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Die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung vom Ordnungsamt der Stadt Herne, Mathias (li.) und Elke, kontrollieren in der Herner Innenstadt Parkverstöße. Hier schauen sie an der Poststraße, ob ein Parkschein hinter der Windschutzscheibe liegt oder als Alternative ein Bewohnerparkausweis.

Die Verkehrsüberwachung ist für Sicherheit und mehr unterwegs

Auf der Suche nach Parkverstößen

Passanten und vor allem Verkehrsteilnehmer erkennen sie meist schon von Weitem, manchmal werden sie gegrüßt, aber doch nicht von jedem freundlich empfangen. Die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung der Stadt Herne aus dem Fachbereich Öffentliche Ordnung sind in der Stadt auf der Suche nach Parkverstößen. In ihrer dunkelblauen Uniform sind sie normalerweise zu Fuß unterwegs. Was erleben sie dabei, wie viele „Knöllchen“ werden verteilt und wie reagieren ertappte Autofahrer? halloherne durfte im Mai 2026 exklusiv einen Rundgang begleiten.

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Der Start für die Spätschicht am Mittag ist am Herner Bahnhof. In diesem Umfeld kontrollieren an diesem Tag Elke und Mathias. Ihre Nachnamen und ihre Gesichter sollen nicht im Internet veröffentlicht werden. Die ersten Kontrollen starten direkt am Ende der Fußgängerzone, dort, wo vor ein paar Geschäften Parken mit Parkscheibe erlaubt ist. Hier ist erstmal alles korrekt.

Regelmäßig Fragen von Bürgern zum Thema Parken

Wenige Meter weiter kommt ein Bürger auf die beiden zu und hat eine Frage an die Mitarbeiter vom Ordnungsamt: „Wenn die Parkdauer abgelaufen ist, wie lange darf ich dann hier noch stehen?“ Mathias antwortet: „Drei weitere Minuten dürfen Sie noch halten.“ Dass Passanten und Autofahrer mal Fragen zu Parkdauer und Co. hätten, käme regelmäßig vor, schildert er.

Kurz vor dem Kreisverkehr Bahnhofstraße/ Funkenbergstraße hat eine Frau Glück. Sie sitzt noch in ihrem Pkw und wird von Elke herausgebeten. „Ihr TÜV ist seit Januar abgelaufen. Die Plakette muss dringend erneuert werden“, erklärt die Mitarbeiterin. Weil die Frau sich einsichtig zeigt und verspricht, dies zügig nachzuholen, und weil Elke die Frau am Auto antrifft, verzichtet sie auf ein Verwarngeld für diese Ordnungswidrigkeit. Bis zu zwei Monate Toleranz gibt es in der Regel, danach werden mindestens 15 Euro fällig – abhängig von der Anzahl der überschrittenen Monate.

Parken verboten: Wer hier steht und erwischt wird, muss tief in die Tasche greifen.

Als nächstes fällt der Verkehrsüberwachung ein Transporter ins Auge. Er parkt direkt vor dem nördlichen Ende der Fußgängerzone, Höhe Fabrikstraße, und will E-Scooter ein- und ausladen. Da dort aber keine Parkplätze sind und er auf dem Gehweg parkt, mahnt ihn Mathias eindringlich: „Ich gebe Ihnen jetzt die Chance, den circa 15 Meter entfernt eingezeichneten Parkplatz zu nutzen, ansonsten kostet es 55 Euro.“ Der Fahrer stimmt dem Vorschlag zu.

Nicht alle ertappten Leute sind kooperativ

„Nicht alle sind kooperativ und verhalten sich dementsprechend“, erklärt der 55-Jährige, der gebürtig aus Fürth in Mittelfranken stammt. „Aus diesem Grund machen wir zuerst bei einem Verstoß ein Foto mit unserem Handy, um einen Beweis zu haben. Erst dann sprechen wir die Leute an.“

Nur wenige Tage zuvor sei am Berliner Platz ein Fahrer entdeckt worden, der ebenfalls halbseitig auf dem Gehweg parkte. Nach einer Ansprache aus dem geöffneten Fenster des Dienstwagen heraus sei der Mann dann aber regelrecht explodiert, habe Gas gegeben, ist in die Museumsstraße abgebogen und habe sich dort ins absolute Parkverbot gestellt. „Außerdem ist er noch beleidigend und ausfallend geworden“, erinnert sich Mathias, der gelernter Koch ist. So wurden dann direkt zwei Vergehen notiert.

Einen ausdrücklichen „Hotspot“ für Parkverstöße gäbe es nicht, „beliebt“ seien aber die Fußgängerzonen und der Bereich um den Wanner Markt am Freitag. Natürlich ist es auch morgens rund um Schulen sehr rummelig.

'Nur mal kurz' in die Fußgängerzone

So fährt wenige Momente nach dieser Aussage eine junge Frau fast bis in die Fußgängerzone an der Poststraße/ Bahnhofstraße – circa 20 Meter weiter als erlaubt. Als sie schon den Rückwärtsgang einlegen will, spricht der Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung sie an. „Ich habe nur meine Oma mit Rollator hier zum Arzt gebracht“, erklärt sie. Weil die junge Frau dann sofort zurücksetzt, belässt es der Ordnungshüter bei einer Ermahnung. Ansonsten wären hiermit 55 Euro in die Stadtkasse gewandert.

Für den Bereich der Innenstadt beginnen die Kontrollen häufig am Parkplatz neben dem Herner Bahnhof.

„Wir sind nicht unterwegs, um die Kasse zu füllen. Wir machen das nur für die Verkehrssicherheit in der Stadt“, betont Teamleiter Markus Burke, der heute beim Rundgang mit dabei ist. „Grundsätzlich kontrollieren wir von Montag bis Samstag, immer mal wieder auch sonntags, zum Beispiel bei Events oder in der Nähe von Sportplätzen.“

Die üblichen Sprüche hören sie regelmäßig

Burkes Mitarbeiter würden oft die üblichen Sprüche zu hören bekommen. „Die Stadt braucht wieder Geld“ oder „Arbeitet ihr wieder für eure Provision“ seien nur zwei für unzählige Beispiele, zählt Elke auf. Ihr Kollege ergänzt: „Wir entdecken mehr Verstöße im Bereich von Parkplätzen mit Parkscheiben, aber das liegt vermutlich daran, dass es davon mehr in Herne gibt.“ Im Jahr 2025 verzeichnete die Stadt rund 55.000 Parkverstöße, 2022 waren es sogar noch über 93.000 (halloherne berichtete). Die Tendenz ist also sinkend.

Dass es neben den Sprüchen auch mal körperlich werden kann, hat Mathias einmal erlebt. „In der Nähe vom Rewe in Wanne ist mal einer wild geworden und auf mich zu gelaufen. Er ist aber dann nur gegen meine Schulter gelaufen und abgeprallt“, erzählt der groß gewachsene und kräftig gebaute Mann, ohne eine Miene zu verziehen. Eine Anzeige wurde geschrieben, was daraus geworden sei, wisse er aber nicht.

Mit ihrem Handy kontrollieren die Mitarbeiter die Bewohnerparkausweise und die Parkscheine, vor allem auch digitale Parkanbieter wie

Spaß macht beiden der Job aber sehr viel. „Vor allem die Arbeit während der Cranger Kirmes, zum Beispiel am Schrankendienst, macht mir als gebürtige Wanne-Eickelerin viel Laune. Dort gibt es natürlich auch sehr viel zu tun, weil der Parkdruck ebenso hoch wie die Parkplatzkosten ist. Weniger Spaß macht es wahrscheinlich nur den Leuten, die abgeschleppt werden“, berichtet die 56-Jährige.

Vor Kurzem selbst mal in Cuxhaven erwischt

Werden denn auch mal die Mitarbeiter selbst beim Falschparken erwischt? „Vor kurzem war ich mit meiner Frau und unseren zwei Motorrädern in Cuxhaven. Wir parkten auf einer Fläche und ich habe einen Parkschein geholt. Damals zu meiner Führerscheinzeit hat das ausgereicht, nun bekam ich anschließend Post“, erzählt Mathias. Elke sagt lachend: „An einen Strafzettel wegen Falschparken kann ich mich nicht erinnern. Wenn bin ich höchstens mal zu schnell unterwegs.“

An der Poststraße entdecken die Verkehrsüberwacher einen geparkten Mercedes, dessen Fenster auf der Beifahrerseite noch offen ist. Innen drin liegt ein Schlüsselbund, vom Fahrer aber keine Spur. An diesem Punkt greift die sogenannte Eigentumssicherung. Da ein Auto oder auch so etwas wie der Schlüsselbund vor der Nutzung Unbefugter geschützt werden muss, versuchen die beiden Mitarbeiter es erst auf eigene Faust.

Erst Leitstelle der Verkehrsüberwachung, dann die Polizei

Eine telefonische Halterabfrage bei der Leitstelle der Verkehrsüberwachung ergibt, dass die Meldeadresse nur wenige Meter weiter ist. Hier klingeln sie, aber es macht niemand auf. Dann kommt die Polizei ins Spiel, weil hier die Berechtigung vom Ordnungsamt aufhört. Die Beamten werden informiert, um eine Streife und gegebenenfalls im Anschluss einen Abschleppdienst zu schicken. Letzteres wird für ein offenes Fenster also ziemlich teuer. Da aber keine Gefahr im Verzug ist, dauert dies.

Der Rundgang endet, Elke und Mathias haben aber noch keinen Feierabend. Sie werden weiter ihrem Job nachgehen: Auf der Suche nach Parksündern.

Rechte Seite Parkscheibe, linke Seite Parkverbot: Hier muss Mathias genau hinsehen und kontrollieren.
Montag, 1. Juni 2026 | Autor: Marcel Gruteser