„Nähen isse ganze einfache“

Benefiz-Nähen für die Kleinsten

Mit Chiara Cremon und der gfi nähten rund 20 Frauen für zu früh geborene Kinder .
Knapp 60 Mini-Sachen entstanden beim Benefiz-Nähen mit Chiara Cremon in der gfi. Foto: Carola Quickels

Meine Freundin Chiara ist eine wahre Künstlerin an der Nähmaschine. Gibt man ihr verschiedene Stoffe, Nadel und Faden in die Hände, dann legt sie los und kreiert die schönsten Sachen in den unterschiedlichsten Stoff-Kombis: Nützliches zum Anziehen, Büchertaschen, Portemonnaies, kleine Täschchen zum Befüllen und die großen Taschen, die sind ihre Spezialität - genäht aus alten Werbeplanen. Meinen Enkel hat sie schon „benäht“ und ich selber liebe ihre kleinen Täschchen, die ich in vielen Varianten besitze.

Mit Chiara Cremon und der gfi nähten rund 20 Frauen für zu früh geborene Kinder .
Spaß gemacht hat es allen Frauen, das Nähen mit Chiara in den Räumen der gfi. Foto: Carola Quickels

Nun ist Chiara aber auch so gestrickt, dass sie ihr Wissen gerne weitergibt. Bei der Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit Herne (gfi) gibt sie seit Jahren Nähkurse und unterweist ihre Mitmenschen in die Geheimnisse von Nadel und Faden. Dabei sprüht die Italienerin aus dem Veneto - gutgelaunt und energiegeladen - nur so vor Ideen. Ein Tag an dem sie nichts tut, scheint für sie ein verlorener Tag zu sein.

So reichen ihr die Nähkurse der gfi und die Stunden, die sie an einer Schule Italienisch unterrichtet oder ihren Sohn zum Schwimmverein fährt, anscheinend nicht aus. In ihrer freien Zeit organisiert sie - scheinbar ganz nebenbei - Näh-Events. Dazu trommelt sie ihre Freundinnen zusammen - davon hat das kleine Energiebündel viele - und gemeinsam lassen sie die Nähmaschinen rattern. Im Herbst 2019 entstanden so Mützchen, Bodys, Lätzchen und Co für die Frühchen im Augusta-Krankenhaus in Bochum (halloherne berichtet).

Mit Chiara Cremon und der gfi nähten rund 20 Frauen für zu früh geborene Kinder .
Knapp 60 Mini-Sachen entstanden beim Benefiz-Nähen mit Chiara Cremon (hinten links) in der gfi. Foto: Carola Quickels

Anfang des neuen Jahres ereilte dann auch mich der Ruf. Mit ihrem liebenswerten italienischen Akzent wurde ich von Chiara 'aufgefordert ', am nächsten Näh-Event für den guten Zweck teilzunehmen. Da half auch kein Gezeter meinerseits: „Du, sehr gerne, aber ich bin für solchen Feinarbeiten nicht geschaffen. Ich kann wirklich nicht mit Nadel und Faden umgehen. Gib mir Steine und Zement ich bau dir ein ...“ Zum Aussprechen kam ich nicht: „Ach, isse Quatsche“, wurde ich sofort unterbrochen, dabei wedelte sie mit den Händen, als wolle sie eine imaginäre Fliege verscheuchen und sagte noch: „Nähen isse ganze einfache.“ So war ich 'eingeladen' und dabei. Widerspruch zwecklos.

Am Samstag (11.1.2020) war es dann soweit. In den Räumen der gfi standen Nämaschinen auf den Tischen und auf weiteren Tischen türmten sich die bunten Stoffe - im Vorfeld von Hernern gespendet. Vieles war schon zugeschnitten und wartete darauf, zusammengenäht zu werden. Mein Platz, ganz außen, damit Chiara mir mit Rat und Tat sofort zur Seite stehen konnte, wurde mir von ihr im liebenswerten Tonfall - „du sitze hier“ - zugewiesen. An „meiner“ Nähmaschine lagen zugeschnittene Stoffe, die ich zu Lätzchen wandeln sollte - nur wie? Unter Chiaras Anweisung „kucke hier, nimmst dasse so und so, und lässte eine kleine Loche für zum Umdrehen - und isse fertige.“

Mit Chiara Cremon und der gfi nähten rund 20 Frauen für zu früh geborene Kinder .
Spaß gemacht hat es allen Frauen, das Nähen mit Chiara in den Räumen der gfi. Foto: Carola Quickels

Das Ergebnis? Was soll ich sagen - es war in der Tat recht einfach. Zugegebenermaßen hatte Chiara mir auch die leichteste Aufgabe zugewiesen. Und auch wenn ich anfangs noch mit der Maschine haderte, die nicht das tat, was ich ihr sagte. Aber ab dem dritten Lätzchen haben wir uns angefreundet, die Maschine und ich, und sie schnurrte brav wie ein Kätzchen, ähnlich wie bei meinen geübten Mit-Näherinnen im Raum. An meiner Seite produzierte zum Beispiel Livia eine Mini-Pumphose nach der anderen. An den anderen Maschinen entstanden Strampler, Leggins, kleine Schühchen und auch Mützchen.

Nach gut 2 1/2 Stunden eifrigen Nähens kam die freundliche Aufforderung unserer Nähmeisterin Chiara: „So, jetze noch eine viertel Stunde nähen und danne müsse ihr aufräume.“ Gesagt, getan. Insgesamt kamen so rund 60 Strampler, Mützchen, Pumphosen, Leggins, Lätzchen und Mini-Socken zusammen.

Rund 20 Frauen waren an diesem Nachmittag dabei. Sie nähten, schnitten die Stoffe zu, fachsimpelten, hatten jede Menge Spaß dabei, sie kochten Kaffee und stellten unglaublich leckere Waffeln her. Es hat allen so viel Spaß gemacht - auch der Nicht-Näherin unter ihnen - wir kommen sehr gerne wieder und sagen Danke für den vergnüglichen Nachmittag.

Mit Chiara Cremon und der gfi nähten rund 20 Frauen für zu früh geborene Kinder .
Knapp 60 Mini-Sachen entstanden beim Benefiz-Nähen mit Chiara Cremon in der gfi. Foto: Carola Quickels
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