halloherne.de

lokal, aktuell, online.
Im Auftrag seiner Majestät: Trotz aller Zweifel am Hofe erhält der einstige Soldat Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen) das Einverständnis des Königs, das raue Brachland Jütlands zu kultivieren. Foto:

Großes Geschichtsepos mit Mads Mikkelsen

Blutige Schlacht um King’s Land

Update, Donnerstag (4.7.2024)

Läuft weiterhin in der Endstation Bochum, in der Schauburg Dortmund und im Bambi Düsseldorf.

Anzeige: Herne: Gemeinsam für eine saubere Stadt

Der ursprüngliche Text

Dänemark, Mitte des 18. Jahrhunderts, kurz vor der Aufklärung. Die jütländische Heide, die ein Drittel des dänischen Königreichs ausmacht, ist brach liegendes Ödland. König Frederik V hat erklärt, dass die Heide gezähmt, kultiviert und kolonisiert werden soll. Damit sich die menschliche Zivilisation ausbreitet, vor allem aber, um zusätzliche Steuereinnahmen für das notorisch klamme Königshaus zu erwirtschaften.

Bei der Königl. Rentkammer will niemand dieses Vorhaben im steinharten Boden der gottverlassenen Wildnis, die überdies von Wölfen und Wegelagerern heimgesucht wird, wagen. Bis auf einen, aber der wird zunächst ausgelacht und abgebürstet: Der ehemalige Hauptmann Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen). Der hat mit seiner kleinen Pension nach 25 Jahren Dienst nichts zu verlieren, verfügt aber als ehemaliger Soldat in Mecklenburg über einige Kenntnisse zum erfolgreichen Anbau einer hier noch völlig unbekannten tollen Knolle: der Kartoffel.

Lebenstraum Adelstitel

Im Spätsommer 1755 reitet er nach Jütland, fest entschlossen, sich die karge Landschaft untertan zu machen. Bei Erfolg hat ihm der König einen Adelstitel versprochen, den der als unehelicher Bastard eines adligen Vaters verstoßene Ludvig stets als Lebenstraum angesehen hat. Zunächst scheint es, als könne er nicht nur Räuber bezwingen – und dabei eine kleine Hühnerdiebin, das vorlaute, Rotwelsch sprechende Roma-Mädchen Anmai Mus (Melina Hagberg), als Hausgenossin gewinnen. Sondern auch die wilde Heide zähmen: Er nimmt schier unendliche Bodenproben, legt mehrere kleine Versuchsfelder an.

Dabei helfen ihm neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und, nachdem ihm der faule Amtmann keine Arbeiter besorgen wollte, zunächst nur der Priester Anton Eklund (Gustav Lindh) und die vom grausamen Gutsbesitzer Frederik De Schinkel (Simon Bennebjerg) geflüchtete Hausmagd Ann Barbara (Amanda Collin) mit ihrem Mann Johannes (Morten Hee Andersen). Als sich nach Rückschlägen durch Frost und Hagel erste Erfolge einstellen, nimmt er eine kleine, aber loyale Gruppe von Flüchtlingen um Hector (Magnus Krepper), die sich bisher in den Wäldern versteckt hielt, als Arbeiter auf.

Über alle Feinde erhaben: Noch unterschätzt der dünkelhafte Gutsherr Frederik De Schinkel (Simon Bennebjerg) das Beharrungsvermögen des Hauptmanns Ludvig Kahlen.

Ernteerfolg lockt Siedler an

Vier Monate später ist Ludvig bei De Schinkel zu Gast. Der ist an Privilegien, Einfluss und Geld reich, aber zügellos in seiner Anmaßung nicht nur dem Personal, sondern auch seiner Cousine, der norwegischen Adligen Edel Helene Leisig (Kristine Kujath Thorp) gegenüber, die er als seine Verlobte bezeichnet. Als diese sich zunehmend zu Ludvig hingezogen fühlt, beschließt De Schinkel, seinen Rivalen zu vernichten.

Die Kunde von Ludvigs erstem Ernteerfolg, 80 Sack Kartoffeln, ist bis nach Stockholm gedrungen und Frederik V ernennt ihn zum königl. Landvermesser. Sie lockt überdies neben Claus (Arved Friese) und Klein (Martin Feifel) weitere 50 Siedler aus Deutschland an, denen Ludvig Land zuteilt. Nachdem De Schinkel und sein sadistischer Helfer, Major Preisler (Olaf Højgaard), Siedler gefangen nehmen und töten, weil sie sich angeblich auf Gutsbesitz niedergelassen haben, lässt sich Ludvig auf einen ungleichen Kampf ein, der immer mehr Opfer fordert.

In einem blutigen Finale ist es schließlich Ann Barbara, die über De Schinkels Schicksal entscheidet, dafür aber ihre eigene Freiheit opfert. Ludvig begreift viel zu spät, dass er in seinem Ringen um eine bessere Stellung in der Gesellschaft zwar seinen Stolz retten konnte, den Preis dafür aber seine Nächsten zahlen müssen…

Opulenter Skandinavien-Western

„King’s Land“ ist ein im Herbst 2022 in Berlin, Sachsen-Anhalt und Tschechien gedrehtes, opulent ausgestattetes Historiendrama nach dem Roman „The Captain And Ann Barbara“ von Ida Jessen, das Züge amerikanischer Western-Streifen trägt, wie sie schon lange nicht mehr im Kino zu sehen waren. In großen Bildern erzählt Nicolaj Arcel ein über 127 Minuten fesselnde melodramatisches Epos um Idealismus, Rache und Liebe, das unter dem Originaltitel „Bastarden“ am 1. September 2023 im Wettbewerb der 80. Int. Filmfestspiele Venedig uraufgeführt und am 5. Oktober 2023 beim Filmfest Hamburg seine Deutsche Erstaufführung erlebte.

Anzeige: Sparkasse - S Vorteilswelt

„King’s Land“ wurde dreimal bei den European Film Awards ausgezeichnet für die beste Hauptrolle (Mads Mikkelsen), die beste Kamera (Rasmus Videbæk) und das beste Kostümbild (Kicki Ilander). Und siegte in gleich acht Kategorien bei den Danish Film Awards 2024. Die deutsch-skandinavische Koproduktion startet am 6. Juni 2024 in den Kinos, bei uns zu sehen im Casablanca Bochum, Sweetsixteen Dortmund, Schauburg Gelsenkirchen, Eulenspiegel Essen und Bambi Düsseldorf.

Mittwoch, 5. Juni 2024 | Autor: Pitt Herrmann