Catcalling-Aktion an der Bahnhofstraße
Verbale Belästigung ins Bewusstsein rücken
Trotz des regnerischen Wetters lassen sich die Mitglieder des Herner Mädchenarbeitskreis (MAK), des Queere-Arbeitskreis (QuAK) und Schüler des Emschertal-Berufskollegs nicht abschrecken, denn sie sind auf einer Mission: Sie wollen das sogenannte „Catcalling“ ins Bewusstsein der Herner rücken und veranstalten deshalb am Freitag (12.6.2026) einen Aktionstag an der Bahnhofstraße in der Herner Innenstadt. Zeitgleich fand dieselbe Aktion in der Wanner Innenstadt statt.
„Catcalling“ umfasst dabei alles, was als verbale sexuelle Belästigung aufgefasst werden kann. Dazu zählen das Hinterherpfeifen, aufdringliche Blicke, obszöne Gesten oder auch anzügliche Kommentare. Nahezu jede Frau, jedes Mädchen oder queere Person hat dieses „Catcalling“ schon einmal auf die eine oder andere Art erlebt. Wie auch die 22-jährige Ezgi.
'Ich habe mich hilflos gefühlt'
Ein paar Meter vom Standort der Aktion hat sie mit gerade einmal 16 Jahren eine derartige Erfahrung gemacht. Damals wird sie von einem Passanten nach dem Weg gefragt. Da sie in dieselbe Richtung muss, bietet sie ihm an, ihn zur angefragten Straße zu begleiten. Kurze Zeit später wird sie von ihm verbal sexuell belästigt. Ihr gelingt die Flucht und sie kann sich von dem Mann unbeschadet entfernen.
„Ich war völlig schockiert und habe mich hilflos gefühlt. Gleichzeitig war ich aber auch sehr froh, dass ich heil aus der Situation herausgekommen bin“, so die junge Frau gegenüber halloherne.
Ähnlich erging es auch der 18-jährigen Luna. Erst kürzlich habe ein Mann versucht ihre Autotür zu öffnen, als sie auf einem Supermarktparkplatz wartet. „Ich habe mich richtig bedrängt gefühlt und wusste nicht, was ich in der Situation tun sollte", so die 18-Jährige im halloherne-Gespräch.
Die Polizei hätten beide Frauen im Übrigen nicht angerufen. So oder ähnlich äußerten sich auch andere junge Frauen. „Es ist einfach so, dass man das Gefühl hat, dass die Polizei eh nichts unternimmt und nur kommt, wenn was richtig Schlimmes passiert ist“, so Luna gegenüber halloherne.
'Es geht nicht ums Anklagen, sondern um ein Bewusstsein schaffen'
Überhaupt seien die Frauen auch unsicher, wie man mit dem sogenannten „Catcalling“ umgeht. Deshalb seien sie froh, dass es solche Aktionstage gibt, auf denen es nicht nur Infomaterial gibt, sondern auch kompetente Ansprechpartnerinnen wie beispielsweise Annelie Gogolla von der Frauen- und Mädchenberatungsstelle Schattenlicht.
„Mädchen erzählen uns, dass sie teilweise Angst haben abends unterwegs zu sein und es ihnen super unangenehm ist, da ihnen schon vielfach sehr sexistische Sprüche hinterhergerufen wurden“, berichtet die Mitarbeiterin von Schattenlicht.
Catcalling sei eine Grenzverletzung, die bei vielen Mädchen und Frauen noch lange nachhallt, deshalb stehen die Mitglieder der Arbeitskreise auch Jahr für Jahr in der Innenstadt. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sich gesamtgesellschaftlich etwas verändern muss“, so Annelie Gogolla.
Auch bei vielen jungen Männern kommt das an. Der 19-jährige Sherwan und seine Freunde verurteilen das „Catcalling“ und Belästigung von Frauen sowie Mädchen scharf. „Solch ein Verhalten von Männern belastet Frauen und Mädchen sehr und es ist definitiv nicht okay. Gerade in den Gesprächen mit Mitschülerinnen, hat man noch mal ein ganz anderes Bewusstsein dafür bekommen, wie sehr es den Mädchen zusetzt, wenn Typen sowas machen“, erläuter Sherwan.
Und genau das ist es, was dieser Aktionstag bewirken will: Frauen und Männern sollen ins Gespräch kommen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass „Catcalling“ eben kein harmloser Flirtversuch ist, sondern bei den betroffenen Menschen Spuren hinterlassen kann.