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Katja Panner-Thorack ist die bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin im Kehrbezirk Herne 10 (Eickel).

Hernerinnen berichten über ihren beruflichen Werdegang

Serie zum Weltfrauentag: 'Frauen ins Scheinwerferlicht'

Anlässlich des nahenden Weltfrauentages am Freitag, 8. März 2024, hat halloherne-Redakteurin Julia Blesgen mit verschiedenen Frauen aus den unterschiedlichsten Bereichen gesprochen. Dabei ging es unter anderem über ihren Werdegang, Herausforderungen, denen sie sich stellen mussten und was sie ihrem jüngeren Ich oder anderen jungen Mädchen nun mit auf den Weg geben würden.

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Den Anfang macht Schornsteinfegermeistern Katja Panner-Thorack, die seit 2022 „Bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin“ in Eickel im Kehrbezirk Herne 10 ist (halloherne berichtete). Dabei war Schornsteinfegerin nicht mal ihr Traumberuf. Zunächst absolvierte sie erst einmal ein Praktikum in einem Kindergarten. Sie merkte dann aber schnell, dass das nichts für sie ist.

Praktikum förderte Begeisterung am Beruf

„Ich stand kurz vor dem Schulabschluss und wusste nicht, was ich nach der Schule machen sollte - meine Noten waren auch nicht mehr so gut, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon keine Lust mehr auf Schule hatte", verrät Panner-Thorack. Durch ihren Vater, selbst Schornsteinfeger, kam sie auf die Idee, ein Schornsteinfeger-Praktikum zu absolvieren und siehe da: Sie war Feuer und Flamme.

Danach stand für sie fest, dass sie eine Ausbildung absolvieren möchte, aber nicht im väterlichen Betrieb. Glücklicherweise fand sie einen Schornsteinfeger, der bereit war, eine Frau auszubilden, dies sei Anfang der 2000er noch eine Seltenheit gewesen.

'Dumme Sprüche von einigen Kunden'

Katja Panner-Thorack hat ihren Weg gemacht.

„Es war schon so, dass ich mir während meiner Ausbildung den ein oder anderen dummen Spruch von Kunden anhören konnte. Dabei handelte es sich meist um ältere Herren. Sie fragten dann sowas wie: Kannst du das überhaupt? oder Ist das nicht zu schwer für ein Mädchen?", berichtet die Schornsteinfegermeisterin.

Weiter erzählt sie: „Ich war damals ja auch noch komplett schüchtern und war unsicher, wie ich darauf reagieren sollte. Aber das änderte sich mit der Zeit. Man lernt, sich nicht alles so zu Herzen zu nehmen."

'Keine wollte eine Frau einstellen'

Die Ausbildung schloss sie dann im Übrigen als Klassenbeste ab. Danach kam aber die Ernüchterung. Niemand wollte eine Frau als Gesellin einstellen. „Das war schon sehr frustrierend. Ich habe mich sogar bis nach Detmold beworben, aber bekam nur Absagen."

Die Gründe für eine Absage seien vielfältig gewesen. So mangelte es beispielsweise an Waschmöglichkeiten für Frauen in den Betrieben, aber auch sexistische Gründe spielten eine Rolle. „Es gab schon Absagen, die damit begründet waren, dass ich eine Frau bin. So hieß es dann, dass ich ja im Falle eine Schwangerschaft sofort für längere Zeit ausfalle oder auch die Ehefrauen wollten nicht, dass ihr Mann mit mir zusammenarbeitet oder man mir die schwere Arbeit als Frau schlicht nicht zu traute. Da fragte man sich schon, warum habe ich das überhaupt alles gemacht", berichtet die junge Frau.

Für sieben Jahre bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin in Herne

Später hatte sie dann das Glück, doch im väterlichen Betrieb eine Anstellung zu bekommen. Nach dem Ruhestand ihres Vaters, hat sie dann nach erfolgreicher Bewerbung durch die Bezirksregierung Arnsberg den Zuschlag zur „Bevollmächtigten Schornsteinfegermeisterin“ im Kehrbezirk Herne 10 für sieben Jahre erhalten.

Mit diesem Auto ist sie im Kehrbezirk Herne 10 ständig unterwegs.

Heute hätten sich die Zeiten für weibliche Schornsteinfegerinnen zu Glück geändert, meint Panner-Thorack. So gebe es mittlerweile auch Schornsteinfeger, die lieber weibliche Kolleginnen einstellen, weil diese „einfühlsamer und gewissenhafter“ arbeiten würden.

Männer übernehmen Carearbeit

„Außerdem ist es in unserem Handwerk wirklich so, dass Frauen und Männer das gleiche Gehalt beziehen. Es gibt bei gleicher Qualifikation keinen Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern", sagt die Schornsteinfegermeisterin mit Stolz in der Stimme. Ferner würden sich viele Ehemänner bereit erklären, die Carearbeit zu übernehmen, weil die Frau schlicht besser verdiene, als der Mann.

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Abschließend richtet sich Katja Panner-Thorack noch an junge Mädchen, die mit dem Gedanken spielen, Schornsteinfegerin zu werden: „Wir suchen händeringend Auszubildende. Traut euch und lasst euch von dem Gegenwind mancher Männer nicht entmutigen. Macht immer den Mund auf und lasst euch nicht alles gefallen."

| Autor: Julia Blesgen