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Weniger Verbindlichkeiten: Die Anzahl der Schuldner in Herne ist zurückgegangen (Symbolbild).

Hohe Verschuldung in den Stadtteilen Crange und Unser Fritz

Schuldnerquote deutlich gesunken

Die Schuldnerquote in Herne ist im Jahr 2023 auf 15,63 Prozent gesunken. Aus der kürzlichen Veröffentlichung des SchuldnerAtlas von Creditreform geht hervor, dass Herne mit einem Rückgang von 0,81 Prozentpunkten den höchsten Rückgang bei der Schuldnerquote im Ruhrgebiet verzeichnet. Zum Vergleich: Die Schuldnerquote lag im Jahr 2022 noch bei 16,44 Prozent. Insgesamt zeige sich seit 2020 ein kontinuierlicher Rückgang. In dem Jahr lag die Schuldnerquote nämlich noch bei 18,21 Prozent.

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Die 20 Schuldnerreichsten Postleitzahl (PLZ)-Bereiche

Dennoch gehöre Herne weiterhin zu den 20 Schuldnerreichsten Postleitzahl (PLZ)-Bereichen des Ruhrgebiets. So sei die Schuldnerdichte im Bereich der PLZ 44653 mit 19,17 Prozent am dichtesten. Hierzu zählen beispielsweise die Stadtteile Crange oder auch Unser Fritz. Jedoch gebe es auch hier einen positiven Trend zu verzeichnen. Im Jahr 2022 lag die Quote noch bei 20,38 Prozent. Die geringste Verschuldung liege im Bereich der PLZ 44625 mit 12,35 Prozent. Dazu zählen beispielsweise die Ortsteile Herne-Süd oder Holsterhausen.

Über alle Postleitzahlenbereiche hinweg sei nach Angaben des SchuldnerAtlas die Schuldnerquote im Ennepe-Ruhr-Kreis mit 9,41 Prozent am geringsten. Auch Bottrop und der Kreis Unna liegen im einstelligen Bereich. Am höchsten sei der Wert mit 16,62 Prozent, wie auch in den vergangenen beiden Jahren, in Gelsenkirchen.

Reaktion der Schuldnerberatung

Ganz so positiv sieht Andrea Leyk, Geschäftsführerin der Schuldnerberatung Herne, die Entwicklungen, die von Creditreform dargestellt werden, nicht. „Den Rückgang darf man nicht einfach so bewerten, denn liest man den Schuldneratlas genau, findet man dort folgende Erklärung: Die Überschuldungslage der Verbraucher ist ambivalent", erläutert sie gegenüber halloherne.

Weiter erwähnt sie: „Ohne den statistischen Sondereffekt - die Verkürzung der Speicherfrist für die Restschuldbefreiung von sechs Jahren auf drei Monate - gäbe es jedoch wieder mehr Schuldner als in 2022. Die Überschuldungsquote läge in Deutschland mit 8,51 Prozent leicht über dem Vorjahr. Es handelt sich um eine verdeckte Trendumkehr.“

Andrea Leyk, Geschäftsführerin der Schuldnerberatung Herne.

Fallzahlen 2023 gestiegen

So berichtet Leyk auch davon, dass sich die Fallzahlen in der Beratungsstelle im Jahr 2023 erhöht haben. Ein Beispiel seien die Insolvenzneuaufnahmen. In 2022 lag die Anzahl bei 286 (Stand 31. Dezember 2022), in 2023 bisher bei 403 Fällen (Stand 15. November 2023). „Aber auch diese Zahlen lassen sich nicht eins zu eins vergleichen, denn in 2022 war das Team der Schuldnerberatung personell noch anders aufgestellt“, räumt Leyk ein.

So macht die Geschäftsführerin der Schuldnerberatung Herne in Bezug auf Überschuldung deutlich: „Bezüglich der Ursachen der Verschuldung liegt bei unseren Kunden immer noch die Arbeitslosigkeit an vorderster Stelle. Grundsätzlich ist aber Einkommensverlust der häufigste Grund für eine Kontaktaufnahme mit uns. Einkommensverlust entsteht nicht nur bei Arbeitslosigkeit, sondern auch bei Trennung und Scheidung, Erkrankung oder der Tod eines Partners.“

Ferner erläutert sie, dass aufgrund der gestiegenen Preise bei Energie- und Lebenshaltungskosten nun auch Menschen in finanzielle Schieflage geraten, die ein normales Einkommen beziehen. „Gäbe es in Herne nicht diverse Hilfsangebote wie zum Beispiel durch den Stärkungspakt NRW/Herne Hilft, wäre die Lage der Betroffenen noch schlimmer einzuschätzen", mahnt Leyk.

In Nordrhein-Westfalen seien laut Creditreform in diesem Jahr 1,45 Millionen Privatpersonen überschuldet.

Ebenso sei der Weg in die Schuldnerberatung immer noch mit einer großen Scham verbunden. „Die Hemmschwelle der Menschen, die zu uns kommen, ist immer noch hoch. Wir bekommen aber nach dem Erstgespräch häufig gesagt, dass man schon eher gekommen wäre, wenn man gewusst hätte, dass Mitarbeiter der Beratungsstelle verständnisvoll reagieren", schildert die Chefin.

Die NRW-weiten Zahlen

In Nordrhein-Westfalen seien laut Creditreform in diesem Jahr 1,45 Millionen Privatpersonen überschuldet. Mit einer Zahl von rund 420.200 entfielen fast 29 Prozent auf das Ruhrgebiet. Absolut gesehen leben mit fast 65.000 Personen die meisten Überschuldeten in Duisburg. Ebenfalls mehr als 60.000 Überschuldete leben in Essen und im Kreis Recklinghausen. Die wenigsten Überschuldeten leben mit unter 10.000 Personen in Bottrop.

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Schuldnerquote in allen Kommunen gesunken

Die Anzahl der Überschuldeten sei in allen Kommunen gesunken - auch in Essen und Duisburg, in denen die Schuldnerquote leicht angestiegen ist. Das sei darauf zurückzuführen, dass in beiden Kommunen die Anzahl Erwachsener seit 2022 stärker gesunken ist als die Anzahl der Überschuldeten. So sei in diesen beiden Fällen trotz Rückgang der Anzahl Überschuldeter die Schuldnerquote gestiegen.

| Autor: Julia Blesgen