Nestroy-Preis für Lina Beckmann

Auch Schwester Maja Beckmann dabei

Lina Beckmann, 1981 in Hagen geboren und in Herne aufgewachsen, war 2011 bereits „Schauspielerin des Jahres“ bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute. Jetzt hat sie den Nestroy-Preis erhalten.
Lina Beckmann, 1981 in Hagen geboren und in Herne aufgewachsen, war 2011 bereits „Schauspielerin des Jahres“ bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute. Jetzt hat sie den Nestroy-Preis erhalten. Foto: Marie Köhler

Die Hernerin Lina Beckmann ist in der Rolle als Richard in „Richard the Kid & the King” nach William Shakespeare, mit Texten von Tom Lanoye und Luk Perceval, eine Koproduktion der Salzburger Festspiele und des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, in Wien als „Beste Schauspielerin“ mit dem Nestroy-Preis, dem österreichischen Theater-Oscar, ausgezeichnet worden.

„Selten gehen Schauspielkunst und Performance so geschmeidig Hand in Hand wie bei diesem Richard“ lobte die Jury des österreichischen Theaterpreises Lina Beckmann für ihre Titelrolle in „Richard the Kid & the King“.
„Selten gehen Schauspielkunst und Performance so geschmeidig Hand in Hand wie bei diesem Richard“ lobte die Jury des österreichischen Theaterpreises Lina Beckmann für ihre Titelrolle in „Richard the Kid & the King“. Foto: Monika Ritterhaus

Margarete Affenzeller in ihrer Laudatio: „Tief drin in der eiskalten Killermontur steckt das schrecklich verletzte Kind: Zwischen diesen Polen, Killer und Kind, zieht Lina Beckmann als Richard III. bei den Salzburger Festspielen ohne Rücksicht auf Verluste in Richtung Herrschaft. Beckmann hat auf der Perner Insel bereits 2017 als Rose Bernd begeistert. Jetzt stellt sie in einer schwindelerregenden Körperperformance den englischen König auf neue Beine. Als hätte sie ihre Knochen beim Portier abgegeben, peitscht sie da mit elastischem Rückgrat ihr Schaukelpferdchen in den Krieg. Quasimodo, Tarantino-Killer und breit lächelnder Joker - alles das zusammen ist Beckmann, wenn sie aus den heillos verweinten Clownaugen verschwörerisch ins Publikum grinst. Oder wenn sich die Zunge verlässlich gegen das Wort ‚Nächstenliebe‘ sträubt. Selten gehen Schauspielkunst und Performance so geschmeidig Hand in Hand wie bei diesem Richard.“

Auch Linas ältere Schwester Maja Beckmann ist zumindest indirekt ausgezeichnet worden. Wirkt das Ensemblemitglied des Schauspielhauses Zürich doch an der „Besten Aufführung im deutschsprachigen Raum“ mit, „Einfach das Ende der Welt“ nach Jean-Luc Lagarce in der Inszenierung Christopher Rüpings am Schauspielhaus Zürich. Diese ist im Frühjahr 2022 am Schauspielhaus Bochum zu sehen.

Maja Beckmann spielt in der „besten Aufführung im deutschsprachigen Raum“ mit und gastiert in „Einfach das Ende der Welt“ demnächst in Bochum.
Maja Beckmann spielt in der „besten Aufführung im deutschsprachigen Raum“ mit und gastiert in „Einfach das Ende der Welt“ demnächst in Bochum. Foto: Diana Pfammatter

Karin Cerny in ihrer Laudatio: „Ein todkranker, schwuler Sohn kehrt nach jahrelanger Abwesenheit in sein Elternhaus zurück. Er sucht Versöhnung, muss aber erkennen: Jeder ist maßlos allein. Christopher Rüping hat das 1999 uraufgeführte Stück ‚Einfach das Ende der Welt‘ von Jean-Luc Lagarce, das 2016 auch von Xavier Dolan verfilmt wurde, am Schauspielhaus Zürich erstaunlich nah an uns herangezoomt. Der Hauptdarsteller Benjamin Lillie filmt mit einer Handkamera zuerst die Wohnung seiner Kindheit ab, inklusive VHS-Kassetten und Tom of Finland-Hefte unterm Bett, dann stellt er in Close-ups seine Familie bloß. Dabei zeigt sich: Keiner kann aus seiner Haut, die alten Muster sind einfach zu dominant. Rüpings Inszenierung hat sowohl live im Theater als auch im Stream bestens funktioniert. Und nicht zuletzt gibt es zu Gigi D'Agostinos Hit ‚I'll Fly with You‘ eine der herzzerreißendsten Tanzszenen der Theatergeschichte überhaupt. Wer da nicht weint und lacht und mittanzen möchte, ist ein Stein.“

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