'Jugendverkehrsschule kann starten'

Bürgerselbsthilfe macht den Weg frei

Ein Mosaik des Herner Künstlers Jupp Gesing von 1962.
Ein Mosaik des Herner Künstlers Jupp Gesing von 1962. Foto: Carola Quickels

Zu den traurigsten Kapiteln der Verkehrsunfallstatistik gehören mit Sicherheit die Unfälle mit Kindern. Laut dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat wurden im Jahr 2019 rund 28.000 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr verletzt. Zehn Jahre zuvor waren es mit 30.845 Kindern zwar noch mehr, aber diese Zahlen sind nicht hinnehmbar. Das zeigt, dass eine Verkehrserziehung und auch eine Mobilitätsförderung der Kinder in den Schulen weiterhin eine hohe Priorität einnehmen sollte.

Das hat in Herne bis zum Herbst 2018 auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule an der Karlstraße auch gut funktioniert. Allerdings fand dort am 10. Oktober 2018 die letzte Aktion mit Schülern der Sonnenschule statt, danach wurde das Gelände geschlossen und die Suche nach einem neuen Standort begann. Das Gelände hinter dem Heimatmuseum schien ideal und auf Initiative der SPD- und CDU-Fraktion sollte der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause 2019 die Verwaltung beauftragen, dort die Voraussetzungen für eine stationäre Verkehrsschule zu schaffen. „Und zwar kurzfristig“, drückte SPD-Fraktionschef Udo Sobieski damals auf das Gaspedal.

Die Vorher- Nachherfotos zeigen, dass mit ein bisschen guten Willen und Muskelkraft so manch ein Problem beseitigt werden kann. Das Kunstwerk von Jupp Gesing liegt nur nicht mehr im Bereich der neuen Jugendverkehrsschule.
Das Kunstwerk von Jupp Gesing auf dem Gelände der neuen Jugendverkehrsschule. Foto: Horst Schröder

Kurzfristig ging auch fast alles: Denn mittlerweile ist der neue Standort der Jugendverkehrsschule fast fertig. Straßen sind angelegt und markiert, das Gelände ist eingezäunt, die Lichtanlage steht bereit und die Künstlerin Cara Lila Bauer hatte einen bunten Entwurf für die triste Garagenwand entworfen (halloherne berichtete). Ostern 2021 sollte das Gelände dann eingeweiht werden - aber es verzögerte sich immer weiter.

Woran das liegt?

Unter anderem liegt es an einem kleinen Kunstwerk: In einer kleinen Ecke des Geländes liegt seit 2016 das Kunstwerk - Einigkeit und Recht und Freiheit - des Herner Künstlers Jupp Gesing (1922-1998). Genau auf diese Ecke soll der Materialcontainer der Schule aufgebaut werden. Das Kunstwerk zeigt sinnbildlich die gesamtdeutsche Situation von 1937. Das Mosaik in den Farben rot, gelb und grün stellte die alte Bundesrepublik, die ehemalige DDR sowie die polnisch- und russisch besetzten Ostgebiete mit einem Strahlenkranz von Berlin aus zu den jeweiligen Landeshauptstädten dar.

Die neue Jugendverkehrsschule.
Die neue Jugendverkehrsschule mit den angelegten Straßen und Markierungen Foto: VW/ Jochen Hornauer

Auf der Seite des Digitalen Geschichtsbuch für Herne und Wanne-Eickel ist zu lesen: „Nach zweijähriger Verhandlungszeit wurde das Denkmal 1992 – zwei Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung – politisch aktualisiert, mit Holz ummantelt und mit einer Foliendarstellung versehen. Der Text darauf lautete fortan: 'Deutsche Einheit 1990′ Karte der BRD mit den neuen Ländern, Ländergrenzen und Landeshauptstädten und Berlin und Bonn'."

Mit vereinter Kraft

Dieses zwischengelagerte Kunstwerk, ist einer der Gründe, die seit geraumer Zeit die Inbetriebnahme des Verkehrsschule behindern. Das ärgert unter anderem auch Horst Schröder, einer der Befürworter der neuen Verkehrsschule.

Er sagt im halloherne-Gespräch: „Das eine Umsetzung des Kunstwerks allerdings zu hohe Kosten verursachen würde, kann ich kaum glauben. Wichtig ist doch, dass die Kinder endlich wieder das ABC des Verkehrs erlernen. Und auch, damit die Kinder, die in den Ferien zu Hause bleiben müssen, ein Angebot haben, habe ich die Umsetzung des Kunstwerks selbst organisiert und es mit der Hilfe des Bezirksbürgermeisters Uwe Purwin, gaaanz vorsichtig an eine andere Stelle befördert." Dazu hat sich Schröder von einem „Kumpel“ einen Hubwagen und eine Rollbrett geliehen. „Die Aktion hat keine 15 Minuten gedauert", erzählt Schröder verschmitzt und fügt hinzu: „Nun kann die Jugendverkehrsschule endlich starten.“

Die Vorher- Nachherfotos zeigen, dass mit ein bisschen guten Willen und Muskelkraft so manch ein Problem beseitigt werden kann. Leer ist der Platz, an dem das Kunstwerk von Jupp Gesing dem Start der neuen Jugendverkehrsschule im Weg lag.
Leer ist der Platz, an dem das Kunstwerk von Jupp Gesing dem Start der neuen Jugendverkehrsschule im Weg lag. Foto: Horst Schröder
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