GEW Herne kritisiert Schulöffnungen

'Absolut unverantwortlich und unverständlich'

Ein Klassenzimmer.
Die leeren Klassenzimmer sollen ab 15. März 2021 wieder gefüllt werden - das gefällt der GEW Herne nicht. Foto: Pixabay

Die GEW Herne kritisiert die geplanten Schulöffnungen für Montag, 15. März 2021. In einer Mitteilung heißt es: "Euskirchen hat eine Inzidenz von 31,5 - macht in Herne bei 152,8 alle Schulen auf. Trotz aller gemachten Erfahrungen des letzten Jahres und trotz hoher Opferzahlen in der Bevölkerung nimmt sich das NRW-Schulministerium (MSB) erneut Unglaubliches heraus."

In den derzeitigen Vorgaben des MSB zum Wiederbeginn des Unterrichts für alle Jahrgangsstufen ab Montag, 15. März 2021, findet sich keinerlei Bezug auf das Infektionsgeschehen vor Ort. Maßgeblich für das MSB ist lediglich die landesweite Inzidenz und selbst hier ist keine Vorgabe klar formuliert und man orientiert sich höchstens an alten Werten von vor dem Aufkommen der Virus- Mutationen (hier wird z.B. gelegentlich eine Inzidenz von über 200 für eventuelle weitergehende Maßnahmen genannt). Mit anderen Worten: Egal, wie die Infektionslage in Herne ist (und sie ist erneut und verstärkt „Spitze“ in NRW) – die Schulen sollen ab dem 15.03. wieder für alle Jahrgänge öffnen.

Aus der Sicht der GEW Herne, die seit Monaten bereits auf die Zusammenhänge zwischen der Infektionslage und den Geschehnissen an Schulen und Kitas hinweist, ist dies absolut unverantwortlich und unverständlich und einmalig nur auf den Bereich Schule so bezogen.

Nur Infektionslage in Herne wichtig

Es muss doch auch einem Ministerium vollkommen klar sein, dass für die Infektionslage in Herne ausschließlich die Infektionslage in Herne maßgeblich ist. Es werden sich bei hohen Inzidenzwerten vermehrt weiter Menschen infizieren, wenn vor Ort bei hohen Inzidenzzahlen viele Kontaktsituationen bestehen - dies genau ist der Kern exponentieller Wachstumskurven beim Infektionsgeschehen, heißt es weiter.

Das Virus wird Menschen anstecken, die Infektionszahlen in Herne werden relativ überproportional steigen (sie tun es bereits) und es werden erneut Menschen sterben oder schwere Verläufe oder Langzeitfolgen haben. Dabei ist es völlig egal, ob gleichzeitig z.B. in Euskirchen die Zahlen so gering sind, dass sie den Landesdurchschnitt niedriger halten.

In anderen Bereichen völlig unvorstellbar

In anderen Lebensbereichen ist diese Denkweise völlig unvorstellbar: Niemand kommt zur Zeit in Kommunen mit hohen Inzidenzwerten auf den Gedanken, die Geschäfte einfach weitergehend zu öffnen, nur weil 250 Kilometer weiter entfernt die Infektionszahlen gerade niedrig sind.

Die GEW- Herne fordert das MSB und Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf:

  • endlich ihrer Verantwortung für das Leben von Menschen gerecht zu werden
  • die Öffnung der Kontaktorte Schulen und Kitas an Stufenpläne zu knüpfen, die sich am örtlichen Infektionsgeschehen orientieren und sich dabei endlich an die Empfehlungen des RKIs zu halten
  • die Öffnung von Schulen tatsächlich verantwortungsvoll mit (mindestens Kohorten-) Testverfahren und baldmöglichst mit Impfstrategien zu verknüpfen – das derzeitig vorgegebene „wir laufen schonmal los und schauen in ein paar Wochen mal, was wir so an Maßnahmen dann vielleicht haben“, gefährdet Menschenleben
  • endlich in den Mittelpunkt zu stellen, worin zur Zeit Menschen-Leben gefährdet sind; neben den medizinisch– körperlichen Gefährdungen sind dies psychosoziale Gefährdungen zahlreicher Kinder und Jugendlicher; hier muss endlich eine Orientierung an dem erfolgen, was Menschen brauchen für ihre soziale Gesundheit - und dies sind vollständig andere Aspekte, als lediglich Klausuren und Abschlussprüfungen
  • endlich anzuerkennen, dass die Corona-bedingte Lage und die Folgen für alle schulischen Abläufe so außergewöhnlich und dramatisch war und ist, dass Prüfungs– und Abschlussformate in der „normalen“ Form weitgehend „so wie immer“ unmöglich sind. Die Prüfungen müssen angepasst werden, der Druck von Kindern und Jugendlichen sowie auf die Lehrer muss endlich angepasst werden an die Brisanz der Lage und die Realitäten des letzten (Schul-)Jahres.

Die GEW Herne fordert die Kommune in ihrer Verantwortung als Schulträger und in ihrer Verantwortung für 156.500 Einwohner auf: Durch eine mögliche Allgemeinverfügung oder anderer geeigneter Mittel anhand eines festen Stufenplanes festzulegen, dass konkrete Maßnahmen des Schulgeschehens nur angepasst an das Infektionsgeschehen in Herne durchzuführen sind.

Gerade weil es in mehrfacher Hinsicht um das Leben von Menschen geht, meint die GEW- Herne, dass nicht zum dritten mal ähnliche Fehler weiter gemacht werden dürfen, wie sie seit einem Jahr unzählig gemacht wurden.

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