Kino-Tipp 'We Almost Lost Bochum'

Preview im Hauptbahnhof-Kino Metropolis über Rap-Crew RAG

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Auf der Bühne: (v.li.) Mr. Wiz und Pahel. Foto: Mindjazz Picture

Beide Kölner Filmemacher Julian Brimmers und Benjamin Westermann kommen zur Preview ihres hundertminütigen Kino-Debüts „We Almost Lost Bochum“ am Freitag, 4. September, um 21:30 Uhr ins Bochumer Hauptbahnhof-Kino Metropolis und bringen mit Aphroe noch einen ihrer Leinwand-Protagonisten mit. Der Filmtitel ist übrigens eine Referenz an den Gil Scott-Heron Klassiker „We Almost Lost Detroit“.

RAG (Ruhrpott AG), die sich abkürzt wie die zuletzt in Herne ansässige Ruhrkohle AG, war eine der wichtigsten Rap-Crews der 1990er Jahre mit einer bewegenden Geschichte über Freundschaft, Leben und Tod. Und das Ruhrgebiet. Obwohl nie im Mainstream angekommen, haben RAG Spuren hinterlassen: Jan Delay, Kool Savas, Curse, Die Kassierer und die Stieber Twins erzählen in „We Almost Lost Bochum“, wie sehr RAG sie damals und heute inspiriert haben. Und welche Bedeutung die Gruppe für Deutschrap hatte – weit über den Pott hinaus.

20 Jahre nach Veröffentlichung ihres Klassikers „Unter Tage“ ziehen sie Bilanz. Mit nur zwei LPs haben die Rapper Aphroe, Pahel und Galla sowie DJ/Produzent Mr. Wiz dem großen Deutschrap-Boom Ende der 1990er ihren Stempel aufgedrückt. Zwei Jahrzehnte später begleitet der Film die ehemaligen Mitglieder vom tiefsten Ruhrgebiet bis nach Washington D.C., dokumentiert ihre ersten Konzerte nach 15 Jahren Bühnenabstinenz und beleuchtet den tragischen Tod des RAG-Mitglieds Galla. Was ist aus den Bandmitgliedern geworden? Wie hat sich ihr Leben nach RAG verändert? Welchen Einfluss hat die Crew bis heute auf Deutschrap und warum sind RAG trotz ihres Stellenwertes unterm Radar geblieben?

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Die Protagonisten (v.li.) Pahel, Aphroe und Mr. Wiz. Foto: Mindjazz Picture

„Die Geschichte von RAG begleitet mich seit meiner Jugend“, sagt Autor und Regisseur Julian Brimmers. „Die Faszination für diesen speziellen kulturellen Moment, in dem eine Szene über sich hinauswächst und den Mainstream erreicht, hat mich nie verlassen. Insbesondere der psychologische Druck, der beim Außenblick auf das Berufsmusikertum oft vergessen wird, zeichnet sich am Werdegang von RAG deutlich ab.“ Und sein Regie-Kollege und Kameramann Benjamin Westermann ergänzt: „Die Idee war, das visuelle Setting des Ruhrgebiets mit der Band-Historie zu verweben. So entstand das Konzept einer ästhetisch hochwertigen Dokumentation, die auf HipHop-Klischees verzichtet. Wir wollten eine universell nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, die auch ein Publikum außerhalb der Szene anspricht.“

„We Almost Lost Bochum“, eine Gemeinschaftsproduktion der beiden Kölner Unternehmen Add Edit und Mindjazz Pictures, ist am 23. Oktober 2019 bei den Int. Filmtagen Hof uraufgeführt worden. Dieses filmische Denkmal für RAG, das zudem die erste echte Hochphase des deutschen HipHop insgesamt beleuchtet, startet am 10. September 2020 bundesweit in den Kinos, so auch im Metropolis Bochum. Ab 17. September 2020 ist die Doku im Kino Endstation in Bochum-Langendreer zu sehen, wo sich das Filmteam am Samstag, 19. September 2020, um 20.30 Uhr erneut dem Publikum stellt - für alle, die am 4. September nicht können oder kein Ticket mehr bekommen haben. RAG hat offenbar Spuren in ganz Deutschland hinterlassen – die Berliner Preview im Kreuzberger Babylon war trotz nächtlicher Zusatzvorstellung in Kürze ausverkauft.

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