'Überbietungswettbewerb beim Mindestlohn'

Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen kritisieren Parteien

Dirk W. Erlhöfer.
Dirk W. Erlhöfer. Foto: Monika Lawrenz, Thomas Stelzmann

Die Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen haben die Parteien aufgefordert, im Bundestagswahlkampf auf einen Überbietungswettbewerb beim Mindestlohn zu verzichten. Das sei ein Angriff auf die Tarifautonomie. AGV-Hauptgeschäftsführer Dirk W. Erlhöfer sagte am Mittwoch (15.9.2021) in Bochum, ein im parteiübergreifenden Wettstreit politisch festgesetzter Mindestlohn werde ganze Tarifgitter massiv nach oben treiben und damit in vielen Bereichen das Lohngefüge insgesamt ins Wanken bringen. „Dem einen passt das ganze Verfahren der Mindestlohn-Kommission nicht, der nächste will 12 Euro und wieder andere wollen gar 13 Euro Mindestlohn“, sagte Erlhöfer. Der Politik sei offensichtlich nicht klar, dass ein Mindestlohn von 12 Euro in etwa 200 Tarifverträge eingreifen und gleich mehr als 570 tarifliche Lohngruppen aushebeln würde. „Das wäre dann der Dammbruch und würde der Tarifautonomie einen schweren Schlag versetzen“, betonte er.

Die Politik sei sich seiner Einschätzung nach offensichtlich nicht über die Konsequenzen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Hochlohn-Branchen im Klaren. In der Metall- und Elektroindustrie etwa würde ein Beschäftigter in Entgeltgruppe 1 etwa 16 Euro Stundenlohn verdienen. „Das ist Palette abladen und anderswo Palette aufladen. Anlernzeit eine halbe Stunde“, erklärte Erlhöfer und fügte hinzu: „Für diese einfachen Tätigkeiten sind die Vergütungen schon jetzt sehr hoch. Die würden durch eine Anhebung des Mindestlohns noch teurer, da Gewerkschaften versuchen würden, den Abstand wiederherzustellen. Eines ist dann ganz klar: Das kostet Arbeitsplätze.“ Dieser Domino-Effekt verschlechtere die Arbeitsmarkt-Chancen ausgerechnet für jene, denen die Politik eigentlich helfen wolle. „Gerade nach der Corona-Krise sei dies ein Bremsklotz für Neueinstellungen“, so Erlhöfer abschließend.

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