Kinofilm: Zu weit weg

Hauptdarsteller und Regisseurin in Dortmund

KinoFilm: Zu weit weg. Teamgeist ist das A & O beim Fußball. Ben (Yoran Leicher) in Siegerlaune
KinoFilm: Zu weit weg. Teamgeist ist das A & O beim Fußball. Ben (Yoran Leicher) in Siegerlaune Foto: Weydemann Bros. / Monika Plura

Der zwölfjährige Ben (Yoran Leicher, Liliane Susewind, Gut gegen Nordwind) und seine ältere Schwester Isa (Julia Hort) sind zusammen mit ihren Eltern gezwungen, ihre gewohnte Umgebung zu verlassen, da ihr im Rheinischen gelegenes Heimatdorf Niederkirchbach dem immer näher rückenden Braunkohletagebau weichen muss. In der nächstgrößeren Stadt finden sie zwar ein neues Zuhause, in das sich Ben aber nur schwer einfindet, denn an der neuen Schule ist er der Außenseiter und wird gehänselt. Allein wenn er seiner großen Leidenschaft Fußball nachgeht, fühlt er sich wohl. Doch die Fahrten mit der Rurtalbahn sind zu weit, um am Training seines bisherigen Vereins teilnehmen zu können.

KinoFilm: Zu weit weg. Teamgeist ist das A & O beim Fußball.
KinoFilm: Zu weit weg. Teamgeist ist das A & O beim Fußball. Foto: Weydemann Bros. / Monika Plura

So sucht sich Ben in der Stadt nach einem neuen Sportverein um. Doch der talentierte Stürmerstar wird dort keineswegs mit offenen Armen empfangen. Denn an Angreifern besteht in der D-Jugend kein Mangel, Verteidiger werden gesucht – und Ben als solcher eingesetzt. Mit höchst mäßigem Erfolg. Und dann auch noch das: der um ein Jahr jüngere Tariq (Newcomer Sobhi Awad), ein Flüchtlingskind aus Syrien und ebenso wenig heimisch geworden in neuer Umgebung wie er selbst, wird vom Trainer Rainer (Mohamed Achour) gleich ins Team geholt, wo er Ben mit seinen überragenden Dribbelkünsten und seiner unorthodoxen Schusstechnik rasch in den Schatten stellt.

Nach anfänglicher gegenseitiger Abneigung merken die beiden Jungs jedoch bald, dass sie mehr gemeinsam haben als sie denken: Beide haben sie ihre Heimat verloren. Und der junge Syrer sogar seine Familie: die Eltern stecken in einem Flüchtlingslager an der türkischen Grenze fest, er selbst ist bei Hanne Halder (Sabine Vitua) im Jugendheim untergekommen. Als Ben erfährt, dass der traumatisierte Tariq auf der Flucht aus dem umkämpften Aleppo von seiner Familie getrennt wurde und deshalb in jeder freien Minute auf dem Bahnhof nach seinem älteren Bruder Kheder (Soufjan Ibrahim) Ausschau hält, entschließt Ben sich, ihn abzulenken und nimmt ihn mit in das verlassene Haus seiner Familie – wo Isa mit ihren Freunden verbotenerweise eine große Abschiedsparty gibt...

„Bagger macht alles kaputt, wie bei uns die Bomben“ stellt Tariq fest, als er mit Ben durch Niederkirchbach radelt, wo ein Haus nach dem anderen abgerissen wird. Mit Hilfe der Schuldirektorin Melanie (Petra Nadolny) gelingt es den Klassenkameraden, Tariqs Bruder Kheder Sabil in Holland ausfindig zu machen: Bei ihm wird der frischgebackene Blutsbruder Bens künftig leben. Dank Skype spielt die Entfernung gar keine Rolle. Apropos Spiel: Nicht zufällig hat Ben, der Ich-Erzähler dieses über 88 Minuten spannenden und emotional bannenden Familienfilms über die grenzüberschreitende Kraft der Freundschaft, jetzt die effektiven Kicker-Tricks auf Lager...

Die Regisseurin Sarah Winkenstette (Willkommen bei Familie Clown, aktuell die TV-Serien Ein Sommer an der Moldau und Schloss Einstein), 1980 in Rheda-Wiedenbrück zur Welt gekommen, hat als Sechzehnjährige erleben müssen, wie ihr Elternhaus abgerissen wurde. Das zwar an gleicher Stelle wieder neu errichtet wurde, „aber es war nicht mehr unser altes Haus, nicht mehr mein Zimmer mit all den Erinnerungen, der Zufluchtsort meiner Kindheit.“ Heimatverlust und Integration verpackt in eine spannende Abenteuergeschichte: Zu weit weg, am 3. Mai 2019 beim Barnefilmfestivalen im norwegischen Kristiansand uraufgeführt, entstand nach einem Drehbuch der Kölner Dramaturgin, Journalistin sowie Hörbuch- (Lakritz in Lappland), Bühnen- (Auf Durchreise) und Filmautorin Susanne Finken (Hüter meines Bruders, Shakespeares letzte Runde).

Der bei diesem ernsten Thema durchaus situationskomische, unterhaltsame Kinderfilm konnte bisher mehr als ein halbes Dutzend internationaler Auszeichnungen einheimsen, so den ECFA Award als Bester Spielfilm beim Siffcy-Smile International Film Festival für Kinder und Jugendliche Neu-Delhi 2019, den „Football Goat“ als herausragender Beitrag zu Kino und Audiovisuellen Medien für Kinder und Jugendliche beim International Young Audience Film Festival Ale Kino 2019 in Poznan (Posen), den ECFA Award beim Internationalen Kinder- und Jugendfilmfestival Oulu 2019, den CIFEJ Award beim Filem'On Festival Brüssel 2019, den „Teen Screen“ für den besten Kinderfilm beim Molodist Int. Festival in Kiew, das „Kleine Goldene Auge“ als bester Kinderfilm beim Zürich Filmfestival 2019, den Preis der Ökumenischen Jugend sowie den Kinder- und Jugendfilmpreis des Goethe Instituts beim Int. Schlingel Filmfestival für Kinder und junges Publikum 2019 in Chemnitz.

Nach der Deutschen Erstaufführung am 20. Oktober 2019 beim 31. Bielefelder Kinderfilmfest kommt Zu weit weg am 12. März 2020 in die deutschen Kinos, in unserer Region zu sehen im Union Bochum und im Sweet Sixteen in Dortmund. Gleich zum Start lädt das Programmkino an der Immermannstraße 29 in der Dortmunder Nordstadt zu zwei Sonderaufführungen ein: Am Donnerstag, 12. März, ist der Borussia Dortmund Kids Club zu Gast und am Freitag, 13. März 2020, haben sich die Regisseurin Sarah Winkenstette sowie die beiden jungen Hauptdarsteller Yoran Leicher und Sobhi Awad angesagt.

Quelle: