Dem Thomas sein Pittermann

Revierkindheit in Rotthausen

Diese schicke Postkarte schickte Thomas seiner Heidi. Sie ziert das Buchcover.
Diese schicke Postkarte schickte Thomas seiner Heidi. Sie ziert das Buchcover. Foto: Verlag Henselowsky Boschmann

Dieses Buch aus dem Verlagshause Henselowsky Boschmann hat gut 20 Jahre auf dem Buchrücken: Es ist ein Longseller in fünfter Auflage, ein Evergreen. Der Gelsenkirchener Thomas Althoff zeichnet in seinem 250-Seiter - Komm, wir schießen Kusselkopp - ein ganz reizendes, liebenswürdiges Bild seiner Kindheit in den 1950er Jahren im Revier. Genauer gesagt im Stadtteil Rotthausen. Popart-Schriftsteller Wolfgang Welt, selbst ein ungewöhnlicher Heimatdichter aus dem Pott, hat seinerzeit diesen Vorort als das schönste Stück Ruhrgebiet bezeichnet. Lang, lang ist's her, doch bei Althoff werden alte Zeiten auf ganz charmante Weise lebendig und ein besonderes Flair als grüne Ecke hat sich Rotthausen bis heute bewahrt.

Thomas Althoff.
Thomas Althoff. Foto: Verlag Henselowsky Boschmann

Für den kleinen Thomas war Rotthausen auch vor dem Wiederaufbau nach dem Krieg eine heimelige Idylle. Zwischen Trümmergrundstücken, auf denen sich so herrlich spielen lässt und so manche Mutprobe und auch Abenteuer zu bestehen sind, und Sanella-Sammelbildern, die auch das Einkaufen zu einem besonderen Erlebnis machen, fühlt sich der kleine Pimpf wohl. Auf unbedarfte Art und Weise stellt er nichts in Frage, nimmt die Dinge wie sie sind. Zu den Highlights zählen, obwohl er viele Spielkameraden hat, die Begegnungen mit seinem Heisinger Cousin Hans-Peter. Mit diesem Pittermann, von dem man viel lernen kann, lockt auch die große Freiheit, beim Radeln zur ersten Liebe nach Koblenz.

Reiner Jugendstil: die Rotthauser Turmschule.
Reiner Jugendstil: die Rotthauser Turmschule. Foto: Pitt Herrmann

Keine Köttelei: Sein aufrichtiger, humorvoller Ton machen das Lesen dieser unprätentiösen Kindheitserinnerungen, in der die kleinen Dinge groß geschrieben werden, zum puren Vergnügen. Hier ist noch nichts zu spüren vom Wohlstands- und auch Anspruchsdenken unserer Tage. Das alles wird in angenehmer Weise in einem munteren und lebhaften Plauderton erzählt. „Nach dem Tode meiner Mutter räumte ich unser Haus leer, in dem ich als Kind und Jugendlicher gelebt habe. Dabei fiel mir einiges aus meiner Kindheit wieder in die Finger, was ich viele, viele Jahre nicht mehr gesehen hatte. Erinnerungen tauchten auf, ich kramte in ihnen herum, es wurden immer mehr. Und damit die nicht verloren gingen, schrieb ich sie nieder, machte ein Büchlein daraus: ‚Berggeist und Bullemann‘ und verschenkte es an meine engsten Freunde und Verwandte. Und an den Verlag Henselowsky Boschmann. So entstand schließlich der Roman“ erzählt Althoff, der zwei Jahre neben seinem Beruf als Ingenieur an seinen „Kindheits-Memoiren“ schrieb.

Die Karl-Meyer-Straße ist die Einkaufsmeile Rotthausens.
Die Karl-Meyer-Straße ist die Einkaufsmeile Rotthausens. Foto: Pitt Herrmann

So wurde für den Rotthauser Romancier wieder lebendig, was nun schon fast fünfzig Jahre vorbei ist: „Das Buch ist ein Ergebnis wohligen Kramens in Erinnerungen, Erinnerungen an Menschen, die fast alle tot sind, Erinnerungen an Episoden, die mich manchmal schmunzeln ließen. Und mit dem Schreiben machte ich plötzlich etwas völlig Neues, etwas, was ich vorher nie gedacht hatte. Hätte mir jemand gesagt, ein Roman von mir käme heraus, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“

Thomas Althoff: Komm, wir schießen Kusselkopp. Verlag Henselowsky Boschmann Bottrop, 5. Auflage 2010, ISBN 978-3-92270-35-2

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