Durchstart im Rotten Summer ‘20

Zehn Jahre Rottstr5 Theater Bochum

Lukas Vogelsang begeistert als Edward, der Hamster, in der Actionlesung der Parabel von Miriam und Ezra Elia im Rottstr5Theater.
Lukas Vogelsang begeistert als Edward, der Hamster, in der Actionlesung der Parabel von Miriam und Ezra Elia im Rottstr5Theater. Foto: Sophia Remer

Während die meisten Theater in Nordrhein-Westfalen in die Sommerpause gehen, startet das Rottstr5Theater am Bochumer Bermuda-Dreieck jetzt in seinen schon traditionellen „Rotten Summer“. Die Sommermonate sind für Theatergänger bekanntlich eine Dürreperiode. Und nachdem erst alle Häuser durch die Corona-Zwangspause geschlossen waren, sind die meisten Bühnen direkt in die Sommerpause gegangen.

Die angesagte Bochumer Off-Bühne unweit der U35-Haltestelle Rathaus erfreut nun schon einige Jahre mit einem breiten Kulturangebot für alle, die auch im Sommer nicht auf Theater verzichten wollen. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit einigen hauseigenen Erfolgsproduktionen wie „Schöne Neue Welt“, „Misery“ oder „Fight Club“. Mitte August begibt sich das Rottstr5 Theater nach draußen: „Peer Gynt im Park“ ist eine Koproduktion mit artscenico Dortmund und dem Theater Kohlenpott Herne und wird unter anderem im Westpark Bochum zu sehen sein.

Außergewöhnliche Gastspiele wie „Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ in einem Amphitheater in Dorsten oder „Fahrenheit 451“ im Rheinisch-Westfälischen Kalkwerk Menden runden neben ausgewählten Konzerten das Programm ab.

Am 1. August 2020 ist das Rottstr5 Theater zu Gast in Dorsten. Im „Oude Marie“, einem alten Amphitheater in Dorsten, das seit den 1970er Jahren stillstand und nun reaktiviert wurde, wird die wunderbare Produktion „Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ mit Lukas Vogelsang gezeigt.

Miriam Elia ist eine britische Künstlerin und (BBC-) Autorin, die das „Tagebuch“, 2012 im Londoner Verlag Boxtree erschienen, zusammen mit ihrem Bruder Ezra als so aberwitzige wie stimmige Parabel auf das Leben im alltäglichen Hamsterrad beruflicher und familiärer Zumutungen geschrieben und auch selbst illustriert hat. Lukas Vogelsang geht bei seiner vom heutigen Prinz-Regent-Theater-Leiter Hans Dreher eingerichteten „Actionlesung“ gleich in die Vollen.

Maximilian Strestik glänzt als Gustav von Aschenbach sowie als Erzähler und der Musiker Christoph Iacono kaum weniger in zahllosen kleineren Rollen.
Maximilian Strestik glänzt als Gustav von Aschenbach sowie als Erzähler und der Musiker Christoph Iacono kaum weniger in zahllosen kleineren Rollen. Foto: Sabine Michalak

Im schwarzen Rollkragenpulli der Nachkriegs-Existenzialisten und rotblonder Tolle, die dem Pudel des US-Präsidenten Trump recht nahe kommt, hält er sich nicht mit dem Vorwort auf, das hier als Epilog drangehängt wird, sondern bekundet am Schreibtisch sitzend unterm selbst gemachten Konfettiregen: „Heute ist mein Geburtstag und niemandem scheint es aufgefallen zu sein. Auf den Tag genau vor sechs Monaten haben sie mich in Sniffles Zoohandlung gekauft.“

Vogelsang, Bochumer des Jahrgangs 1996, entpuppt sich in den kurzen Blackout-Szenen als ein Verwandlungskünstler – mit minimalsten gestischen und szenischen Mitteln. Weiße Lockenperücke und roter Lippenstift für die Untersuchung beim Tierarzt, ein von einem Scheinwerfer in den ganzen Theaterraum geworfener, gespenstisch anmutender Schatten des Hamsterrades linkerhand im Handbetrieb, 'mal selbstbewusst-cowboymäßig mit den beschuhten Füßen auf dem Tisch, 'mal wie ein zitternder Junkie auf Entzug zusammengekrümmt auf dem Schreibtisch liegend mit Körner-Halluzinationen beim Hungerstreik oder, aus Angst vor der großen Katze, die Flucht auf den Tisch: Hans Dreher gestaltet mit den Mitteln des „Armen Theaters“ große Oper. Die in die Farbe der Liebe eintaucht, als Camilla in Edwards Leben eintritt.

Direkt im Anschluss am 2. August 2020 ist „Das Tagebuch von Edward dem Hamster“ auch in Bochum unter den Eisenbahnbögen an der Rottstraße 5 zu sehen. Am 21. August 2020 gibt es ein weiteres Mal die Chance auf Thomas Manns „ Der Tod in Venedig“ in einer Adaption des Regisseurs Hans Dreher. Die Geschichte von Gustav Aschenbach und seiner fatalen Begegnung mit Tadzio, während Venedig von einer beunruhigenden Seuche heimgesucht wird, scheint aktueller den je und war einer der ersten Produktionen, die nach dem Corona-Shutdown wieder auf dem Spielplan des Rottstr5 Theaters standen.

Damit Zuschauer, Schauspieler und die gesamte Crew optimal geschützt sind, hat das Rottstr5 Theater in Rücksprache mit der Stadt Bochum ein umfangreiches Hygienekonzept erarbeitet. Dieses sieht die Reduzierung der Publikumsanzahl vor, Zutritt zum Theater besteht nur nach vorheriger Anmeldung zur Vorstellung, mit Namen, Adresse und Telefonnummer. Während des gesamten Aufenthalts im Theater gilt Maskenpflicht, ein bühnenfüllender transparenter PVC-Vorhang vor der ersten Reihe wird Zuschauer und Spieler zusätzlich vor Tröpfcheninfektion schützen. Darüber hinaus wird eine größere Anzahl von Mitarbeitern für einen reibungslosen Ablauf am Abend sorgen.

Durch die aktuelle Corona-Schutzverordnung kann die Zuschaueranzahl auf 30 Personen erhöht werden. Somit ist trotz fester Sitzplätze für ausreichend Abstand zwischen den einzelnen Haushalten gesorgt. Alle Vorstellungen in Bochum beginnen wie gewohnt um 19.30 Uhr. Karten können per E-Mail karten@rottstr5-theater.de, Telefon, SMS, WhatsApp, Telegram und Facebook-Nachricht oder ab 19 Uhr an der Abendkasse reserviert beziehungsweise abgeholt werden (sofern nicht ausverkauft!). Eintrittspreise betragen weiterhin 14 / ermäßigt 7 Euro. Weitere Informationen und auch Aufführungstermine finden sich auf der Homepage der Rottsträßler.

August
1
Samstag
Samstag, 01. August 2020, von 22 bis 23 Uhr Oude Marie , Im Werth , 46282 Dorsten Das Tagebuch von Edward dem Hamster.
August
2
Sonntag
Sonntag, 02. August 2020, um 19:30 Uhr Rottstraße 5 Theater , Rottstraße 5 , 44793 Bochum 2.8.2020: Das Tagebuch von Edward dem Hamster, 21.8.2020: Der Tod in Venedig

Weitere Termine:

  • Freitag, 21. August 2020, um 19:30 Uhr
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