halloherne.de lokal, aktuell, online.
Stephanie und Ruedi Baumann machen sich Gedanken über die letzte Phase ihres Lebens.

Kinotour mit Regisseur Simon Baumann

Sektmatinee mit 'Wir Erben'

Inmitten der ländlichen Idylle Frankreichs, eintausend Kilometer von der Heimat im Berner Oberland, liegt das Lebenswerk von Ruedi Baumann und Stephanie Baumann-Bieri – der einsam gelegene Hof La Queyte, ein biologischer Landwirtschaftsbetrieb mit 70 Hektar, den sie seit über 20 Jahren mit politisch grundiertem ökologischen Eifer und großer Hingabe etwa für die größte naturbelassene Orchideenwiese Frankreichs, auf der 27 verschiedenen Arten wachsen, führen. Mit zunehmendem Alter stellt sich die ihnen, aber auch den Familien ihrer beiden Söhne Simon und Kilian, die Frage, wer den Hof einmal übernehmen wird.

Anzeige: Spielwahnsinn 2026

Der Landwirt Ruedi Baumann saß viele Jahre für die eidgenössischen Grünen im Nationalrat, wo er sich wie in zahllosen TV-Talkshows wie der „Freitags-Runde“ für eine naturnahe, ressourcenschonende Landwirtschaft einsetzte, hierin unterstützt von seiner für Artenschutz und Biodiversität eintretenden Gattin, die landesweit zu den Experten auf diesem Fachgebiet zählt. Als beide überzeugten Europäer vor 21 Jahren ins EU-Land Frankreich auswanderten, setzten sie ihre politischen Forderungen praktisch um.

Erbe als Herausforderung

Während Kilian den elterlichen Bauernhof übernahm und als Nationalrat in der Politik tätig ist, wurde Simon, der Musiker werden wollte und nun Filmemacher geworden ist, in der inzwischen aufwendig restaurierten Suberger Ölmühle heimisch. Beide haben mit ihren Lebensgefährtinnen Kathrin Gschwend und Bettina Rode Kinder und können sich nicht vorstellen, La Queyte aus der Ferne zu bewirtschaften oder gar nach Frankreich zu ziehen. So stehen beide Familien vor der Herausforderung, persönliche Wege und die Verantwortung des Erbes in Einklang zu bringen.

Simon Baumann erzählt in „Wir Erben“ auf sehr persönliche, die Form eines Dokumentarfilms aus meiner Sicht sprengende Weise vor dem Hintergrund der eigenen Familie ganz universelle, allgemeingültige Fragen. Zur Überlebensfähigkeit familiengeführter landwirtschaftlicher Höfe in einer Europäischen Union, die vor allem die industrielle Landwirtschaft fördert.

Der 70 Hektar umfassende Hof La Queyte ist 1000 Kilometer von der Schweizer Heimat der Familie Baumann entfernt.

Aber mehr noch zu Anspruch und Wirklichkeit seines Vaters, der als Politiker der Grünen aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit stets hohe Erbschaftssteuern gefordert hat und nun als stolzer Bauer seinen Landbesitz steuerfrei an die Nachkommen übertragen will. Schließlich Simons Grundsatzfrage: Wie fair ist Vererben in einer Zeit, in der Besitz ungleich verteilt ist?

Schonungslose Ehrlichkeit

Ganz nebenbei wird das auch für Deutschland brisante Thema der gravierenden Unterschiede der Versorgung zwischen ländlichen und städtischen Regionen deutlich: Wer im Alter nicht mehr in der Lage ist, mit dem eigenen Auto zum nächsten Arzt zu fahren, um nur ein Beispiel zu nennen, muss Haus und Hof verlassen und, wenn es sie überhaupt gibt, in eine seniorengerechte, d.h. barrierefreie Stadtwohnung ziehen.

Ein Schicksal, so Bilder im Nachspann, das auch Simon Baumanns Eltern nicht erspart bleibt. Was „Wir Erben“ auszeichnet, ist, dass niemand vor laufender Kamera ein Blatt vor den Mund nimmt. Zu dieser schonungslosen Ehrlichkeit gesellt sich in diesem intimen Porträt, das über die persönliche Geschichte hinausweist. feiner Humor.

Gedreht auf Schwyzerdütsch

„Wir Erben“, gedreht auf Schwyzerdütsch, wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grand Prix Semaine de la Critique nach der Uraufführung am 11. August 2024 beim Film Festival Locarno, dem Hauptpreis im deutschsprachigen Wettbewerb nach der Deutschen Erstaufführung am 10. Mai 2025 beim DOK.fest München sowie dem Schweizer Filmpreis 2025 für den besten Dokumentarfilm.

Kinostart mit hochdeutscher Untertitelung ist am Donnerstag, 23. April 2026, bei uns zu sehen am Samstag, 25. April 2026, im Rahmen Kinotour mit Regisseur Simon Baumann um 16.15 Uhr im Metropol Düsseldorf sowie am Sonntag, 26. April 2026, um 11 Uhr bei der Sektmatinee im Casablanca Bochum. Im regulären Programm nur im Weisshaus Köln, Metropol Düsseldorf und im Cineplex Schloßtheater Münster.

Vergangene Termine (1) anzeigen...
  • Donnerstag, 23. April 2026
Vergangene Termine (1) anzeigen...
  • Samstag, 25. April 2026, um 16:15 Uhr
April
26
HEUTE
Sonntag, 26. April 2026, um 11 Uhr Casablanca Filmtheater, Kortumstraße 11, 44787 Bochum
Mittwoch, 22. April 2026 | Autor: Pitt Herrmann