Differenzierung und Ursachenforschung

Stellungnahme BI Wasservögel

Eine Krähe auf Futtersuche.
Eine Krähe auf Futtersuche. Foto: Heinz-Jürgen Bourichter

Rafael Wagener von der BI Wasservögel nimmt Stellung zum Angebot der CDU-Bezirksfraktion Eickel, mit der Bürgerinitiative in einen Dialog bezüglich der Krähenpopulation zu treten:

„Die neue Dialogbereitschaft der CDU-Fraktion Eickel, die wegen des Auftretens von Krähen und wegen vermeintlicher Schäden mit einer Reihe von Punkten, auch zum Singvogelbestand, bei der Stadt anfragt, begrüßen wir als Bürgerinitiative Wasservögel ausdrücklich.

Im letzten Jahr hatte es schon wiederholt Gesprächsangebote unserer Bürgerinitiative an alle Herner Parteien, so auch an die CDU gegeben, die von der Unionsfraktion leider unbeantwortet geblieben sind. Dabei geht es um die in Herne fehlende rechtliche Unterbindung der Jagd in den von Menschen viel genutzten öffentlichen Grünanlagen. Wegen der sehr riskanten Jagdausübung im Naherholungsbereich besteht hier dringend Handlungs- und Lösungsbedarf.

Im Fall der Krähen ist festzustellen, dass ein Auftreten der Vögel noch keineswegs ein Problem oder gar eine „Plage“ ist, auch wenn manche Journalisten oder Politiker es gerne missbräuchlich so darstellen. Von Plagen spricht man dann, wenn Menschen notleiden - wie beispielsweise am Horn von Afrika, wo Heuschreckenschwärme die Felder kahl fressen und Menschen deshalb Hunger leiden müssen.

Hier wäre eine Distanz zur Sprache des Boulevard-Journalismus mit seinen Übertreibungen und platten Dramatisierungen hilfreich, um einem Diskurs nicht vorab die Grundlage zu entziehen.

Dass allerdings die exakte Beschreibung eines Sachverhalts der Analyse und einem möglichen Lösungsvorschlag vorangehen muss, dürfte jeder ernstzunehmenden Politikerin und jedem ernstzunehmenden Politiker klar sein.

Ein empfundenes „zu viel“ zu postulieren, ein paar umgedrehte Erdstücke im Rasen von Kleingartenanlagen als allgemein bekannt vorauszusetzen und ein Problem für „das ganze Stadtgebiet“ auszurufen, sich jedoch erst gar nicht um eine Erfassung des Sachverhalts zu kümmern, gleichzeitig aber die „Eindämmung“ der Krähen zu fordern, kann nur als unsachlich und populistisch zurück gewiesen werden.

Hier sind vielmehr Differenzierung und Ursachenforschung zum Sachverhalt gefragt.

Zum Sachstand ist zu bemerken, dass keine Schäden durch Krähen auf dem Evonik-Gelände bekannt sind , wie ein Sprecher der RAG-Nachfolgerin bereits mitgeteilt hat.

Zu den Ursachen des Auftretens von Krähen in der Nähe von Menschen muss berücksichtigt werden: Krähen sind scheue Vögel, die großen Abstand zu Menschen halten. Wenn sie in Gärten wiederholt auftauchen, liegt die Ursache darin, dass Verwertbares für sie zu holen ist: Obst im Herbst, offen liegende Abfälle und vor allem ausgelegtes Futter, hier ist auch das eiweißreiche Futter für Katzen zu nennen.

In allen Fällen, in denen wir jetzt vor Ort mit betroffenen Bürgern gesprochen haben, wurde jeweils von unsachgemäßer und umfangreicher Fütterungen anderer Tiere in der Nähe der Gärten berichtet. Die richtige, maßvolle Winterfütterung von Singvögeln zieht dagegen offenbar keine Krähen an. Ein weiterer räumlicher Faktor für das vermehrte Auftreten von Krähen ist der Umstand, dass Krähen gerne hohe Bäume aufsuchen. Dass die Tiere sich dort sammeln, wo es inselartig noch hohe Bäume gibt, mag auch daran liegen, dass im Ganzen der Bestand alter, hoher Bäume im Stadtgebiet abnimmt.

Als Lösungsansatz empfehlen wir hier keinesfalls die Fällung der letzten alten Bäume in Herne, möchten aber auf übermäßige, unsachgemäße Fütterungen als Ursache für distanzlose Krähen hinweisen und können hier noch die Lösung eines Bürgers aus Herne-Süd weitergeben, der ebenfalls in der Nähe einer „unsachgemäßen Futterstelle“ gärtnert: er hat alte CDs als Mobile arrangiert und in seinen Garten gehängt. Das hat bei ihm offenbar die Vögel erfolgreich fern gehalten."

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