Wie hoch die Nachfrage nach den 'Mopedautos' wirklich ist
Micro-Cars unterwegs auf Hernes Straßen
Einfach reinsetzen, anschnallen und los gehts. Sie sehen aus wie kleine Autos und bieten besonders jungen Menschen ein Stück Unabhängigkeit: Die sogenannten Micro-Cars. Gefühlt sind immer mehr solcher Fahrzeuge in Herne und Umgebung unterwegs.
Alternative zum Moped
Die Fahrzeuge, die eigentlich als Leichtkraftfahrzeuge der Fahrzeugklasse L6e bezeichnet werden, seien eine echte Alternative zum Moped und versprechen Jugendlichen ab 15 Jahren eine autoähnliche Fortbewegung. Sie können mit einem Führerschein der Klasse AM, also dem sogenannten Mopedführerschein, gefahren werden. Neu sind die Fahrzeuge ab circa 10.000 Euro zu erwerben. Die Antriebsformen bestehen aus dem klassischen Verbrennungsmotor bis zu einem reinen Elektrofahrzeug. Dabei fahren sie maximal 45 Kilometer pro Stunde und haben meist zwei Sitzplätze.
Gerade weil sie in die Kategorie der Leichtkraftfahrzeuge fallen, fallen für sie weder TÜV-Untersuchung noch amtliche Zulassungen an. Sie benötigen lediglich ein Versicherungskennzeichen. Dies ist auch der Grund, warum die Stadt Herne keine konkreten Zahlen zu diesen Fahrzeugen erfasst.
„Micro-Cars benötigen „nur“ das sogenannte „kleine“ Nummernschild für zulassungsfreie Fahrzeuge. Das geben die Versicherungen direkt aus, eine Erfassung bei der Stadt Herne erfolgt dabei nicht“, erläutert Stadtsprecher Tobias Kindel auf Nachfrage von halloherne.
Ein bisschen mehr kann da hingegen schon der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sagen. Wie Pressesprecher Christian Ponzel auf halloherne-Anfrage mitteilt, werden seit 2023 die Micro-Car-Zahlen einzeln erhoben.
32.000 Micro-Cars auf Deutschlands Straßen
„Im Jahr 2023 waren rund 32.000 Micro-Cars in Deutschland Kfz-Haftpflicht versichert, die rund 1.500 Schäden in der Kfz-Haftpflicht verursacht haben. Zum Vergleich: Es waren 2023 rund 46 Millionen Pkw Kfz-Haftpflicht versichert, die rund 2,3 Millionen Schäden verursachten“, so Christian Ponzel.
Weiter führt er aus: „Bei den PKW liegt die Schadenhäufigkeit bei 50 Prozent. Das bedeutet, dass 50 Schäden je 1.000 Fahrzeuge gemeldet wurden. Bei den Micro-Cars liegt die Schadenhäufigkeit mit rund 47 Prozent knapp darunter.“
Leichter Zuwachs bei den Versicherern
Bei der Allianz seien aktuell rund 3.500 Fahrzeuge dieser Art versichert. In den vergangenen Jahren verzeichnete der Versicherer eine zweistellige Zuwachsrate auf niedrigem Niveau.
Ähnlich sieht es auch bei der HDI-Versicherung aus. „Wir beobachten seit einiger Zeit eine moderat steigende Nachfrage nach Versicherungen für Micro-Cars. Insbesondere im urbanen Raum gewinnen diese Fahrzeuge an Attraktivität, vor allem bei jüngeren Kundengruppen, als Zweitwagen oder als Alternative für kurze Pendelstrecken. Gleichzeitig ist der Bestand bei HDI noch auf einem sehr niedrigen Niveau“, teilt ein Sprecher auf Nachfrage von halloherne mit.
Ferner mahnt er an, dass sie aufgrund ihrer Bauweise bei Kollisionen in der Regel weniger Insassenschutz als vollwertige Pkw bieten. Im Stadtverkehr und bei niedrigen Geschwindigkeiten könnten Micro-Cars eine adäquate Mobilitätslösung darstellen. In gemischten Verkehrssituationen mit höheren Geschwindigkeiten und größeren Fahrzeugen bestehen jedoch erhöhte Risiken, meint der HDI-Sprecher.
'Ein Micro-Car hat ein anderes Fahrverhalten als ein Moped'
Der ADAC beobachtet allgemein ebenfalls ein gesteigertes Interesse der Bevölkerung an sogenannten Micro-Cars. Jedoch erinnert Fabian Faehrmann ADAC-Unternehmenssprecher auf halloherne daran: „Ein Micro-Car hat ein anderes Fahrverhalten als beispielsweise ein Moped. Daher ist es für Fahranfänger empfehlenswert, sich im Vorfeld – und idealerweise im Rahmen eines professionell begleiteten Trainings – mit den Fahreigenschaften auseinanderzusetzen.“
Ebenso weist er darauf hin, dass das Sicherheitsniveau nicht mit dem, eines Pkw vergleichbar sei. Ferner werde von vielen Herstellern zum Beispiel kein Airbag verbaut. Außerdem seien Systeme, die die Fahrstabilität unterstützen, wie zum Beispiel ABS entweder gar nicht oder nur gegen Aufpreis verfügbar.
Ferner weist Faehrmann auf ein weiteres Problemfeld hin. „Im Dunkeln sehen Micro-Cars aufgrund ihrer Schlussleuchten wie ein Pkw aus, fahren aber nur maximal 45 km/h schnell. Besonders auf Überlandstraßen kann es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn sich von hinten ein anderer Verkehrsteilnehmer mit höherer Geschwindigkeit nähert und das Micro-Car mit einem schneller fahrenden Pkw verwechselt wird. Der ADAC rät daher dazu, den Einsatz dieser Fahrzeuge vorwiegend auf Stadtgebiete zu beschränken“, so der Unternehmenssprecher abschließend.