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Verstehen sich prächtig: Louis (Kad Merad) und sein Halbbruder Tridan (Dany Boon).

Turbulente Komödie von und mit Dany Boon

Neu im Kino: Voll ins Leben

Willkommen im mexikanischen Club Méditerranée in den heißen Siebzigern: zum Monkees-Hit „I'm a Believer“ feiern bekiffte Langhaarige am Pool das Leben. Mittendrin die kaum weniger ausgeflippten französischen Club-Manager Didier (Maxime Gasteuil) und Françoise Lagache (Caroline Anglade) samt achtjährigem Sohn Tridan (Gaël Raës), der hier geboren und bisher nur von seiner Mutter unterrichtet worden ist.

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Alle bisherigen Versuche, dem Club Med, für den kleinen Jungen so etwas wie ein Goldener Käfig, zu entkommen, sind gescheitert. Bei einem neuerlichen Ausbruch an der Seite seiner ersten wirklich großen Kinderliebe, der gleichaltrigen Violette Charmet (Maybelle Billa Snodgrass), die mit ihren Eltern nach Paris zurückkehren muss, kommt es zu einem tödlichen Unfall: Auf der Suche nach den beiden Ausreißern stürzt Tridans Vater Didier von einem Felsvorsprung.

Tridan (Dany Boon) ist überzeugt, in Roxane (Charlotte Gainsbourg) seine Kinderliebe Violette wiedergefunden zu haben.

42 Jahre später. „Ich will die verlorene Zeit nachholen“: Tridan Lagache (liebenswert-naiver Forrest-Gump-Wiedergänger: Dany Boon) hat sein ganzes Leben im Club Med verbracht, Nun, mit fünfzig, beschließt er, nach Paris zu fliegen, um nach Violette zu suchen. Mutter Françoise (Aurore Clément), die mit Siebzig immer noch im Flower-Power-Käfer unterwegs ist, versieht ihn mit dem Schlüssel zu einer Wohnung in der Seine-Metropole, die seinem Vater gehört hat.

Für den vertrauensseligen Tridan, der erstmals der schnöden Welt draußen begegnet und enorme Entertainer-Qualitäten im Flugzeug offenbart, ist alles ein großes Abenteuer. Er fällt am Airport Charles-de-Gaulle auf einen kriminellen Taxifahrer (der Komiker Mathieu Madénian) herein und verliert wenig später sein ganzes Erspartes, weil er es seinem bis dato unbekannten Halbbruder Louis (Kad Merad) übergibt, den er zu seiner Überraschung in der väterlichen Wohnung vorgefunden hat.

Statt auf der Bank landet der Umschlag, in dem sich seine am Flughafen eingetauschten 10.000 Euro befinden, bei Yohan (Marin Judas), dem Sohn des ständig klammen und mit Unterhaltszahlungen enorm im Rückstand befindlichen Uber-Fahrers Louis. Der nun auch um seine Ein-Zimmer-Behausung fürchtet, auf die Tridan als allein rechtmäßiger Erbe einen Anspruch hat.

Weil der aber nur ein Ziel vor Augen hat, endlich seine Violette zu finden, bittet Louis eine seiner Geliebten, die Vintage-Modeladenbesitzerin Roxane (Charlotte Gainsbourg), als die Gesuchte aufzutreten. Wozu die offenbar von ihren bisherigen Lovern gefrustete nach kurzem Zögern bereit ist – in der hoffnungsvollen Erwartung eines flotten Dreiers. Doch dann kommt alles anders: Nach dem ersten vorsichtigen Abtasten in der Brasserie von Christelle (Tatiana Gousseff) entwickelt sich eine romantische Liebesgeschichte, an deren Ende es gar keine Rolle mehr spielt, dass Tridan doch noch der wahren Violette Charmet (Valerie Crouzet) begegnet…

Mit „Willkommen bei den Sch’tis“ schuf Dany Boon den bislang erfolgreichsten französischen Film in Frankreich. Auch in seinem achten Film als Regisseur, der Komödie „Voll ins Leben“, ist er an der Seite Kad Merads eine Wucht an Situationskomik. Die aber weit weniger warmherzig ausfällt als erhofft: das eingespielte Duo übertreibt in dem Ziel, nur ja keine Routine aufkommen zu lassen, maßlos. Boons sich selbst auf den Leib geschneiderte Figur des Tridan muss auf dem Pariser Pflaster zum ersten Mal Schuhe an seinen Füßen ertragen, vergisst bei Christelle die Zeche zu zahlen, aber auch im Job als Kellner die Gäste abzukassieren, weil er sein bisheriges Leben nur „All inclusive“ im Club Med erlebt hat. Schließlich crasht der Führerscheinlose auch noch reihenweise am Straßenrand parkende Autos unweit des Arc de Triomphe, um den von seinem Sohn Yohan verprügelten Louis ins Krankenhaus zu fahren.

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Kameramann Glynn Speeckaert weiß die Sehenswürdigkeiten der Seine-Metropole ins rechte Licht zu rücken einschließlich der spektakulären Bahnhofs-Architektur des Musée d´Orsay. Wohin Roxane ihre angebliche Kindheitsliebe führt auf ihrer großen Sightseeingtour durch die Stadt der Liebe: Charlotte Gainsbourg („Heute bin ich Samba“) hätte ich in einer Dany-Boon-Komödie nicht erwartet – und bin positiv überrascht. Der 109-minütige Film, in Frankreich seit dem 19. April 2023 ein Publikumsrenner, startet am 14. September 2023 in unseren Kinos, zu sehen u.a. im Casablanca Bochum sowie den beiden Essener Lichtspielhäusern Rio und Luna im Astra.

Donnerstag, 14. September 2023 | Autor: Pitt Herrmann