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Als Chefchoreographin gehört Bridget Breiner (2.v.l.) zum neuen Leitungsteam der Rheinoper, an ihrer Seite (v.l.) Ballettdirektor Raphaël Coumes-Marquet, Generalintendant Prof. Christoph Meyer, die geschäftsführende Direktorin Alexandra Stampler-Brown sowie Chefdirigent Vitali Alekseenok.

Bridget Breiner is back

Vom Zauber des Neuanfangs

Bridget Breiner, die im Herbst 2012 nach sage und schreibe 33 Jahren Bernd Schindowski als Ballettdirektorin in Gelsenkirchen nachfolgte und bis zum Sommer 2019 eine beispiellos erfolgreiche, leider viel zu kurze neue Ära am Musiktheater im Revier begründete, die mit zwei deutschen Theater-Oscars „Der Faust“ gekrönt wurde, ist zurück. Zusammen mit Ballettdirektor Raphaël Coumes-Marquet wird sie als neue Chefchoreographin der Deutschen Oper am Rhein viele Fans nach Duisburg und nach Düsseldorf locken.

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Bridget Breiner hat mit ihrem „Ballett im Revier“ mehr als ein Dutzend eigene Choreographien am Kennedyplatz gezeigt mit dort lange entbehrtem klassischem Spitzentanz gepaart mit modernem Tanztheater. Vom „Ersten Gang“ (2012) über ihr erstes Handlungsballett „Ruß“ (2013), für das sie wie für „Charlotte Salomon“ (2015) den „Faust“ erhielt, bis hin zum tränenreich gefeierten Abschied „Ein Sommernachtstraum“ (2019) war ihre Gelsenkirchener Arbeit eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Die Tänzerin Bridget Breiner

Die 1974 in Connecticut geborene und in Columbus, Ohio (USA), aufgewachsene und ausgebildete amerikanische Tänzerin ging als 17-Jährige nach München zur Heinz Bosl-Stiftung. Ihr erstes Engagement führte sie ans Bayerische Staatsballett, wo sie Solorollen in Arbeiten namhafter Choreografen wie John Neumeier, George Balanchine, Ray Barra, Hans van Manen, Jiri Kylian und anderen tanzte.

1996/97 wurde Bridget Breiner Mitglied beim Stuttgarter Ballett, avancierte 2001 zur Ersten Solistin und kehrte nach einem Engagement am Ballett der Semperoper Dresden 2008/09 als Artist in Residence in der Funktion als freischaffende Choreografin und Erste Solistin nach Stuttgart zurück. Große Anerkennung als Tänzerin gewann Bridget Breiner nicht nur durch ihre Interpretation von Hauptrollen in abendfüllenden Handlungsballetten wie etwa John Crankos „Onegin“, „Romeo und Julia“ oder „Schwanensee“, John Neumeiers „Kameliendame“ und „Endstation Sehnsucht“, sondern auch in modernen Werken von Choreographen wie MacMillan, Forsythe, Kylian, van Manen und anderen. Zahlreiche Choreografen schufen Rollen für Bridget Breiner, darunter Christian Spuck, Mauro Bigonzetti, Kevin O'Day und Marc Spradling.

Die Choreographin Bridget Breiner

Aschenputtel und Märchenprinz: Alina Köppen und Junior Demitre 2013 in Bridget Breiners erstem Handlungsballett „Ruß“ am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier.

Auch als Choreografin hat sich Bridget Breiner binnen kürzester Zeit einen Namen machen können, den sie in der Interims-Spielzeit 2011/12 in Gelsenkirchen mit ihrem grandiosen „Großstadt-Triptychon“ untermauerte. Sie ging 2019 ans Badische Staatstheater Karlsruhe und kehrt nun an den westlichen Rand des Reviers zurück – zur neu formierten Compagnie des Ballett am Rhein. Prägnante Handschriften ganz unterschiedlicher etablierter wie auch aufstrebender Choreographen stehen neben der Repertoirepflege im Mittelpunk.

Werke von Hans van Manen, David Dawson und Jean-Christophe Maillot, aber auch von Mthuthuzeli November und dem für die Verbindung von Tanz, Theater und bildender Kunst stehenden Duo Iratxe Ansa und Igor Bacovich stehen auf dem Spielplan. Zum Abschluss der Saison werden Richard Siegal und Bridget Breiner, jeder für sich und doch gemeinsam zur Musik von Maurice Ravel die eigenen künstlerischen Wege ausloten und weiter denken.

Am 19. Oktober 2024 hat in Düsseldorf der dreiteilige Abend „Signaturen“ Premiere. Den Anfang macht Hans van Manens „Four Schumann Pieces“, gefolgt von David Dawsons „Empire Noir“. Mit einer Uraufführung von Bridget Breiner findet dieser Abend auf den Spuren nach dem, was uns prägt und wo unsere Wurzeln liegen, seinen Abschluss. In enger Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Kostümbildner Jürgen Franz Kirner entsteht zur Musik von Sergei Rachmaninow ein abstraktes Werk über die Notwendigkeit, zurückzuschauen, um nach vorne zu gehen und sich selbst als ein Ich zu definieren.

Noch einmal „Ruß“

Bridget Breiners „Ruß“ ist ab 6. Dezember 2024 im Theater Duisburg zu sehen. Nicht das Aschenputtel Clara steht im Mittelpunkt der Choreographie, sondern ihre Stiefschwester Livia: Was geschieht, wenn man eines der bekanntesten Märchen aus der Sicht einer der Gegenspielerinnen erzählt? Ist das „Böse“ nicht eine Frage der Perspektive? Unter den Machtspielen ihrer Mutter leidend, entdeckt Livia in Clara ihr Gegenstück. Bewunderung und Faszination schlagen in Eifersucht um. Die Geschichte folgt ihrem bekannten Lauf: Der von der Mutter für Livia auserkorene Prinz findet in Clara die wahre Liebe. Doch Livia geht ihren eigenen Weg, befreit sich von den Zwängen ihrer Umwelt und nimmt ihr Leben selbst in die Hand.

Den 150. Geburtstag von Maurice Ravel feiert das Ballett am Rhein mit zwei „Soirée Ravel“ betitelten Neukreationen unterschiedlichster Stilistik. Eine kleine Trommel, zwei sich stets wiederholende Takte: Maurice Ravels „Bolero“ bedient sich scheinbar simpler Zutaten, die sich zu einem der bekanntesten Werke der Orchesterliteratur zusammengefügt haben. Richard Siegal, sonst bekannt für Choreographien zu oft elektronischen Beats, fokussiert sich in seiner ersten Kreation für die Rheinoper auf das der Komposition innewohnende Anschwellen des Klanges, das voller Triebkraft steckt, Ewigkeit verheißt und zum Tanzen animiert.

Ebenfalls als Ballett und mit großem Orchesterklang, aber ganz anderem Sujet, entstand 1912 „Daphnis et Chloé“. Die „symphonie choréographique“ kreist vor dem Tableau der Hirtenidylle um die jungen Liebenden Daphnis und Chloé. Ausgangspunkt für die Neukreation von Bridget Breiner ist die Liebe selbst, sowohl zwischen dem Protagonistenpaar, als auch zwischen dem Komponisten und seinem Werk. Uraufführungs-Premiere ist am 7. Juni 2025 im Theater Duisburg.

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Weitere Informationen und Karten unter operamrhein.de sowie im Opernshop Düsseldorf an der Heinrich-Heine-Allee 24 und an der Theaterkasse Duisburg am Opernplatz.

Montag, 8. Juli 2024 | Autor: Pitt Herrmann