'Wir gehören an den Tisch, wo Entscheidungen getroffen werden'
Eröffnung der 33. Herner Frauenwoche
Jedes Jahr um den Weltfrauentag herum, der jährlich am 8. März ist, findet die Herner Frauenwoche statt (halloherne berichtete) und wird mit einer großen Eröffnung zelebriert, wo viele – vornehmlich weibliche – Akteure aus der Stadtgesellschaft zusammenkommen. So geschehen am Montag (2.3.2026). Die Eröffnung leitet die zweiwöchige Veranstaltungsreihe ein, in der Frauen Wissenswertes rund um Themen wie Emanzipation, Finanzen, Gleichberechtigung und Frauenrechte erfahren.
Cordelia Neige, Leiterin des Büros für Gleichstellung und Vielfalt der Stadt Herne, macht während der Eröffnungsfeier deutlich, dass die Entwicklung des heutigen Büros sehr langwierig war. Denn in diesem Jahr feiert das Büro für Gleichstellung und Vielfalt den 40 Geburtstag. Am 1. Januar 1986 bekam die Stadt Herne ihre erste Gleichstellungsstelle samt Beauftragter. Sie war damit Vorreiterin gegenüber anderen Ruhrgebietsstädten.
'Frauenbewegung der 1970er-Jahre hat ihre Akzente gesetzt'
„Im Jahr 1986 herrschten noch die traditionellen Rollenbilder, aber die Frauenbewegung der 1970er-Jahre hat ihre Akzente gesetzt“, sagt Cordelia Neige in ihrer Eröffnungsrede. Sie erinnert auch an die ersten Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Herne wie Anne Kalender-Sanders. Doch erst mit der dritten und in Herne immer noch sehr bekannten Gleichstellungsbeauftragen Sabine Schirmer-Klug, habe sich die Frauenwoche im Jahr 1993 entwickelt. Sie sei aufgrund ihres hohen persönlichen Engagements maßgeblich für die Bekanntheit des Büros für Gleichstellung und Vielfalt in Herne verantwortlich.
Ebenso lässt sie auch die kritischen Entwicklungen rund um die Frauenrechte weltweit, aber auch in Deutschland, nicht außer Acht und verweist darauf, dass wir von echter Gleichberechtigung noch weit entfernt sind. „Dies wurde 1949 im Grundgesetz verankert, aber bis heute nicht umgesetzt“, erinnert Neige an den weiten Weg, der immer noch vor den Frauen liegt.
'Lebensrealitäten von Frauen abbilden'
Diese Einschätzung teilt auch Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. „Wir müssen dieses Rollback ernst nehmen. Es gibt politische Parteien, die sich den Weg zurück wünschen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ein Gegengewicht schaffen und die Lebensrealitäten von Frauen in der Frauenwoche abbilden“, macht der OB deutlich.
Natürlich darf bei allen Reden auch ein ausführliches Programm nicht fehlen. So trägt der Chor der Grundschule Jürgens Hof zwei Lieder vor und die Tänzerinnen von Pottporus, Remi und Shorni, beeindrucken die Gäste mit ihrem ausdrucksstarken Tanz. In den kurzen Pausen im Programm zeichnet Künstlerin Stefanie Albers kleine Portraits der Gäste im Tusche.
Besonders viel Applaus bekommt die Poetry-Slammerin Sandra Da Vina. Sie wurde im Übrigen im Jahr 2014 als erste Frau NRW-Landesmeisterin im Poetry Slam. Mit ihren Texten 'Unsichtbar' und 'Ich kann nicht werfen' stellt sie die Lebensrealitäten humorvoll, aber auch berührend da. Zahlreiche Frauen fühlen sich von Da Vinas Worten wie 'Die Superkraft der Frau ist unsichtbar' oder 'Wir gehören an den Tisch, wo Entscheidungen getroffen' abgeholt.
Musikalisch gut unterhalten wurden die Gäste ebenso wie immer von den Musikern Christiane Budkammer und ihrem Musikpartner Dennis. Nach dem offiziellen Teil ließen die Besucher den Vormittag bei leckerem Essen und guten Gesprächen ausklingen.