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Franky (Lena Urzendowsky) kommt dem neuen WG-Bewohner Hasi (Cino Djavid) gefährlich nahe.

Märchenhafte Liebeskomödie

Neu im Kino: Franky Five Star

Ein Hotel. An der Rezeption herrscht Langeweile, ein Page in gelber Uniform tauscht auf dem Flur eine Glühbirne aus. Frau Franke (Gerti Drassl), Rezeptionistin und offenbar Chefin dieser Herberge ohne Gäste, ruft nach Frank (Sven Hönig), dem schon etwas betagten Liftboy, der stets an einer Möhre knabbert. Auftritt Ella (Sophie Killer): Zimmermädchen im sexy Outfit. Frau Franke behauptet steif und fest, gerade ein Huhn gesehen zu haben.

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Schnitt. Elena, die nur Franky (Lena Urzendowsky) genannt werden will, soll im Bekleidungshaus nach dem Willen ihrer Mutter (Milena Dreißig) neue Klamotten anprobieren, was ihr, aus ökologischen Gründen, sehr gegen den Strich geht. Noch dazu die nervigen Fragen nach ihrem Studium, ihrer Zukunft: Franky jobbt in einem Getränkemarkt und lebt mit ihrer besten Freundin, der Krankenschwester Katja (Meryem Ebru Öz), in einer Wohngemeinschaft. Abends erholen sich beide jungen Frauen vom Stress des Tages in der Badewanne – zusammen.

Wenn Franky nur den Mumm hätte, den attraktiven Nachbarn Roman (Paul Pötsch) anzubaggern, dem sie hoffnungslos verfallen ist, dann könnte sie ihr Leben aus eigenem Antrieb in den Griff bekommen. Aber selbst mit Katjas Hilfe kriegt sie gegenüber dem Musiker kein Wort heraus. Ihr Mauerblümchen-Dasein ist wie auf einen Schlag beendet, als Katjas neuer Freund Hassim, genannt Hasi (Cino Djavid), in die WG einzieht und eine Party gibt: Wie aufgedreht flirtet Franky mit dem darob total verblüfften, letztlich aber nicht abgeneigten Mechatroniker…

Der kleine Lenny (Cito Andresen) und die mondäne Ella (Sophie Killer) sprühen nur so vor Energie.

Zauberhafte Welt des Belle Époque Hotels

Bis dahin hat in Frankys Kopf ein totales Chaos geherrscht. Dafür verantwortlich die um den quirligen kleinen Lenny (Cito Andresen) ergänzte vierköpfige – und damit vierstimmige – Belegschaft des zwar leicht angestaubten, aber samt ruckeligem Fahrstuhl in die reale Welt zauberhaften Belle Époque Hotels. In dem die illustre, aber durchaus liebenswerte Gesellschaft über die großen Themen in Frankys Leben streitet: Liebe, Freundschaft und das Erwachsenwerden. Kurz: die Suche nach sich selbst. Aber ohne das ominöse Huhn wäre alles nichts…

„Franky Five Star“ ist eine märchenhafte Liebeskomödie, die ganz von der außerordentlichen Wandlungsfähigkeit der Hauptdarstellerin Lena Urzendowsky („Dark“, „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) lebt. Nicht ohne augenzwinkernde Ironie stellt sie die unkonventionelle Titelheldin mit großer Glaubwürdigkeit und Tiefe dar. Nachdem sie zur Berlinale 2023 als „German Films Face to Face Talent“ ausgewählt wurde, erhielt Lena Urzendowsky den Mario-Adorf-Preis für besondere künstlerische Leistungen bei den Wormser Nibelungen-Festspielen 2023.

Mit Humor und Fantasie gegen den Selbstoptimierungswahn

„Franky Five Star“ stellt sich mit Humor und Fantasie dem Selbstoptimierungswahn unserer Gesellschaft entgegen. Der über 105 Minuten bannende Film ist zugleich eine Ode der Regisseurin Birgit Möller („Valerie“) an das Kino mit einer gerade auch durch nostalgische Anklänge visuell bezaubernden Fantasiewelt, die durch einen ramponierten Aufzug mit der Wirklichkeit verbunden ist.

Apropos Nostalgie. Zum tollen Soundtrack, für den der finnische (Film-) Komponist Juhana Lehtimieni („Bekas“, „Piggy“) verantwortlich zeichnet, gehört „Larifari“ von Hildegard Knef aus dem Jahr 1977 im Original sowie in einer finnischen Neuinterpretation der Schauspielerin Oona Airola, die Musik, Gesang und Jazz im Kokkola studiert hat, bevor sie in Helsinki ins Studienfach Theater wechselte. Und, so etwas wie der Leitsong, „Wann strahlst du?“ von Barbara Stützel (Text) sowie Carsten Meyer und Jacques Palminger (Musik) aus dem Jahr 2007, interpretiert vom damaligen Berliner und heutigen Kölner Schauspieler Yvon Jansen im Hildegard-Knef-Stil.

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„Franky Five Star“ wurde am 26. Januar 2023 im Wettbewerb des 44. Filmfestivals um den Max Ophüls Preis in Saarbrücken uraufgeführt und dort mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet. Ende Mai 2023 gabs in Görlitz beim die drei Länder Deutschland, Polen und Tschechien umspannenden Neiße Filmfestival den Publikumspreis in der Kategorie Spielfilm. Zum Kinostart am 9. November 2023 bei uns zu sehen im Sweetsixteen Dortmund sowie im Luna im Astra Essen.

Mittwoch, 8. November 2023 | Quelle: Pitt Herrmann