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Islamische Gemeinde Röhlinghausen

Leserbrief zum Attentat auf Rushdie

Tuncay Nazik von der Islamischen Gemeinde Röhlinghausen schickte uns am Sonntag (14.8.2022) folgenden Leserbrief, der sich auf das Messerattentat auf den indisch-britischen Schriftsteller Sir Ahmed Salman Rushdie bezieht. Der Angreifer hatte während einer Literaturveranstaltung am Freitag (12.8.2022) im Bundesstaat New York immer wieder auf Rushdie eingestochen. Rushdie musste anschließend notoperierte werden.

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Dazu schreibt Nazik: „Ein Kommentar zum abscheulichen Attentat gegen Salman Rushdie: Die verbale Offenbarung des Koran ermahnt die Gläubigen mit ganz klaren Worten: O ihr, die ihr glaubt, folgt nicht den Fußstapfen des Satans. Wer den Fußstapfen des Satans folgt, der gebietet das Schändliche und Verwerfliche. Und dennoch ist einer, der sich (nach jetzigem Kenntnisstand) als Muslim ausgibt, den Fußstapfen des Satan gefolgt und beging eine schändliche und verwerfliche Tat gegen den Autor des Buches „die satanischen Verse“, Salman Rushdie.

Seit der Fatwa von Chomeini lebte Rushdie unter Polizeischutz und wurde erst dadurch der breiten Masse bekannt. So ist die Meinungsfreiheit zu seinem Lebensthema geworden. Es handelt sich um ein Menschenrecht, sagte der Autor auf der Frankfurter Buchmesse. Woraufhin der Iran die Buchmesse boykottierte. Schon im März 1989 widersprachen alle Mitgliedsstaaten der Islamischen Konferenz der Fatwa. Nur der Iran hielt an seiner Position fest. Man kann von Rushdies Buch halten was man will. - Man kann die Karikaturen über den Propheten doof finden. - Man kann die Zeichnungen des Charlie Hebdo Magazins als beleidigend einstufen. Viele empfinden es auch so.

Eins haben aber alle Vorfälle gemeinsam; erst durch die übertriebenen Proteste der Muslim:innen weltweit und wegen der Anschläge gegen besagte Menschen, erlangten die jeweiligen Werke oder Veröffentlichungen die Berühmtheit, die sie jetzt haben. Somit haben die, teils unmenschlichen Reaktionen der Muslim:innen, genau das Gegenteil von dem erreicht, was eigentlich erreicht werden sollte: mehr Leser:innen, mehr Auflagen, mehr Aufrufe und Likes.

Und der Koran als Wegweiser für alle Muslim:innen, schreibt bereits vor ca. 1.400 Jahren, wie ein:e Muslim:a mit solchen Vorfällen umzugehen hat: Und wenn du diejenigen siehst, die auf unsere Zeichen (spottend) eingehen, dann wende dich von ihnen ab, bis sie auf ein anderes Gespräch eingehen. Und wenn dich der Satan vergessen lässt, dann sollst du, nachdem du dich wieder daran erinnert hast, nicht mit den Leuten zusammensitzen, die Unrecht tun.

An alle Schwestern und Brüder im Islam: wenn euch eine Sendung nicht gefällt, dann schaltet auf eine andere um. Wenn euch ein Karikatur nicht gefällt, dann schaut sie euch nicht an. - Wenn euch eine Meinung nicht gefällt, dann lest sie nicht. Und vergesst bitte nicht, dass es auch Menschen gibt, die unsere Meinungen, Sendungen und auch unsere Religion abscheulich finden. Uns gefällt es auch nicht, wenn wir dann diskriminiert oder verfolgt werden. Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu! - Falls ihr eurem Ärger aber Luft machen wollt, dann gibt es demokratische Mittel um das zu tun.

Noch besser: wenn du zeigen willst, dass du deinen Propheten liebst, dann kauf dir seine Biografie und lese sie. Lerne deinen Propheten besser kennen und überlasse Gottes Angelegenheiten Gott. Wir sind nicht Gottes Anwält:innen und schon gar nicht seine Henker:innen. Auch wenn es eine extrem kleine Minderheit ist, die unter den Muslim:innen gewalttätig ist, reicht sie aus, um den gesamten Islam in den Dreck zu ziehen. Lasst uns gemeinsam dagegen vorgehen und extremistischem Gedankengut keinen Platz in unseren Reihen bieten. Wir verurteilen jegliche Art von Gewalt, ob religiös begründet oder nicht.

Salman Rushdie wünschen wir schnelle Genesung. Nach Medienberichten werde er wahrscheinlich ein Auge verlieren. Wir wünschen ihm, dass er mit beiden Augen das Licht der Welt erblicken kann."

| Quelle: Tuncay Nazik/ Islamische Gemeinde