht gestiegen. Es ist häufig so, dass die Menschen zunächst noch versuchen, Ihre Probleme alleine zu lösen und erst später zu uns kommen", berichtet Leyk gegenüber halloherne.

Ein Grund dafür sei, dass für die Menschen der Weg in die Schuldnerberatung mit einer großen Hemmschwelle verbunden sei.

Große Erleichterung nach erster Kontaktaufnahme

„Gott sei Dank habe ich aber in vielen Beratungsgesprächen mit den Menschen gelernt, dass nach der ersten Kontaktaufnahme mit uns eine große Erleichterung eintritt. Dank der Gesetzgebung wie die Durchführung von Insolvenzverfahren nach der Insolvenzordnung oder Einführung des Pfändungsschutzkontos können wir helfen, dass die Probleme der Menschen kleiner werden. Wichtig ist, dass zunächst die Kosten für Miete und Strom sowie Gas gesichert sind und erst dann schauen wir, wie mit den Schulden umzugehen ist", sagt die Geschäftsführerin der Schuldnerberatung Herne.

Insgesamt rechne Leyk damit, dass sich aufgrund der hohen Inflation und steigenden Energiekosten die positiven Überschuldungsraten, wie von Creditreform bisher verzeichnet, nicht halten ließen. „Tatsächlich gehen wir davon aus, dass uns künftig Menschen aufsuchen müssen, die unsere Einrichtung bisher nicht kannten. Viele Normalverdiener werden durch die hohe Inflation und die hohen Energiepreise in eine Schieflage geraten", so Leyk weiter.

NRW-weite Zahlen

In Nordrhein-Westfalen seien in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Privatpersonen überschuldet. Fast 29 Prozent von diesen, also rund 430.000, entfielen auf das Ruhrgebiet.

Jedoch zeige sich, dass es einen Geschlechterunterschied bei den Verschuldungen gebe. So seien deutlich mehr Männer als Frauen verschuldet. Nach Angaben von Creditreform seien rund 3,59 Millionen überschuldete Personen 2022 männlichen und rund 2,3 Millionen weiblichen Geschlechts.

Hohe Schulden können zu Depression und Einsamkeit führen.

Jedoch merken die Verantwortlichen von Creditreform an, dass die Anzahl der männlichen Schuldner sei 2018 kontinuierlich abgenommen habe, während der Anteil weiblicher Überschuldeter die vergangenen drei Jahre, zum Teil deutlich, abgenommen habe. Weiterhin seien alleinerziehende Frauen überdurchschnittlich häufig von Überschuldung betroffen, auch da sie oft im Familienleben eine Doppelbelastung aushalten müssen.

Ausblick von Crditreform

Creditreform spricht im Verschuldungsbericht von einer 'Zeitenwende', darüber könnten auch positive Überschuldungsraten für die Jahre 2021 und 2022 nicht hinwegtäuschen. Die „zwei großen historischen einmaligen Krisen", die Corona-Pandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, hätten nicht nur auf Deutschland Auswirkungen.

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So heißt es im Bericht: „In Verknüpfung führen beide zu einer dramatischen Belastung der finanziellen Möglichkeiten der deutschen Bevölkerung. So setzen galoppierende Energiepreise private Haushalte zunehmend unter finanziellen Druck, da sie die explodierenden Kosten für Heizen, Warmwasser und Strom kaum noch werden bezahlen können. Zugleich ist der Anteil derjenigen Verbraucher in Deutschland, die regelmäßig etwas (an)sparen konnten, von 70 Prozent im Jahr 2020 auf mittlerweile nur noch 50 Prozent gesunken. Dabei gerät auch zunehmend die Mitte der Gesellschaft unter Druck.“

| Autor: Julia Blesgen