Schuldnerberatung veröffentlich Jahresbericht für 2025
Überschuldung trifft alle Schichten
Die Verantwortlichen der Schuldnerberatung, einem Fachbereich des Evangelischen Kirchenkreises Herne, haben kürzlich ihren Bericht für das Jahr 2025 für Herne veröffentlicht. Aus diesem geht hervor, dass die Überschuldungsquote in Herne mit 16,58 Prozent ungebrochen hoch sei. Im Vergleich zu 2024 sei sie auch um 0,74 Prozent angestiegen. Überhaupt sei sie fast doppelt so hoch wie die deutschlandweite Quote mit 8,1 Prozent. Im Ranking der Überschuldungsquoten für Deutschland nach Kreisen und kreisfreien Städten befinde sich Herne auf Platz 397 von 400 möglichen. Die Prozentzahlen beziehen sich dabei auf Angaben von Creditreform.
Auch deutschlandweit gebe es seit Jahren der Rückläufigkeit wieder eine Überschuldung. Im Jahr 2025 seien 5,67 Millionen Menschen über 18 Jahre überschuldet gewesen. Die Überschuldungsquote steige damit auf 8,1 Prozent. Damit verzeichne Deutschland erstmals seit 2018 wieder einen leichten Anstieg. Zum Vergleich: 2024 lag diese Quote noch bei 8,09 Prozent.
Unerwartete finanzielle Belastungen sind schwieriger Aufzufangen
Auffällig hierbei sei auch, dass eine Überschuldung mittlerweile alle sozialen Schichten betreffe. Die Gründe dafür seien laut Schuldnerberatung vielfältig. Eine Krankheit, der Jobverlust oder auch eine Trennung können zu einer finanziellen Schieflage führen. Beispielsweise seien 48 Prozent der Ratsuchenden in Herne aufgrund einer Arbeitslosigkeit in die Verschuldung geraten. Aber auch die wirtschaftliche Situation des Landes spiele in diese Situation mit hinein.
So können die steigenden Preise bei Lebensmitteln, Mieten und Energie, verbunden mit unsicheren wirtschaftlichen Entwicklungen, dazu führen, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, unerwartete finanzielle Belastungen aufzufangen, wissen die Verantwortlichen der Schuldnerberatung. „Wir sehen ganz deutlich, dass die Überschuldung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, macht Andrea Leyk, Geschäftsführerin der Schuldnerberatung Herne, im Gespräch mit halloherne deutlich.
Weiter sagt sie: „Früher kamen Menschen mit einem Einkommen von rund 2.500 Euro gut über die Runden. Dies ist heute nicht mehr der Fall. Viele Menschen müssen schon für Kleinstinvestitionen wie Waschmaschinen Kredite aufnehmen.“
Durchschnittsverschuldung liegt bei rund 32.900 Euro
Insgesamt seien durch die Schuldnerberatung 851 Personen betreut worden, darunter waren 341 Frauen und 510 Männer. In den 851 Betreuungen sind 107 Beratungen zum Pfändungsschutzkonto enthalten. Die Gesamt- und Durchschnittsverschuldung ergibt sich aus 744 Schuldner- und Insolvenzberatungen. Für die Verfahren dieser Personen erfolgte eine Kontaktaufnahme mit insgesamt 10.778 Gläubigern.
Die Höhe der Gesamtverschuldung der Klienten ergab in Summe 24.485.077,00 Euro. Das entspricht einer Durchschnittsverschuldung von rund 32.910 Euro.
Aktionswoche zum Thema finanzielle Bildung
Ebenso setzt die Schuldnerberatung auch immer wieder auf Präventionsangebote, um Menschen frühzeitig aus den Schulden zu helfen oder vor einer finanziellen Krise zu bewahren. Hierfür wird auch immer mehr an Schulen geworben. So gab es im Jahr 2025 13 Informations- und Präventionsveranstaltungen mit insgesamt 375 Teilnehmern.
Die Aktionswoche der Schuldnerberatung stand im Jahr 2025 beispielsweise unter dem Motto „Beste Investition – Finanzbildung: Wenn aus Minus Plus wird“. Hierbei lag der Fokus auf finanzieller Bildung.
„Uns ist es auch besonders wichtig, junge Menschen zu erreichen. Darum sind wir auch mit Veranstaltungen in den Schulen sehr präsent. Einige lassen sich schnell von den Angeboten täuschen und nehmen so mehrere kleine Ratenzahlungsangebote und in der Menge läppern die sich. Sie verlieren den Überblick und können aufgrund eines geringen Einkommens, beispielsweise als Azubi, ihre Raten nicht zurückzahlen und das Inkassounternehmen steht vor der Tür“, berichtet Leyk von der Situation von verschuldeten jungen Menschen. Deshalb sei Prävention so wichtig.
Schulden als Gefühl des Scheiterns
Eine finanzielle Schieflage führe bei vielen Menschen zu Scham, Stigmatisierung und eine Gefühl des Scheiterns. Denn Geld entscheide in einer Gesellschaft immer über Teilhabe, Zugehörigkeit und Status, somit schämen sich manche Menschen die Schuldnerberatung aufzusuchen. Dies sei aber unnötig, jede Person erhalte von den Mitarbeitenden diskrete und vor allem kostenlose Hilfe.
„Natürlich ist für viele Menschen ein Besuch bei uns mit Scham verbunden. Dabei muss sich niemand schämen, zu uns zu kommen. Wir wollen mit den Betroffenen gemeinsam an Lösungen und Wegen aus der Überschuldung arbeiten“, sagt Leyk.
Chance auf ein schuldenfreies Leben
Das Verbraucherinsolvenzverfahren sei eine gesetzliche Möglichkeit, Privatpersonen einen schuldenfreien Neuanfang zu ermöglichen und nichts, wofür sich Betroffene schämen müssten.
„Ich vergleiche es gerne mit einer Scheidung, darauf hat man auch ein gesetzliches Recht. Ähnlich ist es auch bei dem Verbraucherinsolvenzverfahren. Hier lässt man sich nur eben von seinen Schulden scheiden und bekommt nach circa drei Jahren die Chance auf ein neues schuldenfreies Leben mit gesellschaftlicher Teilhabe“, sagt Andrea Leyk abschließend.
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Schuldnerberatung.