Wanderausstellung - Menschen, Bilder, Orte

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Ausstellung: Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.
Ausstellung: Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Foto: Hanna Neander

Münster. Die LWL-Kulturstiftung holt die Wanderausstellung „Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ nach Münster und präsentiert sie für sieben Wochen, bis einschließlich Freitag, 25. Juni 2021, im Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Damit gastiert die Ausstellung an ihrer zweiten Station. Vier Veranstaltungen bieten begleitend dazu Begegnungen mit Kulturschaffenden der Region, die sich in ihren Projekten jüdischer Kultur widmen. Die Ausstellung wird vom MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln kuratiert und von der Stiftung mit fast 100.000 Euro gefördert.

„In der Ausstellung machen wir Begegnungen mit unserer gemeinsamen Geschichte möglich. Und die Ausstellung soll den Wunsch nach Begegnungen mit Menschen wecken, die heute jüdisches Leben in Deutschland gestalten - zum Beispiel in den Projekten, die alle elf jüdischen Gemeinden in Westfalen mit uns umsetzen“, so LWL-Direktor Matthias Löb.

Ausstellung: Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Matthias Löb, Dr. Laura Cohen.
Ausstellung: Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Matthias Löb, Dr. Laura Cohen. Foto: Hanna Neander

Die Ausstellung ist ein Höhepunkt im Programm der LWL-Kulturstiftung, die anlässlich des bundesweiten Festjahres „#2021JLID - Jüdisches Leben in Deutschland“ 24 Kulturprojekte unter einem Förderschwerpunkt bündelt. Anhand ganz unterschiedlicher Biografien und Bilder erzählt die Schau vom vielfältigen jüdischen Leben und jüdischer Kultur im deutschsprachigen Raum seit Konstantin dem Großen. Das von ihm im Jahr 321 erlassene Gesetz besagte, dass Juden reichsweit in den Provinzhauptstädten im Römischen Imperium von nun an in den Stadtrat be-rufen werden konnten. Diese früheste Quelle belegt die Existenz jüdischer Gemeinschaften nördlich der Alpen.

Fünf Orte in Nordrhein-Westfalen bereist die Ausstellung bis Ende des Jahres und beschreibt damit eine Route, die die zwei Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe miteinander verbindet. „Als Herzstück unserer Zusammenarbeit mit dem LVR ist sie wie ein roter Faden, der sich durch das Jahr zieht und an dessen Spur entlang wir gemeinsam immer wieder und immer an anderen Orten deutliche Zeichen setzen gegen den erstarkenden Antisemitismus“, so Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Mitglied im Vorstand der LWL-Kulturstiftung.

Ausstellung: Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.
Ausstellung: Menschen, Bilder, Orte - 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Foto: Hanna Neander

In vier Kuben greift die Ausstellung Themen wie Recht und Unrecht, Leben und Miteinander, Religion und Geistesgeschichte sowie Kunst und Kultur auf. Durch multimediale Einbindungen von Videos, Musik, Fotos und biografischen Zeugnissen konkreter Personen setzt sie auf die intuitiv und emotional geleitete Annäherung an die vielfältige jüdische Lebenskultur im deutschsprachigen Raum.

„Der Schlüsselbegriff ist für mich jedoch die Zukunftsfähigkeit: Jüdisches Leben in unserer heutigen Gesellschaft muss etwas Selbstverständliches werden, Denkweisen wie "Die Juden und die Deutschen“ müssen endlich abgelegt werden" betont Dr. Thomas Otten, Direktor des MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier.

Individuelle Lebenswege stehen für markante Ereignisse und Epochen jüdischer Geschichte und weiten die Perspektive auf den europäischen Raum aus. Bewusst liege der Fokus auf der Alltagsgeschichte, erläutert Dr. Laura Cohen, Kuratorin, die Dramaturgie der Ausstellung. „Uns ist es wichtig, immer auch das heutige jüdische Leben in den Blick zu nehmen, denn es handelt sich nicht um eine rein rückwärtsgewandte Betrachtung. Jüdisches Leben war, ist und bleibt lebendiger Bestandteil unserer Gesellschaft.“ Ausgehend von Kölner Bürger:innen wie Abraham von Oppenheim, Isaac Offenbach, David Levy-Elkan, Leonhard Tietz, Max Bodenheimer, David Wolffsohn, Fritz Deutsch, Richard Stern oder Edith Stein werden für den Blick auf einen gesamtdeutschen Kontext weitere wichtige Persönlichkeiten für die Meilensteine in Geschichte und Politik dieser 1.700-jährigen Tradition vorgestellt: stellvertretend Moses Maimonides, Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Fanny Hensel, Regina Jonas, Leo Baeck, Heinrich Graetz, Louis Lewandowski, Hans Samuel, Friedrich Hollaender und Heinrich Böll.

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