Archäologiemuseum zeigt Ölgemälde zu aktuellen Esstrends
Moderne Kunst trifft Archäologie
In der Sonderausstellung „Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet“ präsentiert das LWL-Museum für Archäologie und Kultur mehr als archäologische Funde: Unter den mehr als 300 Exponaten fällt ein zentrales Werk des zeitgenössischen Künstlers Jörg Strobel ins Auge. Sein großformatiges Ölgemälde „Das Mahl“ ist im Eingangsbereich der Ausstellung zu sehen und setzt sich mit aktuellen Esstrends und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander.
Das rund 4,5 Meter breite Triptychon ist Teil von Strobels Werkreihe „Tischlein deck DICH“, in der er Essen und Ernährung als Spiegel der Gegenwart thematisiert. Strobel: „Das Gemälde berichtet von Massenproduktion und Nachhaltigkeit, Konsum und Verzicht, Genuss und Kasteiung.“ In Anlehnung an Leonardo da Vincis berühmtes „Abendmahl“ versammelt der Künstler unterschiedliche „Essenstypen“ an einem Tisch: vom Genießer über den Zügellosen bis hin zur Verweigerin. Das Bild stellt zentrale Fragen zum Thema der Sonderausstellung: Was bedeutet Essen heute? Ist Ernährung zu einer Art Ersatzreligion geworden?
Facettenreiche Gesellschaft
Die Darstellung zeigt eine zugleich facettenreiche und fragmentierte Gesellschaft, in der individuelles Lebensgefühl zunehmend das soziale Miteinander ersetzt. Essen wird bei Strobel zum kulturellen Marker der Ideologien, Werte und Lebensstile.
Methodisch arbeitet der Künstler mit großer Präzision: Nach intensiver Recherche entwickelte er verschiedene Ernährungstypen, die zunächst zeichnerisch festgehalten wurden. Diese Skizzen dienten anschließend als Grundlage für ein Casting und ein mehrtägiges Fotoshooting, dessen Ergebnisse wiederum als Vorlage für das Ölgemälde dienten.
Strobel: „Meine Malweise ist größtenteils fotorealistisch. Die theatralische Lichtinszenierung, die dadurch möglich ist, sowie der Malstil, sind hier angelehnt an die Arbeitsweise der Alten Meister.“ Mit seiner Nähe zur historischen Bildsprache schlage er eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, so Museumsleiterin Melanie Wunsch. „Genau hier entsteht der Dialog zwischen moderner Kunst und Archäologie: Aktuelle Themen werden in einer traditionellen Form sichtbar gemacht und damit in einen größeren kulturhistorischen Zusammenhang gestellt - ein Ansatz, der die inhaltliche Ausrichtung unserer Ausstellung ideal ergänzt“, sagt Wunsch.
Der Künstler
Jörg Strobel (geboren 1968) lebt und arbeitet in Kelkheim im Taunus. Nach einer Ausbildung als Grafikdesigner wandte er sich früh der klassischen Ölmalerei zu. Im Zentrum seiner Arbeiten steht der Mensch – in seiner Rolle, seinem Umfeld und seiner Geschichte. Seine Malerei bewegt sich zwischen Realismus und Hyperrealismus, oft in reduzierten Farbräumen. Besonders in großformatigen Arbeiten erinnert die Wirkung seiner Bilder an eine Bühneninszenierung: der Mensch im Mittelpunkt, präsent und zugleich Teil eines größeren Zusammenhangs.
Die Sonderausstellung „Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet“ ist noch bis Sonntag, 13. September 2026, im LWL-Museum für Archäologie und Kultur zu sehen.
Gemeinsames Essen ist weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Ob beim königlichen Bankett, der einfachen Bauernmahlzeit, dem familiären Abendessen oder der gemeinsamen Mittagspause – überall offenbaren sich Fragen: Wer sitzt wo? Welche Rituale bestimmen das gemeinsame Mahl? Und was verrät das alles über Macht, Zugehörigkeit, gesellschaftlichen Wandel und vor allem Kultur?
Von opulenten Festtafeln und rituellen Speisungen bis hin zu den Herausforderungen der Gegenwart – schnelle Snacks, digitale Ablenkung und der scheinbare Verlust gemeinsamer Rituale – zeigt die Sonderausstellung „Mahlzeit!“, wie Essen seit Jahrtausenden als sozialer Klebstoff funktioniert.