'Harold und Maude' im Kulturzentrum
Kino-Kultfilm auf der Bühne
Harold Chasen (Vincent John) ist noch keine 20, stammt aus begütertem Hause und ist hauptberuflich Sohn. Und doch beschreitet er auf der Suche nach dem Sinn des Lebens höchst seltsame Wege: seine Lieblingsbeschäftigung ist die Erfindung immer abstruserer Möglichkeiten, sich das Leben zu nehmen. Er inszeniert die täuschend echten, aber naturgemäß genau kalkulierten Selbstmordversuche geradezu, um seine Mutter (Arikia Orbán), eine neureiche, schrille Amerikanerin, aus der Fassung zu bringen.
Die empfindet das Verhalten ihres Sohnes freilich höchstens als den Gipfelpunkt schlechten Benehmens. Weder der Psychiater Doktor Mathews (auch als Butler Mariano: Jan-Hendrik Kroll) noch die von ihr besorgten Heiratskandidatinnen (sämtlich Lesley-Ann Eisenhardt) helfen Harold auf der Suche nach dem Sinn des Lebens weiter. Bis er, auf der Beerdigung einer ihm gänzlich unbekannten Person, auf eine 79-jährige, dabei zugleich sehr jugendlich-unkonventionelle Dame trifft: Maude Chardin (Hella-Birgit Mascus).
Unbändige Lebenslust
Sie klaut Motorräder, um Bäume zu retten, verschreckt Pater Finnegan (Marvin Moers) und verärgert Polizei-Inspector Bernard (ebenfalls Jan-Hendrik Kroll). Mit ihrer unbändigen Lebenslust reißt sie Harold aus seiner Lethargie und bald verbindet das nicht nur altersmäßig so ungleiche Paar eine berührende Freundschaft. Doch Harolds Hoffnung, Maude an ihrem 80. Geburtstag zu heiraten, steht im direkten Gegensatz zu dem, was sie für diesen Tag geplant hat...
Nach einem Drehbuch von Colin Higgins, dass der damalige australische Filmstudent für ein Seminar geschrieben hatte, drehte Hal Ashby 1970 „Harold und Maude“, der am 20. Dezember 1971 das Licht der Kinowelt erblickte. Noch im gleichen Jahr kam das Skript als Roman heraus und weil der Kultstreifen geradezu durch die Decke ging, der seit dem 6. Juni 1975 ununterbrochen sonntags in der Essener Galerie Cinema läuft, verfasste Higgins zusammen mit dem französischen Schauspieler und Autor Jean-Louis Barrault ein zweiaktiges Bühnenstück.
Es feierte in der Übersetzung von Udo Birckholz am 25. Oktober 1974 seine Deutschsprachige Erstaufführung am Renaissance-Theater Berlin – und feiert seitdem wahre Triumphe etwa mit Gusti Wolf 1997 am Wiener Burgtheater oder Tana Schanzara 2002 am Schauspielhaus Bochum.
Stehende Ovationen
In der analog zur Vorlage auf die 70er Jahre Bezug nehmenden Ausstattung Marc Mahns ist die Neuinszenierung Kristoffer Keudels am Westfälischen Landestheater am 14. Februar 2026 herausgekommen, nur wenige Tage nach dem Tod des Harold-Darstellers auf der Leinwand, Bud Cort.
Es gab nach gut zwei Stunden stehende Ovationen eines gebannten Publikums, obwohl bei ihm die Kenntnis der Handlung vorausgesetzt werden kann: Theater ist immer live und durch nichts zu ersetzen. Das werden sicherlich auch die Herner Theaterfreunde so empfinden beim WLT-Gastspiel am Dienstag, 24. März 2026, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum.
Nach Tana Schanzara nun Hella-Birgit Mascus
Die enorme Begeisterung des Publikums am Castrop-Rauxeler Europaplatz, welche sich nach dem emotional nicht leicht zu verkraftenden Schluss spontan in Orkanstärke entlud, galt naturgemäß in erster Linie der Maude-Darstellerin Hella-Birgit Mascus, einer festen Größe des Bochumer Theaters – von der Klytaimnestra und der Helena in John van Düffels Atriden-Zyklus 2014 und der Diva Maria Callas in „Meisterklasse“ 2020 am Bochumer Prinz Regent Theater bis hin zur Rolle der Olga in Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ 2021 an der Rottstraße.
„Maude ist in ihrer Lebendigkeit und Nächstenliebe so diplomatisch. Sie hat klare Vorstellungen, kann höflich mit allen reden und überzeugen. Das finde ich vorbildhaft in unserer schrillen, unversöhnlichen Zeit. Dieses Besondere, wie Maude mit Menschen umgeht – das spüren auch die anderen Figuren, und ich fände es großartig, wenn es uns gelänge, das auch für das Publikum spürbar zu machen“, so der Regisseur Keudel vorab. Es ist ihm nicht zuletzt durch die typengerechte Besetzung der weiteren Figuren neben Maude und Harold gelungen.
Gastspiel im KuZ und Open Air
Wer aus zeitlichen Gründen am Dienstag, 24. März 2026, um 19.30 Uhr nicht das WLT-Gastspiel im Herner Kulturzentrum besuchen kann, sollte sich die weiteren Termine in unserer Region merken: Am Freitag und Samstag, 12. und 13. Juni 2026 jeweils um 19.30 Uhr Open Air in der besonderen Atmosphäre des Parkbades Süd in Castrop sowie am Donnerstag, 17. September 2026 um 19.30 Uhr im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen.
Vergangene Termine (1) anzeigen...
- Dienstag, 24. März 2026, um 19:30 Uhr
Vergangene Termine (2) anzeigen...
- Freitag, 12. Juni 2026, um 19:30 Uhr
- Samstag, 13. Juni 2026, um 19:30 Uhr