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Das neue Traumpaar in Lack und Latex: Heathcliff (Jacob Elordi) und Cathy (Margot Robbie) in Emerald Fennels moderner Literatur-Adaption „Wuthering Heights“.

Damenabend-Preview in der Filmwelt Herne

Kino-Tipp: 'Wuthering Heights – Sturmhöhe'

Für die, so zumindest Warner Bros. im Presseheft, „größte Liebesgeschichte aller Zeiten“, hat Emerald Fennell, die nicht nur die Vorlage von Emily Brontë für die Leinwand adaptiert, sondern auch inszeniert hat und überdies als Co-Produzentin fungiert, ein australisches Traumpaar gefunden, das nicht nur die weiblichen Herzen höher schlagen lässt: Der 28-jährige Jacob Elordi, Elvis in „Priscilla“, aber auch das Monster in „Frankenstein“ und zuletzt der Footballspieler Nate in der angesagten Serie „Euphoria“, als Heathcliff und die 35-jährige Margot Robbie, „The Wolf of Wall Street“, „I, Tonya“ und zuletzt „Barbie“, als Catherine, genannt Cathy.

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Ihren einzigen Roman „Wuthering Heights“, in Deutschland unter dem Titel „Sturmhöhe“ erschienen, hat die britische Schriftstellerin Emily Brontë (1818 – 1848 Yorkshire) 1847 unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell veröffentlicht. Zwei Schauplätze, zwei Familien: Zum einen der auf einer Anhöhe im Hochmoor von Yorkshire gelegene und von der Familie Earnshaw bewirtschaftete titelgebende Gutshof Wuthering Heights, zum anderen das im Tal gelegene, ungleich feudalere Herrenhaus Thrushcross Grange, das der Familie Linton gehört.

Drei Generationen Familiengeschichte

Die Geschichte dieser beiden Familien wird über drei Generationen hinweg erzählt – und zwar gleich von zwei Ich-Erzählern, was für einen Roman höchst ungewöhnlich ist. Erste Erzählerin ist die Haushälterin Ellen Dean, genannt Nelly, die für das Findelkind Heathcliff so etwas wie ein Mutterersatz wird. Der alte Earnshaw hatte den Sechsjährigen in den Straßen Liverpools aufgelesen und auf Wuthering Heights zusammen mit seinen eigenen Kindern Hindley und Catherine aufgezogen.

Nelly macht, wesentlich später, den jungen Fremden Lockwood, dem Heathcliff, inzwischen Herr über beide Häuser, Thrushcross Grange vermietet hat, mit der verzwickt-ausufernden Geschichte beider Familien bekannt. Sodass Lockwood als zweiter Ich-Erzähler vieles nur aus zweiter Hand beisteuert – eine weitere Besonderheit des erstmals 1851 auf Deutsch zunächst unter dem Titel „Wutheringshöhe“ erschienenen 450-seitigen Romans.

Düstere Atmosphäre

Der ist seit 1920 zwanzig Mal verfilmt worden, hinzu kommen musikalische Adaptionen von mehreren Opern bis hin zu Cliff Richards Musical „Heathcliff“ von 1996. Nun also die 21. Version, und wer sich auf einen 136-minütigen Inga-Lindström-Romantikabend auf großer Leinwand gefreut hat, dürfte bereits bei den ersten düsteren Bildern des auf extreme Nahaufnahmen setzenden Kameramanns Linus Sandgren die Piccolöchen-Flasche in der Halterung des Kino-Sitzes abstellen: Der Todeskampf eines Erhängten als Volksbelustigung am „Galgentag“.

Das steht nicht bei Emily Brontë: Cathy (Margot Robbie) masturbiert an der sturmumtosten Küste Yorkshires.

Zu den unheilschwanger-dräuenden Aufnahmen der felsigen Küstenlandschaft Yorkshires passt der düstere Gutshof Wuthering Heights, in dem der despotische Earnshaw (Martin Clunes) ein gewalttätiges Regiment führt – auch und gerade dem warum auch immer aufgelesenen Straßenjungen Heathcliff (Owen Cooper) gegenüber. Der sich als wahrer Freund und selbstloser Beschützer der kleinen Cathy (ein strahlend-helles Licht in all‘ der Finsternis: Charlotte Mellington) erweist.

Luxus statt Liebe

Als Edgar Linton (Shazad Latif) und sein Mündel Isabella (Alison Oliver) ins Herrenhaus Thrushcross Grange eingezogen sind, wittert der aufgrund seiner Spielsucht bankrotte Earnshaw die Chance, seine inzwischen fast erwachsene Tochter Cathy (nun Margot Robbie) mit dem wohlhabenden Nachbarn zu verheiraten. Die für ein luxuriöses Leben bereit ist, ihre noch uneingestandene Liebe zu Heathcliff (nun Jacob Elordi) aufzugeben, was Letzteren über Nacht Wuthering Heights den Rücken kehren lässt.

Cathys Puppenstuben-Dasein endet abrupt, als Heathcliff nach fünf Jahren zurückkehrt – als so attraktiver wie wohlhabender Mann, der im blassen Mauerblümchen Isabella sogleich Begehrlichkeiten weckt…

Lust und Wahnsinn

Genug der Einzelheiten einer, so Warner Bros. im Presseheft, „epischen Geschichte von verbotener Liebe, die sich von romantischer Sehnsucht zu einem berauschenden Strudel aus Lust, Leidenschaft und Wahnsinn steigert“. Von der Vorlage ist nur der Rahmen übernommen worden: Bei Emily Brontë geht’s zwar auch bezüglich des versoffenen Earnshaw hart zur Sache, aber gemildert durch gleich zwei Erzähler. Und von den SM-Spielchen in der Gesindestube zwischen Joseph (Ewan Mitchell) und Zillah (Amy Morgan), denen Cathy heimlich zusieht, steht naturgemäß ebenso wenig zwischen den Buchdeckeln wie von Cathys Masturbation an der felsigen Küste Yorkshires, die wiederum von Heathcliff beobachtet wird.

Was nun wirklich kein Problem darstellt, Emerald Fennell hat schließlich keinen Historienfilm drehen wollen. Weshalb für mich auch die gerade im Netz höchst kontrovers geführten Diskussionen über die Hautfarbe des Heathcliff-Darstellers oder Jacqueline Durrans Latex-Outfit für die Cathy-Schauspielerin keine Rolle spielen.

Die Regisseurin hat hinter den Kulissen mit langjährigen Weggefährten zusammengearbeitet, neben Linus Sandgren etwa mit der Produktionsdesignerin Suzie Davies, der Editorin Victoria Boydell, der Casting-Direktorin Kharmel Cochrane und dem Komponisten Anthony Willis. Die Original-Songs stammen von der Popsängerin Charli XCX, die zum Kinostart gleich ein ganzes Album herausgebracht hat.

Damenabend als Preview

Nach der Uraufführung am 28. Januar 2026 in Los Angeles startet „Wuthering Heights“ am Donnerstag, 12. Februar 2026 in unseren Kinos – und auch in der Filmwelt Herne. Die lädt bereits am Mittwoch, 11. Februar 2026, um 20.15 Uhr zum Damenabend-Preview ein.

Cathy (Margot Robbie, li.) genießt das Luxusleben in Thrushcross Grange an der Seite ihres Gatten Edgar Linton (Shazad Latif) und der Haushälterin Nelly Dean (Hong Chan, r.).
Februar
12
HEUTE
Donnerstag, 12. Februar 2026 Filmwelt Herne, Berliner Platz 7 - 9, 44623 Herne
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  • Mittwoch, 11. Februar 2026, um 20:15 Uhr
Dienstag, 10. Februar 2026 | Autor: Pitt Herrmann