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Der Weisse Ring e.V. hat im vergangenen Jahr in Westfalen-Lippe Opfer von Straftaten mit fast einer halben Million Euro unterstützt (Symbolbild).

Sechs Prozent mehr Fälle – Sexualdelikte an erster Stelle

Weisser Ring hilft Opfern mit 500.000 Euro

Dortmund/Münster. Der Weisse Ring e.V. hat im vergangenen Jahr in Westfalen-Lippe Opfer von Straftaten mit fast einer halben Million Euro unterstützt. „Einen großen Anteil hatte erneut die anwaltliche Erstberatung, die wir in 1365 Fällen bezahlt haben“, sagte Klaus Neidhardt aus Münster, der Vorsitzende des Landesverbands Westfalen-Lippe, bei der Vorstellung des Jahresberichts in Dortmund.

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Seit 50 Jahren berät der WEISSE RING Betroffene beispielsweise zum Opferentschädigungsgesetz, hilft bei der Suche nach weiteren Unterstützungsangeboten, bezahlt im Einzelfall eine anwaltliche Erstberatung und begleitet Opfer auf deren Wunsch zur Anzeigeerstattung oder zum Gerichtstermin. Dafür engagieren sich in Westfalen-Lippe etwa 250 Ehrenamtliche in 26 Außenstellen.

2.206 Opfer von Straftaten wandten sich an den Weissen Ring

In der Region haben sich im vergangenen Jahr 2.206 Opfer von Straftaten an den Weissen Ring gewandt – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. In der Mehrzahl waren Mädchen und Frauen betroffen. Sexualdelikte (609 Fälle), Häusliche Gewalt (476), Körperverletzungen (322) und Stalking (145) führten die Liste der Delikte an, aber auch nach 56 Tötungsdelikten berieten die Ehrenamtler Hinterbliebene oder Ersthelfer.

Der gemeinnützige Verein half nicht nur ideell, sondern wandte nach Neidhardts Worten im vergangenen Jahr 477.000 Euro für unterschiedlichste Hilfen auf. So wurde einem Opfer eine Erholungsmaßnahme bezahlt, damit es Abstand zur Tat gewinnen konnte, und in einem anderen Fall bezahlte der Verein die professionelle Innenreinigung eines Autos, in dem eine Frau missbraucht worden war.

Klaus Neidhardt, der als Sozialwissenschaftler nach Führungsfunktionen im Bundeskriminalamt bis 2013 Präsident der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster war, erklärte, die Digitalisierung ermögliche Straftätern Verbrechen, die früher nicht möglich gewesen seien: Cyber-Mobbing, KryptoBetrug und die Verbreitung von Deep-Fake-Sexvideos zum Beispiel. „Umso wichtiger ist es, dass es eine unabhängige Organisation wie den WEISSEN RING gibt, die Betroffene niederschwellig berät – ganz gleich, ob sie eine Anzeige erstattet haben oder nicht.“

Neidhardt lobte, dass die Sicherheitsbehörden in NRW seit 2025 die Möglichkeit hätten, Straftätern Fußfesseln nach dem „spanischen Modell“ anzulegen, etwa, wenn sie auch nach Verbüßung der Haft noch als gefährlich eingestuft seien. Beim „spanischen Modell“ wisse nicht nur die Polizei jederzeit, wo sich ein potentieller Täter aufhalte, sagte Neidhardt. „Auch das potentielle Opfer kann auf eigenen Wunsch ein Empfangsgerät bekommen und wird so gewarnt, wenn sich der Gefährder ihm nähert.“

In Nordrhein-Westfalen mussten im vergangenen Jahr etwa 20 Personen eine solche Fußfessel tragen. Die Bundesregierung will diese Schutzmöglichkeit auf eine breitere Basis stellen und hat ein Gesetz eingebracht, auf dessen Grundlage Familiengerichte bei häuslicher Gewalt das Tragen einer Fußfessel nach dem „spanischen Modell“ anordnen können, um das Opfer besser zu schützen. „Dafür hat der WEISSE RING seit Jahren gekämpft“, sagte Klaus Neidhardt. Er hoffe, dass das Gesetz bald verabschiedet werde.

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Nach Zahlen des Bundeskriminalamts sind jährlich etwa 250.000 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen. Der WEISSE RING finanziert sich ausschließlich über Spenden, Mitgliedsbeiträge (ab 2,50 Euro im Monat), Bußgelder und Nachlässe. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 25.214 neue Opferfälle erfasst.

Montag, 27. April 2026 | Quelle: Weisser Ring