ADFC setzt „Brandzeichen“ auf Räder

Fahrrad-Codier-Aktion auf der Bahnhofstraße

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. Die Codier-Maschine in Aktion.
Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. Die Codier-Maschine in Aktion. Foto: Carola Quickels

Wenn mein Vater sonntags vor dem Fernseher seine geliebten Western-Filme sah, dann wurde in fast jedem dieser Filme - die von Freiheit, Abenteuer und Gerechtigkeit erzählten - den Pferden mit einem glühenden Eisen ein Brandzeichen auf den Po gesetzt - es zischte und qualmte. Gut, dass vor dem Geschehen eine Scheibe war, denn sonst hätte es sicherlich auch noch bestialisch gestunken. Ich fand es damals schon grausig und habe mir an diesen Stellen immer die Augen zugehalten.

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: v.l. Klaus Steinhaus und Frank Ottmüller.
Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: v.l. Klaus Steinhaus und Frank Ottmüller. Foto: Carola Quickels

Ähnliches bietet heutzutage der ADFC für Fahrräder an. Nur wird dabei kein glühendes Eisen und kein offenes Feuer benötigt, und das Fahrrad leidet und wiehert auch nicht dabei. Am Samstag (8.8.2020) bauten also die Aktiven des Allgemeinen Deutsche Fahrradclubs (ADFC) Herne eine Fahrradcodier-Maschine - geliehen vom ADFC Castrop-Rauxel - auf der Bahnhofstraße auf. Dazu schien, ähnlich wie in den Western meines Vaters, die Sonne erbamungslos vom Himmel. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn bei Gelegenheit ein Steppenläufer, Sie wissen schon, das sind diese große Grasballen, die durch ausgestorbene Wüstenstädte rollten, an uns vorbei geweht wäre.

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: Frank Ottmüller.
Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: Frank Ottmüller. Foto: Carola Quickels

Aber zurück zur Codierung: Rund 20 Radler nutzten an diesem Tag die Möglichkeit, ihr Fahrrad zum Schutz vor Diebstahl codieren zu lassen. Während Klaus Steinhaus und Frank Ottmüller (letzterer wird in ADFC-Kreisen auch gerne der Codier-Papst genannt) quasi im Akkord und in der sengenden Sonne die Räder bearbeiteten, saß Martin Kühl-Lukas vom ADFC Castrop-Rauxel am Laptop, druckte einen Code nach dem anderen aus und schrieb die Zertifikate. Im Vorfeld hatten der 1. und 2. Vorsitzende des ADFC Herne, Michael Thomasen und Volker Bregulla, gemeinsam mit Beisitzer Jascha Beuttler den gesamten Stand schon coronatauglich gemacht: Bodenaufleber, Abstandshalter und Hinweis-Schilder, so wie von der Stadt gefordert.

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: Michael Thomasen 1. Vorsitzender ADFC Herne.
Michael Thomasen 1. Vorsitzender ADFC Herne. Foto: Carola Quickels

Die Nachfrage nach einer Fahrradcodierung sei sprunghaft in die Höhe geschnellt, sagt der 1. Vorsitzende des ADFC Herne, Michael Thomasen. „Egal ob Pedelec, Lasten- oder Liegerad, die Räder kosten einfach eine Stange Geld.“ Deutschlandweit werden jedes Jahr rund 300.000 Räder gestohlen, wobei die Aufklärungsrate bei rund 10 Prozent daher dümpelt. Nicht codierte und wiedergefundene Räder lassen sich nur schwerlich dem eigentlichen Besitzer zuordnen. Eine Codierung hingegen hilft den Besitzer zu finden. halloherne sprach mit Michael Thomasen über die Codierung:

Warum sollte ich meine Rad codieren lassen?

Michael Thomasen: Der Fahrrad-Code wird in einem Zentralregister gespeichert, auf das der ADFC Zugriff hat. Sollte ein gestohlenes Fahrrad also irgendwo wieder auftauchen, so kann sich die Polizei mit dem ADFC in Verbindung setzten und innerhalb kürzester Zeit ist der rechtmäßige Besitzer ermittelt. Das funktioniert bundesweit. Außerdem hilft die Codierung auch vorbeugend. Die Codierung ist gut sichtbar und das hat sich zu den Strauchdieben rumgesprochen. Potentielle Fahrrad-Klauer lassen von einem codierten Rad eher die Finger, da die weitere Verwendung stark eingeschränkt ist. Sprich: Der Marktwert sinkt erheblich.

Wie wird codiert?

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: Klaus Steinhaus.
Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: Klaus Steinhaus. Foto: Carola Quickels

Es gibt zwei Techniken: Üblicherweise wird eine Gravur an einer gut sichtbaren Stelle 0,1-0,2 mm tief in das Metall des Rahmens graviert (außer bei Carbon-Rädern). Anschließend kommt eine durchsichtige Folie in poppigen Farben oder mit der Aufschrift „Hände weg“ darüber. Die Folie verhindert eine Korrosion, macht auf die Gravur aufmerksam und geht schwer ab. Dass diese Gravur Statik-Probleme hervorruft, wurde mittlerweile durch ein Gutachten der Technischen Universität Aachen widerlegt. Demnach schadet eine Gravur von bis zu 0,2 mm weder einem Aluminium- noch einem Stahlrohrrahmen. Carbon-Räder werden nicht graviert, für sie gibt es extra Spezial-Aufkleber, die sich unter normalen Umständen nicht störungsfrei entfernen lassen. Auch bei sehr leichten Rennrädern und Kinderrädern ist die Klebe-Codierung die erste Wahl.

Woraus setzt sich der Code zusammen?

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. Frank Ottmüller setzt einen Code in die Schiene.
Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. Frank Ottmüller setzt einen Code in die Schiene. Foto: Carola Quickels

Jeden Code gibt es nur einmal. Er setzt sich zusammen aus Zahlen und Buchstaben, den Personalien des Eigentümers, dem Kfz-Zeichen des Wohnortes und der Jahreszahl. Ein Zufallsgenerator bestimmt die Reihenfolge und gestaltet den Code individuell. Angebracht wird er an einer gut sichtbaren Stelle, zum Beispiel auf der rechten Seite des Sattelrohrs. Wenn Diebe diese Stelle mit einem weiteren Aufkleber überdecken, werden die Beamten misstrauisch.

Welche Unterlagen muss ich vorzeigen?

Wir benötigen einen Ausweis und einen Nachweis, dass auch der rechtmäßige Besitzer das Rad codieren lässt.

Und bei einem Custum-Made-Bike?

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild: v.l. Volker Bregulla 2. Vorsitzender ADFC Herne und Beisitzer Jascha Beuttler.
v.l. Volker Bregulla 2. Vorsitzender ADFC Herne und Beisitzer Jascha Beuttler - letzterem gehört auch das Velo-Mobil auf dem Gruppenfoto. Foto: Carola Quickels

Bei einem Fahrrad, dass Sie sich aus Einzelteilen zusammengebaut haben, kommt es uns nur auf den Kaufbeleg vom Rahmen an, denn das ist das Teil, dass wir codieren.

Und wenn ich mehrere Räder habe?

Das ist kein Problem, da wir den Code individuell anpassen können. So können wir zum Beispiel die Initialien anders stellen oder das Kfz-Zeichen anders setzen.

Kann ich ein codiertes Fahrrad verkaufen?

Ja, auch dass ist kein Problem. Zu jeder Codierung stellen wir ein Zertifikat aus, das bei einem Verkauf an den neuen Besitzer übergeht. Außerdem sollte im Kaufvertrag vermerkt werden, dass das Rad codiert ist. Das Zertifikat sollten Sie auf keinen Fall mit sich führen, sondern zu Hause bei Ihren Unterlagen aufbewahren.

Was muss ich bei einem Umzug beachten?

Auch kein Problem, da durch das Einwohnermeldeamt von der alten Adresse auf die neue geschlossen werden kann. Bei mehreren Umzügen sollte man allerdings über eine neue Codierung nachdenken.

Weitere Codierungs-Termine sind angedacht: So besteht am Samstag, 15. August 2020, am Haus der Natur an der Vinckestraße in der Zeit von 10-18 Uhr die Möglichkeit zur Codierung. Zu weiteren Terminen baut der ADFC in Wanne-Eickel die Maschine auf. Diese Termine werden noch bekanntgegeben. Eine Codierung kostet für Nicht-ADFC-Mitglieder 10 Euro, für Mitglieder 5 Euro.

Fahrrad-Codier-Aktion des ADFC auf der Bahnhofstraße. im Bild stehend: v.l. Volker Bregulla 2. Vorsitzender ADFC Herne , Martin Kühl-Lukas, Klaus Steinhaus und Frank Ottmüller. in der Hocke: ADFC Beisitzer Jascha Beuttler und Michael Thomasen 1. Vorsitzender ADFC Herne.
stehend: v.l. Volker Bregulla 2. Vorsitzender ADFC Herne , Martin Kühl-Lukas, Klaus Steinhaus und Frank Ottmüller.alle ADFC Castrop-Rauxel. in der Hocke: ADFC Beisitzer Jascha Beuttler und Michael Thomasen 1. Vorsitzender ADFC Herne. Foto: Carola Quickels
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