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Anna Pocher neben einer Öl-/Papier-Mischtechnik, die einen Hermaphroditen mit alchimistischen Symbolen eines Zürcher Codex aus dem 15. Jahrhundert zeigt.

Anna Pocher stellt im HKB-Kunstpunkt aus

Von den Brettern an die Staffelei

„Das Sichtbare und das Verborgene“ ist der Titel der ersten Herner Einzelausstellung der 1953 in Turin geborenen Tänzerin, Choreographin, Folkwang-Dozentin und Bildenden Künstlerin Anna Pocher, die seit 2023 Mitglied im Herner Künstlerbund HKB’90 ist und auch zwei Collagen auf der aktuellen HKB-Jahresschau im Rathaus Herne zeigt.

Wer jetzt Schauspieler oder andere in die Jahre gekommene Prominente vor Augen hat, die plötzlich ihre bildkünstlerische Ader entdecken, liegt bei Anna Pocher völlig falsch, die an der Accademia Albertina delle Belle Arti in Turin eine geradezu klassische vierjährige Ausbildung genoss: Malerei, Zeichnung, Plastik und Kunstgeschichte.

Inspirierender Akt des Sehens

„Der Akt des Sehens hat mein ganzes Leben begleitet und inspiriert“, so die in ihrer norditalienischen Heimatstadt ausgebildete Kunstpädagogin für die Grundschulen und die Mittelstufe. Ihre Collagen, die den größten Teil der in der Galerie Kunstpunkt gezeigten Arbeiten ausmachen, sind nicht nach dem Zufallsprinzip entstanden, sondern haben eine Komposition als Vorgabe: „Die Leere und die Fülle, Form und Raum der Bilder befinden sich im gegenseitigen Dialog.“ Was auch auf die Kohärenz der Farben zutrifft, die entweder miteinander verschmelzen oder kontrastieren.

Zwei stark emotionalisierte Frauenfiguren aus Bologna, deren harter Gesichtsausdruck durch die geometrischen Formen eher noch verstärkt als konterkariert wird.

Eine dieser durchaus auch politischen Collagen, die sich ästhetisch an denen der 1920er und 1930er Jahre etwa in der AIZ (Arbeiter-Illustrierte-Zeitung) orientieren, zeigt von Berliner Polizisten verprügelte protestierende Arbeiter in der Weimarer Republik in Verbindung mit einem friedlichen Alltagsmotiv einer Einkaufsmeile in der Wirtschaftswunderzeit der Fünfziger Jahre.

Das erinnert daran, dass Anna Pocher, die Ende der 1970er Jahre als Tänzerin ins Bremer Ensemble Reinhild Hoffmanns eintrat, im Dezember 1992 am Schauspielhaus Bochum in ihrer Choreographie „Volx-Muzak“, der Titel bezieht sich auf das frühere Gedudel in unseren Konsumtempeln, eine betriebliche Weihnachtsfeier ironisch aufs Korn genommen hat.

Altmeisterliche Ölgemälde

Anna Pochers Arbeiten, auch die geradezu altmeisterlichen Ölgemälde, bilden eine eigene Welt in sich und wollen rein assoziativ wahrgenommen werden. Sie sind häufig sinnlicher Natur wie bei einem kleinformatigen Gemälde, das einen Klavierspieler ohne Klavier und eine unter ihm sitzende nackte Frau zeigt. Die Motive sind auf den ersten Blick nicht immer miteinander in Verbindung zu bringen: Anna Pocher liebt das Verborgene und den versteckten Humor der einzelnen Figuren. Weshalb es sich doppelt lohnt, auf der Vernissage am Sonntag, 11. Januar 2026 oder der Finissage am Sonntag, 15. Februar 2026 mit der Künstlerin ins Gespräch zu kommen.

Zwei altmeisterliche Ölgemälde, deren Motive auch auf den zweiten Blick nicht zu entschlüsseln sind, sondern nur assoziativ wahrgenommen werden können: Links zwei schwebende Frauen, rechts ein Klavierspieler ohne Instrument über einer sinnlichen jungen Frau.

Die zumindest einige Herner Tanztheater-Liebhaber noch in bester Erinnerung haben etwa in der zum Berliner Theatertreffen eingeladenen Hoffmann-Choreographie „Könige und Königinnen“, wo sie auf furiose Weise mit Julie Shanahan zwei Rivalinnen verkörperte. Oder in „Verreist“, einer Reise durch die Lebensabschnitte der Menschen von der Geburt bis zum Tod.

Unvergesslich das narrative Tanz-Theater „Machandel“, das die Märchen der Brüder Grimm mit archaischen Menschheits-Riten verband. Wie auch „Ich schenk‘ mein Herz“ über das so schwer zu machende Leichte in der Operette: Anna Pocher und Annamirl van der Pluym als zwei Herzdamen, die walzerselig herumwirbelnd um gleich drei Tenöre buhlen.

Vernissage mit Maximilian Strestik

Die Ausstellung „Das Sichtbare und das Verborgene“ mit Arbeiten von Anna Pocher wird am Sonntag, 11. Januar 2026, um 11.30 Uhr in der Galerie Kunstpunkt, Mont-Cenis-Straße 296, eröffnet und kann anschließend bis zum 15. Februar 2026 jeweils mittwochs und sonntags zwischen 15 und 18 Uhr besichtigt werden. Auf der Vernissage wird der Bochumer Schauspieler Maximilian Strestik nicht nur einführende Worte sprechen nach der Begrüßung durch die 2. Vorsitzende des Herner Künstlerbundes, Gisela Schulte. Die Finissage am Sonntag, 15. Februar 2026, um 15 Uhr wird musikalisch gerahmt durch den Folkwang-Absolventen Anton Richard auf dem Violoncello.

Die Motive der Papier-Collagen Anna Pochers reichen von Alltagsszenen über (Produkt-) Werbung und mehr oder minder bekannten Gemälden bis hin zur Eintrittskarte einer Ausstellung.
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Sonntag, 11. Januar 2026, um 11:30 Uhr Galerie Kunstpunkt, Mont-Cenis-Straße 296, 44627 Herne
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Mittwoch, 14. Januar 2026, von 15 bis 18 Uhr Galerie Kunstpunkt, Mont-Cenis-Straße 296, 44627 Herne
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  • Mittwoch, 11. Februar 2026, von 15 bis 18 Uhr
  • Sonntag, 15. Februar 2026, von 15 bis 18 Uhr
Mittwoch, 7. Januar 2026 | Autor: Pitt Herrmann