Pflicht zur Impfung nicht erfolgversprechend

LWL-Historiker Alternative: Impfen to go

Die halloherne cool cats beim Impfen.
Die halloherne cool cats beim Impfen. Foto: Jörg Lippmeyer

Münster (lwl). Impfprogramme auf Freiwilligkeit waren bisher immer erfolgreicher als Pflichtimpfungen, sagt der Chef-Historiker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Prof. Dr. Malte Thießen. „In historischer Perspektive haben sich alle freiwilligen Impfprogramme gegenüber Pflichtimpfungen klar als effektiver erwiesen“, erläuterte der Forscher am Donnerstag (12.11.2020). Thießen hat sich mit dem Thema Impfen 2017 habilitiert ("Immunisierte Gesellschaft. Impfen in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert").

Chef-Historiker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Prof. Dr. Malte Thießen.
Chef-Historiker des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Prof. Dr. Malte Thießen. Foto: LWL

„Eine Impfpflicht klingt auf den ersten Blick verlockend“, so der Fachmann weiter. „Ein zweiter Blick in die Geschichte von Impfungen wecke jedoch Zweifel. "Die Durchsetzung und Überwachung einer Impfpflicht kostet erhebliche Ressourcen, die sich besser in Impfprogramme stecken lassen. Außerdem mobilisiert eine Impfpflicht mitunter Kritiker und befördert Verunsicherungen und Verschwörungstheorien.“

Er plädiere darum für niedrigschwellige Angebote, zum Beispiel eine Art „Impfen to go“ in öffentlichen Einrichtungen. „Aufklärungsarbeit und Appelle an Solidarität sind schlichtweg überzeugender als staatlicher Druck. Wegen solcher Maßnahmen erreichten beispielsweise freiwillige Impfungen gegen Diphtherie oder gegen Poliomyelitis in Deutschland stets höhere Impfquoten als die Pflichtimpfungen gegen Pocken“, sagte der Leiter des LWL-Instituts für Regionalgeschichte.

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