Unheimlich perfekte Freunde

Maja Beckmann als Helikopter-Mutter

Unheimlich perfekte Freunde: Emil (Jona Gaennslen) und seine Helikopter-Mutter (Maja Beckmann).
Unheimlich perfekte Freunde: Emil (Jona Gaennslen) und seine Helikopter-Mutter (Maja Beckmann). Foto: Square One

Frido (Luis Vorbach), der eigentlich Fridolin Schubert heißt, ist schon am frühen Morgen ein Nervenbündel. Denn der Zehnjährige muss eine Klassenarbeit in seinem „Lieblingsfach“ Deutsch schreiben und ist – wie immer – spät dran. Er rast auf seinem Rad nebst selbstgebasteltem Anhänger durch die Siedlung und kann gerade noch seinen besten Kumpel Emil Leopold (Jona Gaensslen) aus den Klauen seiner überfürsorglichen Mutter (die Herner Schauspielerin Maja Beckmann), die ihren Sohn mit Dutzenden von Anweisungen bombardiert, befreien. „Um das Mögliche zu erreichen, muss man immer das Unmögliche versuchen“, lautet der Wahlspruch dieser alleinerziehenden Helikopter-Mutter, die Emil sogar verbietet, in der Pause auf dem Schulhof zu spielen aus Angst vor einer Erkältung.

Dafür zeigt sich der ausgezeichnete Schüler Emil gleich bei der anschließenden Klassenarbeit erkenntlich. Nachdem er ruckzuck mit seinen Aufgaben durch ist, lässt er sich von der Lehrerin aus fadenscheinigen Gründen ein zweites Blatt geben und füllt dieses heimlich für seinen Kumpel aus. Schließlich geht es bei den Viertklässlern um einiges – um die von den Eltern erwartete „Versetzung“ auf die Wilhelm-Eliteschule. Zumal die strenge Klassenlehrerin, Frau Klawitter (Margarita Broich), beim Gespräch mit den seit kurzem getrennt lebenden Eltern Gesa (Marie Leuenberger) und Michael (Serkan Kaya) bekundet, sie halte Frido noch für viel zu verspielt fürs Gymnasium.

Unheimlich perfekte Freunde: Auch beste Freunde streiten sich mal: Frido (Luis Vorbach) und Emil (Jona Gaennslen).
Unheimlich perfekte Freunde: Auch beste Freunde streiten sich mal: Frido (Luis Vorbach) und Emil (Jona Gaennslen). Foto: Square One

Auf der Flucht vor seinen einmal mehr heftig streitenden Erzeugern landet Frido auf dem Jahrmarkt, der gerade in der Stadt Station macht. In einem Spiegelkabinett tragen sich seltsame Dinge zu: ein kauziger Mann (Butz Buse) sitzt mit einer sprechenden Puppe auf dem Arm hinter der Kasse, ein Rabe schreit Kikeriki und plötzlich fällt auch noch ein mysteriöser Zauberkasten vom Himmel. Aus Neugier drückt Frido auf dessen roten Knopf – und sogleich beginnt sein Spiegelbild mit ihm zu sprechen. In reichlich überheblicher Manier behauptet es, genau wie Frido zu sein, nur eben perfekt. Sichtlich geschockt sucht der Junge das Weite und erzählt abends seinen Eltern vom Erlebten. Sie glauben ihm kein Wort.

Am nächsten Schultag offenbart Frau Klawitter, dass sie Emils Trick mit dem zweiten Blatt durchschaut hat – und gibt Frido eine glatte Sechs! Der weiß, was das bedeutet: Noch mehr büffeln, noch mehr Nachhilfe. Emil will seinem Freund unbedingt aus der Patsche helfen, aber der hat eine bessere Idee – und sucht erneut seinen perfekten Doppelgänger auf, der nicht nur Chinesisch lernt, sondern sich auch noch als Sportskanone entpuppt. Mit so unglaublichem Erfolg, dass nun auch die Klassenkameraden Dunja (Cleo Dietmayr), Sebi (Clin Badura) und sogar Emil so ein zweites Ich haben wollen...

Nach dem Drehbuch von Simone Höft und Nora Lämmermann, der ersten gemeinsamen Arbeit der Autorinnen aus Köln und München, hat Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“, „Die Perlmutterfarbe“) mit „Unheimlich perfekte Freunde“ einen wunderbaren Kinderfilm zum Thema Wettbewerb und Leistungsdruck für die ganze Familie inszeniert. Der nicht nur den jungen Zuschauern ab etwa sieben Jahren die Erkenntnis vermittelt, dass man Geister, die man gerufen hat, nicht so leicht wieder los wird. Sondern vor allem, dass Geister gar nicht benötigt werden, da jeder Mensch genau so, wie er ist, perfekt ist. Der Regisseur, seit kurzem Dozent an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, fühlt sich vom Drehbuch an Goethes „Faust“ erinnert: „Ja, dieses klassische Thema von einem, der seine Seele verkauft, um selbst besser dazustehen, aber darüber sein eigenes Ich verliert, steckt da mit Sicherheit drin.“

Kameramann Stefan Biebl drehte in München, Grünwald, Taufkirchen, Bad Tölz, Ottobrunn, Leipzig und Wien. Zu den originellen Schauplätzen des Szenenbildners Johannes Sternagel gehört das aufgelassene Erlebnisbad Alpamare in Bad Tölz, Markus H. Rosenmüllers „Kindheitstraum“, mit riesigen Rutschen und Wasserbecken. Hier wurde auch die Wandelhalle für das Elite-Gymnasium entdeckt, in der eine turbulente Tortenschlacht im wahren Wortsinn über die Bühne geht. Aber mehr soll nun wirklich nicht verraten werden.

Der im Rahmen der verdienstvollen, nur originäre Stoffe und keine Literatur-Adaptionen fördernden Initiative „Der besondere Kinderfilm“ realisierte Neunzigminüter wird erstmals am Freitag, 13. November 2020, um 19:30 Uhr beim koproduzierenden Sender Kinderkanal (KiKa) im Fernsehen ausgestrahlt.

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Freitag, 13. November 2020, um 19:30 Uhr
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