Stadtradeln Herne - mit Geschmäckle

Stellungnahme des ADFC

Die Mitglieder des ADFC Herne kritisieren die Berichterstattung der Stadt Herne zu der Bewertung der Aktion Stadtradeln - Herne in der Metropole Ruhr - wie folgt: „Im Vorjahr hat das Team des ADFC – damals unter dem Namen „Mehr Platz fürs Rad“ – bei den Kategorien „Team-km“ und „km pro Kopf“ den jeweils ersten Platz erradelt und wurde durch die Stadtverwaltung während einer kleinen Siegerehrung entsprechend gewürdigt. In diesem Jahr hat das Team „ADFC Herne“ mit 16.003 km wiederum den ersten Platz in der Teamwertung erlangt, bei der Bewertung „km pro Kopf“ wurde mit durchschnittlich 471 km der 4. Platz erreicht.

Das Team der Stadtverwaltung Herne erreichte in der Gesamtwertung mit 13.040 km – mit rund 3.000 km weniger – den zweiten Platz, in der Bewertung „km pro Kopf“ jedoch nur den 7. Platz, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass dieses Team mit 53 aktiven Radelnden deutlich größer war als unser Team mit 34 aktiven Radelnden.

Geänderte Siegkriterien

Zur allgemeinen Überraschung hat die Stadt kurzerhand und ohne vorherige Kommunikation die Siegkriterien geändert und in der Bewertung der Teams nicht die Kilometerleistung, sondern die Größe des Teams sprich: Mannschaftstärke gewürdigt. Rückfragen des ADFC hierzu blieben bisher unbeantwortet, aber Verlautbarungen in der Presse geben mittlerweile einen Aufschluss darüber, welche Änderung der Siegkriterien die Stadtverwaltung beim diesjährigen Wettbewerb vorgenommen hat. So wurde unter anderem ausgeführt, beim Stadtradeln käme es nicht nur auf die gefahrenen Kilometer an, sondern darauf, mit Spaß auf klimafreundliche Fortbewegung umzusteigen. Daher habe man die größten Teams gekürt (und die Kilometerleistung der Teams unberücksichtigt gelassen).

Stadtradeln ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Dabei ist es egal, ob man bereits jeden Tag fährt oder bisher eher selten mit dem Rad unterwegs bist. Jeder Kilometer zählt – erst recht wenn man ihn sonst mit dem Auto zurückgelegt hätte. Dieses Grundprinzip – nachzulesen auf der Homepage von STADTRADELN – ist von der Stadt Herne, die erst zum dritten Mal an diesem Wettbewerb teilgenommen hat, möglicherweise noch nicht ganz verinnerlicht worden.

Selbstverständlich soll das Umsteigen auf das klimafreundliche Fortbewegungsmittel Fahrrad Spaß machen, aber ein Team nur nach Größe sprich: Mannschaftstärke zu bewerten und dabei die Gesamtleistung des Teams völlig unberücksichtigt zu lassen, hat mit Leistungskriterien nichts zu tun und löst bei Radlern eher Irritationen aus. Ein Grundgedanke des Stadtradelns, nämlich in einem bestimmten Zeitraum (und in einem Team) möglichst viel km mit dem Rad und nicht mit dem Pkw zurückzulegen und somit möglichst viel Co2 einzusparen, wird ad absurdum geführt. Engagierte Stadtradler, die sich während des Wettbewerbs - im Vertrauen auf die Siegkriterien der Vorjahre – regelmäßig im Web über das Ranking ihres Teams informiert haben, werden vor den Kopf gestoßen. Dass durch die von der Stadtverwaltung geänderten und nicht vorher kommunizierten Siegkriterien das Team der – Überraschung! – Stadtverwaltung auf einen ersten Platz gehievt wurde, welches in der Teamwertung nach gesamt-km mit einem Abstand von rd. 3.000 km „nur“ den zweiten Rang belegt und nach pro-Kopf-km eher abgeschlagen rangiert, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Mit solch eher diskussionswürdigen Siegkriterien entfacht man bei engagierten Radlern eher wenig Begeisterung für das Stadtradeln.

Die Leistung der Mitglieder des Teams der Stadtverwaltung soll keineswegs geschmälert werden, im Gegenteil – der ADFC Herne gratuliert herzlich! Aber ein Geschmäckle bleibt …"

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