Ruhrtriennale analog

Start am 14. August 2021

Barbara Frey (li) und ihre beiden leitenden Dramaturginnen Judith Gerstenberg und Barbara Eckle in der Jahrhunderthalle.
Barbara Frey (li) und ihre beiden leitenden Dramaturginnen Judith Gerstenberg und Barbara Eckle in der Jahrhunderthalle. Foto: Pitt Herrmann

„Wir sind ganz wirklich hier“: Nach 15-monatiger Pandemie stellte Barbara Frey in der Bochumer Jahrhunderthalle das künstlerische Programm der Ruhrtriennale 2021 vor. Vom 14. August bis zum 25. September 2021 feiert das im vergangenen Jahr pandemiebedingt ausgefallene Festival der Künste an neun Spielorten in den Städte Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck ein Programm an den Schnittstellen von Musiktheater, Konzert, Schauspiel, Tanz, Performance, Installation, Literatur und Dialog. Und das nach Möglichkeit komplett analog, d.h. live vor Publikum.

Barbara Frey, zuletzt Intendantin des Schauspielhauses Zürich, gehört zu den erfolgreichsten Theatermacherinnen im deutschsprachigen Raum. Ihre jüngste Inszenierung, „Automatenbuffet“ am Burgtheater Wien, war gerade – leider nur online – beim Theatertreffen Berlin zu sehen. Die Schweizer Theaterregisseurin Barbara Frey führt nun für drei Jahre die Ruhrtriennale als Intendantin zusammen mit ihren beiden leitenden Dramaturginnen Judith Gerstenberg und Barbara Eckle.

Zu den Programmakzenten des ersten Jahres zählen künstlerische Statements im Musiktheater sowie im Schauspiel etwa während des Eröffnungs-Wochenendes am 14. und 15. August. Mit dem Musiktheater „Bählamms Fest“ kreiert die Komponistin Olga Neuwirth einen irrealen visuellen und musikalischen Grenzgang gemeinsam mit einer Vielzahl von Verbündeten, darunter das Ensemble Modern. Für das Auflösen von ästhetischen Grenzen steht exemplarisch auch die Zusammenkunft von drei Großen in der Kunst, der Komponist Michael Werthmüller, der Maler Albert Oehlen und der Schriftsteller Rainald Goetz in der Uraufführung des Musiktheaters „D • I • E“.

„Die Toten“ nach der gleichnamigen Erzählung von James Joyce wird in einer Inszenierung Barbara Freys in Deutscher Erstaufführung vom 1. bis 5. September 2021 in der Jahrhunderthalle Bochum gezeigt.
„Die Toten“ nach der gleichnamigen Erzählung von James Joyce wird in einer Inszenierung Barbara Freys in Deutscher Erstaufführung vom 1. bis 5. September 2021 in der Jahrhunderthalle Bochum gezeigt. Foto: Matthias Horn

Barbara Frey als Regisseurin

Barbara Frey stellt sich zur Festival-Eröffnung mit der Uraufführung einer Schauspiel-Kreation vor. Gemeinsam mit einem achtköpfigen Ensemble lädt sie das Publikum zu ihrer Sicht auf den Gedankenkosmos von Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ ein – eigens für den monumentalen Raum der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck erdacht. Weitere Arbeiten der Intendantin sind die Deutschlandpremiere von „Die Toten“ sowie dem Konzert „Spettro“ des für die ganze Triennale verpflichteten Schlagzeugers Fritz Hauser im Rahmen der Ruhrtriennale-Kultreihe MaschinenHausMusik, die 2021 in der Duisburger Gebläsehalle stattfindet.

Frauen-Themen

Der jüngste Wurf der Choreografin und Extrem-Performerin Florentina Holzinger „A Divine Comedy“ widmet sich Fragen nach einer möglichen Spiritualität im 21. Jahrhundert. Ihr Ausgangspunkt: die Jenseitsreiche aus Dantes „Göttlicher Komödie“. Intimere installative Arbeiten stammen von der Choreografin Mette Ingvartsen sowie dem Künstler Mats Staub, der sich mit „21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden“ in einer generationsübergreifenden Sammlung den Geschichten von 200 Menschen, u.a. auch aus dem Ruhrgebiet, widmet.

Konzert-Programm

In Deutscher Erstaufführung ist die Choreographie „Cascade“ von Meg Stuart, Damaged Goods, Philippe Quesne und Brendan Dougherty vom 10. bis 12. September 2021 auf Pact Zollverein in Essen zu sehen.
In Deutscher Erstaufführung ist die Choreographie „Cascade“ von Meg Stuart, Damaged Goods, Philippe Quesne und Brendan Dougherty vom 10. bis 12. September 2021 auf Pact Zollverein in Essen zu sehen. Foto: Martin Argyroglo

Anfang und Abschluss setzt die Musik: Die Ruhrtriennale eröffnet kurz vor Sonnenaufgang mit einem Konzert im Morgengrauen und einem anschließenden gemeinsamen Frühstück an der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck. Den Abschluss macht eine lange Nacht herausragender Kompositionen am 25. September in der Jahrhunderthalle Bochum. Zum umfangreichen Konzertprogramm gehört mit „Stil ist Gewalttat“, in dem der utopische Umgang der Komponistin Patricia Alessandrini mit der Musik von Luciano Berio, Claude Debussy und Arnold Schönberg erlebbar wird. Die Bochumer Symphoniker präsentieren mit ihrem Programm „Visionary Architects“ unter Leitung ihres neuen Generalmusikdirektor Tung-Chie Chuang Musik von Komponist:innen großer Klanggebäude.

Junge Triennale & mehr

Die Junge Triennale wendet sich mit zwei Gastspielen an ein junges Publikum, ergänzt durch das Projekt „Teens in the House“, dass Jugendliche zu Erkundungen, Interventionen und Dialog einlädt. Eine Lese- und Dialogreihe unter Leitung des Schweizer Dramatikers, Romanciers und Essayisten Lukas Bärfuss stellt gemeinsam u.a. mit Fritzi Haberlandt und Corinna Harfouch Fragen nach der Natur des Menschen. Auch das: Jenseits der Hallen, kostenfrei, rund um die Uhr, per Straßenbahn, Regionalexpress, Fahrrad oder zu Fuß, allein oder gemeinschaftlich laden uns lokale Kunstschaffende dazu ein, die Wege zwischen den Spielorten der Ruhrtriennale in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen zu erleben.

Hygienekonzept

Geplant sind 37 Produktionen und Projekte, darunter elf Eigen- und Koproduktionen. Mit acht Uraufführungen, fünf Deutschen Erstaufführungen sowie vier Übernahmen aus dem Programm der Ruhrtriennale 2020 lädt das international ausgerichtete Festival sein Publikum zu verschiedensten künstlerischen Erfahrungen ein. Vor dem Hintergrund aktueller und zu erwartender behördlicher Vorgaben plant das Festivalteam mit reduzierten Platzkapazitäten. Ein umfangreiches Hygiene- und Infektionsschutzkonzept wurde gemeinsam mit Fachleuten aus Medizin und Hygiene erarbeitet – stets im verantwortungsvollen Umgang mit der Gesundheit sowohl des Publikums als auch aller an der Ruhrtriennale Beteiligter.

Karten

Tickets gibt’s online unter ruhrtriennale.de oder oder Tel 0221 280-210 (Mo – Fr 8 bis 20, Sa 9 bis 18, So 10 bis 16 Uhr). Vorverkaufsstellen sind finden Sie unter ruhr3.com/vvk gelistet. Ein Frühbucherrabatt von 15 Prozent gilt bis einschl. 27. Juni 2021. Neu ist ein nicht übertragbares KombiTicket: Die Eintrittskarten gelten am Tag der Veranstaltung im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in allen Bussen und Nahverkehrszügen (2. Klasse) für Hin- und Rückfahrt zum und vom Veranstaltungsort. Kinder, Schüler und Studenten (bis einschl. 30 Jahre) erhalten gegen Vorlage eines entsprechenden Nachweises 50 Prozent Ermäßigung. Diese Gruppe kann zudem ab 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn nach Verfügbarkeit Last-Minute-Tickets für 10 Euro erwerben. Diese Ermäßigungen gelten auch für Bundesfreiwilligendienstleistende, Auszubildende und Erwerbslose, sie sind aber nicht mit dem Frühbucherrabatt kombinierbar.

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