'Wohnen am Wasser' ist einen Schritt weiter

80 Wohneinheiten, eine Kita und Tagespflege am Grimberger Pier geplant

Vorstellung der weiteren Pläne zum Grimberger Pier, ehemals
Blick auf das Grimberger Pier: Die Wohneinheiten sind quadratisch, die ehemalige Dannekampschule erhält eine L-Form, in der die Kita und die Tagespflege untergebracht werden sollen. Foto: Skiba Wohnbau

Vor 13 Monaten war an der selben Stelle noch blauer Himmel und viel Sonne, dazu um die 30 Grad. Auch wenn das Wetter am Montag (30.8.2021) etwas schlechter war, hatten die Verantwortlichen, die sich in der ehemaligen Dannekampschule eingefunden hatten, Grund zur Freude. Die damals vorgestellten Pläne zur Entwicklung von modernen Häusern und Wohnungen direkt am Rhein-Herne-Kanal unter dem Titel „Wohnen am Wasser“ (halloherne berichtete) sind voran geschritten - und stellen gleichzeitig den Auftakt für mögliche weitere Projekte dieser Art dar.

Mit der Herner Wohnbaugesellschaft Skiba haben sich die Stadt Herne sowie die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) einen Partner ins Boot geholt, der sich nach Angaben der von Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda gegen sieben weitere Bewerber - aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar dem Ausland - durchgesetzt hat. Der Projektname lautet nun Grimberger Pier.

Rund 11.500 Quadratmeter

Auf rund 11.500 Quadratmetern sollen rund 80 Wohneinheiten, eine dreizügige Kita und eine Tagespflege entstehen. Das teilte der Chef von Skiba, Helmut Skiba, mit. Dabei nimmt die ehemalige Dannekampschule, die momentan einsam und verlassen vor sich hin vegetiert, einen wichtigen Punkt ein. Das denkmalgeschützte Gebäude soll unter den gegebenen Vorgaben umgebaut werden, hier soll die Kita einziehen - Aufzug inklusive. Ebenso soll der benachbarte Kanuverein, dessen bisheriges Gebäude abgerissen wird, in der ehemaligen Volks- und Grundschule, unterkommen.

Vorstellung der weiteren Pläne zum Grimberger Pier, ehemals
Verriegelt: Eine Tür in der ehemaligen Dannekampschule, die ins Freie führt. Foto: Marcel Gruteser

Ein zuvor angedachte Tiefgarage soll es nicht geben, dafür sollen einige der Häuser auf Stelzen stehen, um Autos darunter parken zu können. Für alternative Fortbewegungsmittel gehören E-Ladestationen und eine Radstation zu den Überlegungen. Ebenso ist für ursprünglich anvisierte sogenannte Tiny-Houses (kleine, meist Einzimmerwohnungen) kein Platz. Dafür entsteht eine neue Stichstraße.

Skiba betonte allerdings, dass sich sämtliche Planungen noch in einer frühen Phase befinden würden. Daher sei noch nicht absehbar, wie groß die jeweiligen Wohnungen werden - klar sei nur, dass sie nur gemietet werden können. Dazu sollen die Häuser Gründächer erhalten. „Wir wollen hier urbanes Wohnen am Kanal schaffen. Hier bietet sich attraktiver Lebensraum“, findet Skiba.

Vorstellung der weiteren Pläne zum Grimberger Pier, ehemals
Erläuterten die Pläne: (v.li.) Helmut Skiba, Chef von Skiba Wohnbau, Achim Wixforth, Chef der SEG und OB Dr. Frank Dudda. Foto: Marcel Gruteser

Das sieht der Oberbürgermeister nicht anders: „Wir haben hier einiges vor. Mit diesem tollen Projekt versuchen wir, die Lebensqualität unserem Leitbild entsprechend auf ein neues Niveau zu heben.“ Dudda berichtete von ganz unterschiedlichen Bewerbungen für das Areal, teils mit sehr hohen Wohngebäuden, teils auch mit den angedachten Tiny-Houses. Letztendlich habe aber einstimmig der Entwurf von Skiba die Verantwortlichen am meisten überzeugt. „Das soll ein Referenzprojekt werden, weitere sollen folgen. Daher haben wir ein Planungsbüro beauftragt, nach weiteren Stellen am Kanal zu suchen, an denen ähnliche Vorhaben realisiert werden können“, berichtete die Stadtspitze.

SEG begleitet das Projekt weiter

SEG-Chef Achim Wixforth bekräftigte, dass die SEG das Projekt weiterhin begleiten und unterstützen würde. „Die Bauleitplanung obliegt weiter der Stadt, außerdem wird die Öffentlichkeit beteiligt“, so Wixforth, der anfügte: „Herne ist als Wohnstandort im Kommen.“

Vorstellung der weiteren Pläne zum Grimberger Pier, ehemals
So könnten die Häuser am Grimberger Pier nach den Plänen der Skiba Wohnbaugesellschaft mal aussehen. Foto: Skiba Wohnbau

Bis die ersten Mieter aber einziehen, wird noch viel Wasser den Kanal herunterfließen. Da noch ein Bebauungsplan durch die Verwaltung und politischen Gremien muss, bevor überhaupt das Buddeln und Baggern beginnen kann, rechnet Helmut Skiba mit einem Zeitraum von fünf Jahren. Auch Fragen zum Arten- und Denkmalschutz müssen noch geklärt werden. Für die nächsten anderthalb Jahre peilt Skiba zunächst die Weiterentwicklung der Pläne an, bevor es dann ans Baurecht und die Vermarktung geht. Stichwort Wasser: Starkregen und Hochwasser seien direkt am Kanal kein Thema, sagte Achim Wixforth auf Nachfrage.

Öffentlichkeit wird beteiligt

Die Öffentlichkeit mit wird dazu auch beteiligt. So ist am 14. September 2021 ein Termin für die Ratsfraktionen geplant, am 27. September 2021 befasst sich der Gestaltungsbeirat mit dem Projekt. Die Zusammenarbeit mit den Anwohnern freut auch den Stadtverordneten für Unser Fritz, Michael Zyweck (SPD). „Jetzt ist noch die Chance, etwas zu tun. Der Stadtteil entwickelt sich langsam, beispielsweise durch Oskar am Kanal oder auch das Fischhaus Lichte. Wenn nun noch die Baustelle verschwindet (halloherne berichtete), geht es in die richtige Richtung“, sagte Zyweck gegenüber halloherne.

„Ich erwarte Gespräche mit den Nachbarn. Eine enge Bürgerbeteiligung ist mir als Stadtverordneter und Anwohner sehr wichtig. Wir werden das eng begleiten“, so Zyweck. Kommunalpolitik sei für ihn die Brücke zwischen den derzeitigen Anwohnern und der Idee für die Zukunft. Er schiebt noch einen Wunsch hinterher: „Schön wäre es, wenn noch ein Nahversorger für die Ecke gewonnen werden könnte.“

Projekt Wohnen am Wasser an der ehemaligen Dannekampschule vorgestellt
Die ehemalige Dannekampschule von der Straße Grimberger Feld aus. Foto: Marcel Gruteser
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