Domke als Dante des Reviers

Mondpalast-Autor legt neuen Roman vor

Sigi Domke.
Sigi Domke. Foto: Thomas Heiser

Druckfrisch: Mondpalast-Autor Sigi Domke legt mit „Die Kühlschrank-Verschwörung“ einen neuen Roman vor. Längst hat sich der umtriebige Komödienschreiber einen exzellenten Ruf als Verfasser solider Unterhaltungsliteratur erworben. Quasi ein Dante zwischen Dortmund und Duisburg blättert er in liebevoller Zeichnung das Leben eines Losers im Ruhrgebiet auf, dem eine glückliche Wendung in seinem Dasein gelingt.

Rolf „Rolli“ Sikorski, leidenschaftlicher Pils-Trinker und leidenschaftsloser Single, lebt ein ziemlich beschauliches Leben zwischen Gelegenheitsarbeiten und Stammtischtreffen. Schmuckstück seiner ärmlichen Bleibe ist ein Hightech-Kühlschrank, der Rolf eines Tages mit ungewöhnlichen Geräuschen nervt. Dies ruft zwei Frauen auf den Plan, die dahinter eine Verschwörung von dunklen Mächten wittern. Von jetzt auf gleich steht Rolf im Zentrum einer „Bewegung“, die sich unter dem Namen „Die Durchblicker“ zusammengefunden hat. Nun ist nichts mehr, wie es war.

Bei Henselowsky Boschmann in Bottrop erschienen, ist diese Erzählung auf 144 Seiten teilweise eine Satire auf Formen des Zeitgeistes, in denen die sozialen Medien eine große Rolle spielen und vieles ungefragt für bare Münze genommen wird. Realsatiremäßig wimmelt es nur so von Absurditäten, die gemeinhin mit dem „ganz normalen Wahnsinn“ unserer Tage bezeichnet werden. „Held“ Rolli, nicht unbedingt ein Überflieger und im Hartz-4-Alltag eingerichtet, erlebt durch überraschende Wendungen und mannigfache Turbulenzen eine Ahnung davon, wo's langgeht und wie es sich doch glücklich fügen kann.

Läuft und läuft und läuft im Theater Freudenhaus seit einem Vierteljahrhundert: „Freunde der italienischen Oper“ im Kulturzentrum Grend in Essen-Steele.
Läuft und läuft und läuft im Theater Freudenhaus seit einem Vierteljahrhundert: „Freunde der italienischen Oper“ im Kulturzentrum Grend in Essen-Steele. Foto: Theater Freudenhaus

Sigi Domke, Jahrgang 1957 und damit einer der dienstältesten Komödianten des Reviers, hat mit seinen Theaterstücken und Büchern mittlerweile Generationen von Freunden und Liebhabern der aberwitzigen und stets auch herzergreifenden Unterhaltung zum Lachen gebracht. Oft ist das Ruhrgebiet mit seinen Typen und Eigenarten Schauplatz der Handlung, so auch in seinem neuesten Streich. Der Wahl-Bochumer ist ein Multitalent. Seinen heutigen Bekanntheitsgrad verdankt er in erster Linie der Tatsache, dass er mit 16 Stücken „der“ Komödienschreiber für Christian Stratmanns Wanne-Eickeler Volkstheater „Mondpalast“ ist. Seit 2004. Doch der gebürtige Hinterpommerer macht und kann mehr.

Er ist Regisseur, Komponist, Musiker, Romancier, und auch Langzeit-Schreiber für Herbert Knebel und sein „Affentheater“. Die Erfolgsstory „Ruhrgebietskomödien“ begann 1996 beim Theater Freudenhaus in Essen. Mit „Freunde der italienischen Oper“ gelang ihm auf Anhieb der ganz große Wurf und ein Longrunner. Seit 25 Jahren zieht die Geschichte um Heinz Kopleck und dem Clash zweier Kulturen die Zuschauer in ihren Bann und erschüttert die Zwerchfelle. Viele, viele Komödien folgten in Essen und eben auch Wanne-Eickel. Die Liste der Bücher beim Bottroper Verleger Werner Boschmann ist stattlich, Wikipedia – nicht auf dem neuesten Stand, so Domke, meldet elf Werke.

Auch ein Dauerbrenner aus der Feder von Sigi Domke: „Auf der wilden Rita“ im Wanne-Eickeler Mondpalast.
Auch ein Dauerbrenner aus der Feder von Sigi Domke: „Auf der wilden Rita“ im Wanne-Eickeler Mondpalast. Foto: Mondpalast

Es ist Domkes ganz spezielle Art, ob in Büchern oder seinen Stücken, gewichtige und auch ernste Themen unterhaltsam zu verhandeln. Ob multikulturelles Miteinander, Nachbarschaftsprobleme, Auswüchse der Fankultur im Fußball oder dergleichen mehr, witzig und humorvoll geht er die Dinge an. Von halloherne befragt, ob ein Humorist wie er auch privat ein lustiger Zeitgenosse sei, gesteht der Autor: „Ich bin eher ein stiller Typ und wenn ich in Gesellschaft bin, fungiere ich auch nicht als Alleinunterhalter.“ Was ihn glücklich mache, haben wir ihn gebeten, Auskunft über den Menschen Domke zu geben. Ohne lange nachzudenken kommt eine überraschende Antwort: „Musik, eine halbwegs intakte Natur und Frau sowie Tochter. Seit ich denken kann, empfinde ich eine starke Begeisterung für die Welt der Töne, die mich beseelt und auch interessant sein muss. Schlagermusik ist vorhersehbar, ich möchte überrascht werden.“

Sein ganz persönliches Rätsel der Kreativität bezeichnet der Mondpalast-Schreiber als ein kleines Wunder: „Wenn mein Kopf auf Touren kommt, dann bleibt er dabei. Ob es sich um ein Theaterstück oder absurde Gedichte handelt. Ich habe nicht ständig Ideen, doch wenn ich sie habe, mache ich in der Regel was daraus.“ Sigi Domkes jüngstes Werk, der 144-seitige Roman „Die Kühlschrank-Verschwörung“, ist gerade bei Henselowsky Boschmann in Bottrop erschienen und, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, für 14,90 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-948566-07-4).

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