Simons inszeniert Shakespeares 'King Lear'

Bochums Kartenvorverkauf

v.l. Elsie de Brauw, Jing Xiang, Gina Haller und Risto Kübar in 'Die Befristeten'.
v.l. Elsie de Brauw, Jing Xiang, Gina Haller und Risto Kübar in 'Die Befristeten'. Foto: Birgit Hupfeld

Mit der Premiere von William Shakespeares „King Lear“ in der Regie des Intendanten Johan Simions eröffnet das Schauspielhaus Bochum am Donnerstag, 10. September 2020, die neue Spielzeit, die unter dem Motto steht: „Das neue Normal ist nicht normal“. Die Corona-Schutzmaßnahmen haben nicht nur zu einem dreimonatigen Shutdown an der Königsallee geführt, sondern beeinflussen auch den Spielplan zumindest bis Jahresende 2020. „Wir können viel von dem, was wir gewohnt waren, nicht mehr tun“, so Simons bei der Programmvorstellung, „aber wir können und wollen jetzt andere Dinge tun: Theater anders machen – das ist auch inspirierend.“

Ursprünglich hätte Shakespeares berühmtes Königsdrama bereits im April 2020 gezeigt werden sollen. Die pandemie-bedingte Probenunterbrechung hat nun zu einer Neuinterpretation geführt, die nicht nur die neuen Verhaltensregeln auf der Bühne berücksichtigt, sondern auch das Stück, das Shakespeare übrigens während der Pest-Quarantäne schrieb, anders liest. „King Lear“ hat die österreichische Dramatikerin Miroslava Svolikova für das Schauspielhaus Bochum neu übersetzt; die Titelrolle wird der vielfach preisgekrönte, unter anderem mit einem International Emmy Award ausgezeichnete Schauspieler Pierre Bokma spielen.

Intendant Johan Simons, hier zusammen mit seiner Stellvertreterin Dr. Susanne Winnacker, bei der Spielplan-Präsentation, startet am 10. September 2020 mit Shakespeares „King Lear“.
Intendant Johan Simons, mit seiner Stellvertreterin Dr. Susanne Winnacker, bei der Spielplan-Präsentation, startet am 10. September 2020 mit Shakespeares „King Lear“. Foto: Pitt Herrmann

Die zweite Premiere im Großen Haus ist gleichzeitig ein Wiedersehen mit einer guten Bekannten des Schauspielhaus Bochum: Martina Eitner-Acheampong, die als Schauspielerin viele Jahre auf den Bühnen an der Königsallee zu sehen war, inszeniert Yasmina Rezas Komödie „Drei Mal Leben“, in der zwei Paare drei Variationen eines Abends mit immer wieder neuen Verwicklungen erleben. Ab 2. Oktober 2020 dürfen wie uns auf diese Top-Besetzung freuen: Jele Brückner, Torsten Knoll (Musiker), Karin Moog, Oliver Möller sowie Bochum-Rückkehrer Sascha Nathan.

Ebenfalls dem corona-bedingten Theater-Lockdown fiel im März 2020 die Uraufführung von Stefano Massinis Die „Vereinigten Staaten von Amerika gegen Herbert Nolan“ zum Opfer. Mit der Inszenierung in der Regie von Thomas Dannemann setzt das Schauspielhaus Bochum die langjährige Zusammenarbeit mit der Folkwang Universität der Künste fort. Zehn Schauspiel-Studierenden des 3. Jahrgangs setzen sich in dem Stück mit einem realen Gerichtsprozess in den USA zur Nachkriegszeit auseinander. Neuer Premierentermin in der Zeche Eins: 30. Oktober 2020.

Den Saisonauftakt am Jungen Schauspielhaus Bochum markiert am 13. September 2020 das Stück „Der unsichtbare Mann“. In der Inszenierung für Menschen ab vier Jahren dreht sich alles um die Unsichtbarkeit – und insgeheim auch darum, wie schön es sein kann, nicht gesehen zu werden. Regie führt der niederländische Theatermacher Jetse Batelaan, der im vergangenen Jahr mit dem Silbernen Löwen der Theater Biennale von Venedig ausgezeichnet wurde.

Zwei Wochen später, am 27. September 2020, eröffnet das Schauspielhaus Bochum mit seinem „Theaterrevier“ eine neue Bühne für Kinder- und Jugendtheater in Bochum mit der Uraufführung „The Last Minutes Before Mars“ von Darren O’Donnell und seiner kanadischen Performancegruppe „Mammalian Diving Reflex“. Das Stück für Menschen ab 14 Jahren führt das Publikum in einer Mischung aus Live-Performance und 360-Grad-Video durch die letzten 24 Stunden auf der Erde im Leben von Jugendlichen aus dem Ruhrgebiet, die als unfreiwillige Retter der Welt zu einer Expedition zum Mars zwangsverpflichtet werden.

Trotz veränderter Rahmenbedingungen setzt das Schauspielhaus Bochum mit seinem Medienkunstzentrum „Oval Office“ weiterhin auf stilistische Vielfalt: In seiner Multimedia-Arbeit „No Man II“ beschwört der in Singapur beheimatete Künstler Ho Tzu Nyen am 10. September 2020 fünfzig computer-animierte Avatare herauf, die in einem geisterhaften Gesang an die Verbundenheit zwischen den Menschen appellieren. Und einen Monat später führt die kroatische Künstlerin Ivana Franke in ihrer Lichtinstallation „Travel Along Unknown“ in die Grenzbereiche der Wahrnehmung.

Weitere Vorhaben sind „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen, „Herbert“ von Herbert Fritsch, „Ödipus, Tyrann“ von Sophokles, „Die unendliche Geschichte“ nach Michael Ende, ein musikalischer Abend über das Sehen von Selen Kara und Torsten Kindermann sowie die Uraufführung „Baroque“ von Lies Pauwels mit übergewichtigen Laien. Im Rahmen des Jungen Schauspielhauses kommt es zu einer Wiederbegegnung mit der Wanne-Eickelerin Barbara Kölling vom Helios-Theater Hamm. Zu den Wiederaufnahmen gehört „Die Befristeten“ von Elias Canetti, wieder zu erleben am 10., 11., 24. und 25. Oktober 2020.

Der Kartenvorverkauf für alle Vorstellungstermine im September und im Oktober 2020 startet am Dienstag, 1. September 2020, 10 Uhr, sowohl online als auch an der Theaterkasse, die dann wieder für den Besucherverkehr geöffnet und unter Tel 0234 – 33 33 55 545 telefonisch erreichbar sein wird.

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