Schüler wollen in die Schulen zurück

Umfrageergebnisse der Herner Schülervertretung

Symbolbild Maske in Schule
Die SSV Herne hat die Umfrageergebnisse zum Distanzunterricht mitgeteilt (Symbolbild). Foto: Pixabay

Die Stadtweite Schülervertretung der Stadt Herne (SSV Herne) hat in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Bildungsbüro eine Umfrage für Schüler erstellt, um ein Meinungsbild der Herner Schüler zum Distanzunterricht, der Corona-Situation in Schulen sowie zum allgemeinen Wohlbefinden der Schüler zu dieser Zeit einzuholen und damit die Interessen der Herner Schülerschaft bestmöglich in der Öffentlichkeit vertreten zu können, heißt es in einer Mitteilung vom Samstag (13.3.2021).

Mit den Erkenntnissen dieser Umfrage möchte die SSV Herne nun auf die Öffentlichkeit, die Politik und die Presse zugehen und die Wünsche der Schüler und Missstände ansprechen. So möchte die SSV Herne dazu beitragen, dass sich die Situation der Schüler in dieser Pandemie verbessert.

Die Schülerbefragung stieß dabei auf enormes Interesse. Bereits am ersten Tag nach Start der Umfrage Mitte Februar (halloherne berichtete) nahmen schon 800 Schüler an der anonymen Befragung teil und haben der SSV Herne ihre Situation geschildert.

Bis zum Ende des Befragungszeitraums am Montag (1.3.2021) haben insgesamt 1997 Personen bei der Befragung mitgemacht. Dabei verteilen sich die Teilnehmer relativ gleichmäßig über alle Altersklassen, wobei tendenziell ein paar mehr ältere Schüler abgestimmt haben. Es nahmen Schüler aller weiterführenden Schulen in Herne teil.

Fehlende Struktur bemängelt

Im Großen und Ganzen finden die Schüler (65 Prozent) den Distanzunterricht gut umgesetzt. Dabei gaben 81 Prozent der Teilnehmer an, dass sich der Distanzunterricht seit dem ersten Lockdown im März vergangen Jahres deutlich verbessert hat. Dennoch gibt es auch einige Probleme.

Ein häufig genannter Kritikpunkt ist beispielsweise die mangelhafte Organisation, wobei es dort starke Unterschiede zwischen den Schulen und auch zwischen einzelnen Klassen gibt. Bemängelt wird, dass es teilweise keine feste Struktur gibt, wie beispielsweise einen Stundenplan. Dies würde den Schülern sehr bei der Organisation helfen und wieder eine Regelmäßigkeit und Ordnung bringen.

Auch die Wahl der Plattformen ist ein wichtiger Faktor für die Schüler. Es wird als sehr umständlich und verwirrend empfunden, die ganze Zeit zwischen zahlreichen Plattformen wechseln zu müssen. Der Großteil der Schüler findet es beispielsweise besser, alle Aufgaben über „Microsoft Teams“ zu erhalten, als die Aufgaben für Mathe über „MNSpro“, die Aufgaben für Deutsch per E-Mail und die Aufgaben für Englisch auf noch einer anderen Plattform zu bekommen.

Am besten schneidet bei den Schülern aber der Live-Videounterricht ab. Zudem könnten mehr Gruppenarbeiten im Online-Unterricht integriert werden, um den Austausch zwischen den Schülern zu fördern. Für die Inhalte zur selbstständigen Erarbeitung bieten sich Lernvideos gut an. Für den restlichen Distanzunterricht wünschen sich die Schüler aber auch mehr Rückmeldung von den Lehrern zu ihren abgegebenen Aufgaben und individuelles Feedback.

Chance für Digitalisierung

Etwa 18 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie zuhause nicht oder eher nicht in Ruhe lernen und arbeiten können. Es gibt aber auch Schüler, die den digitalen Unterricht als Chance für die Modernisierung und Digitalisierung in Schulen sehen.

Auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet der Durchschnitt der Schüler ihr allgemeines Wohlbefinden mit 5,6. Dabei gaben 58 Prozent aller Teilnehmer an, dass sich ihr Wohlbefinden seit Beginn der Pandemie verschlechtert hat. 55 Prozent der Schüler fühlen sich einsamer als vor der Pandemie.

Leerer Klassenraum
Die Umfrage der SSV Herne zeigt, dass die Schüler wieder in die Klassenräume wollen. Foto: Pixabay

Auch fühlen sich viele Schüler nicht auf anstehende Prüfungen oder aufs Abitur vorbereitet und haben Angst, dass sie die Prüfungen nicht bestehen. Insgesamt können die Schüler sich auch nur schwer motivieren und fühlen sich träge und erschöpft. Besonders häufig wurde angegeben, dass der Distanzunterricht für die Schüler sehr stressig ist.

Die zentrale Erkenntnis der Schülerbefragung ist, dass die überwiegende Mehrheit der Herner Schüler wieder zurück in die Schule zum Präsenzunterricht möchte. Es ist der Wunsch nach Normalität, aber vor allem auch die feste Überzeugung, dort am besten lernen und sich auf die Prüfungen vorbereiten zu können. Vor Ort können die Lehrer ganz anders auf ihre Schüler eingehen und erkennen, wenn jemand im Unterricht nicht mitkommt.

Auch die Motivation der Schüler ist im Präsenzunterricht eine ganz andere. In der Schule herrscht eine ganz andere Lernatmosphäre, als wenn man bei sich zuhause im Kinderzimmer auf dem Bett liegt und es Tausende von Dingen gibt, die einen ablenken können. Die einen trauen sich vielleicht in Präsenz auch eher sich zu melden und Fragen zu stellen als in einer Videokonferenz.

Natürlich haben die meisten Schüler auch den Wunsch, endlich ihre Freunde wieder sehen zu können. Manche haben ihre Freunde seit Monaten nicht gesehen. Die Freunde aus anderen Klassen nun sogar schon ein ganzes Jahr nicht mehr. Das wirkt sich enorm auf die Psyche einiger Schüler aus, weshalb viele die Hoffnung haben, dass der Präsenzunterricht dieser Einsamkeit ein Ende bereiten kann.

Sicherheit weiter wichtig

Trotz des Wunsches nach Präsenzunterricht ist den Schülern aber auch weiterhin ihre und die Sicherheit der Mitschüler, der Lehrer, der Mitarbeiter und aller sonstigen Beteiligten sehr wichtig und darf nicht vernachlässigt werden.

Dabei werden die Maßnahmen für den Präsenzunterricht an den Schulen jedoch unterschiedlich aufgefasst. Manche Maßnahmen werden positiv wahrgenommen, andere als nicht sinnvoll. Wenn beispielsweise ein eigentlich gut gemeintes Einbahnstraßensystem nicht vollständig durchdacht ist und sich alle Personen dadurch viel länger an manchen Stellen oder auf den Wegen aufhalten müssen und sich alle an den Paar wenigen Eingängen tummeln, stößt das bei den Schülern auf Unverständnis.

Besonders wichtig ist den Schülern aber auch, dass wenn es sinnvolle Maßnahmen gibt, diese auch eingehalten und kontrolliert werden. Rund 30 Prozent der Schüler gaben an, dass sich einige Mitschüler nicht an die Regeln halten und sogar vereinzelt ein Paar Lehrer nicht alle Maßnahmen beachten würden.

Wenn aber die Maßnahmen eingehalten und die Schüler so nicht einem enormen Risiko ausgesetzt werden, wollen die Schüler so schnell es geht auch wieder ganz und nicht nur im Wechsel zur Schule. Daher begrüßt die Stadtweite Schülervertretung Herne die nächsten Schritte zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes sehr.

Was die Schüler sich aber für den Präsenzunterricht wünschen würden, ist ein besseres Konzept zum Essen und Trinken. Zudem wünschen sie sich, dass der Fokus mehr auf die Prüfungsfächer beziehungsweise Hauptfächer gelenkt wird und diese Fächer möglichst vollständig in Präsenz stattfinden können.

Symbolbild Tablet Computer.
Der Distanzunterricht mit Laptop bietet Vor- und Nachteile. Foto: Pixabay

In der Pandemie hat sich auch ein altbekanntes Problem an Schulen erneut gezeigt. Es gibt kaum warmes Wasser an den Schulen. Gerade im Winter ist es sehr unangenehm, sich mit dem eisigen Wasser die Hände zu waschen, was besonders in so einer Pandemie überaus problematisch ist und endlich angegangen werden sollte.

Positive Aspekte

Aber es gibt auch positive Aspekte. Nur noch 22 Prozent der Schüler gaben an, dass es zu wenig Seife an den Schulen gibt und nur noch 24 Prozent bemängelten das Fehlen von Papierhandtüchern. Das ist eine deutliche Verbesserung zu vor der Pandemie. Genauso wie der Mangel an Warmwasser ist der Seifen- und Papiertuchmangel an Schulen ein Problem, dass schon seit Jahren von den Schülervertretungen kritisiert wird. Die SSV Herne hofft, dass diese Probleme auch noch in den übrigen Schulen behoben werden und auch dauerhaft behoben bleiben.

Abschließend heißt es von der SSV Herne: "Uns erreichten zahlreiche Stimmen, die sich für die Umfrage bedanken wollten und es gut finden, dass die Schüler auch selbst zu Wort kommen konnten. Viele Schüler haben uns sehr persönliche Einblicke gegeben und sind froh darüber, dass sie nach ihrer Meinung gefragt worden sind und nun eine Stimme bekommen. Das zeigt, dass ein großer Teil der Schülerschaft das Gefühl hat, bei den Entscheidungen ignoriert und nicht berücksichtigt zu werden. Das sollte so nicht sein! Und daran muss sich was ändern!"

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