halloherne.de lokal, aktuell, online.
Das Leitungsteam der Ruhrfestspiele, (v.l.) Chefdramaturg Jan Hein, Dispositionsleiterin Lilja Kopka und Intendant Olaf Kröck, stellte das Programm der Ruhrfestspiele 2026 vor.

Das Programm der Ruhrfestspiele 2026

'Erschrecken und Erstaunen'

„Erschrecken und Erstaunen“ ist das Motto der Ruhrfestspiele 2026, die von Freitag, 1. Mai bis Samstag, 13. Juni 2026 umbaubedingt in etwas anderem Rahmen stattfinden: Da die Technik des Großen Hauses auf Recklinghausens Grünem Hügel saniert werden muss, steht der zentrale Aufführungsort nicht zur Verfügung. Neben einem immerhin 500 Plätze fassenden Zelt im Stadtgarten wird daher vermehrt auf andere Spielstätten ausgewichen wie dem Theater Marl, der Christuskirche Recklinghausen und – bei der Uraufführung „Maus, Geld, Gespenst“ von Sunan Gu, sogar dem Schauspiel Essen.

Intendant Olaf Kröck, der am Dienstag (3.3.2026) das Programm vorstellte: „In diesem Jahr jährt sich der legendäre Kohletausch zum 80. Mal, jener Akt der Solidarität, mit dem die Bergleute aus Recklinghausen im Nachkriegswinter 1946/47 dafür sorgten, dass die Hamburger Bühnen weiter Theater spielen konnten.“

Weiter sagte er: „Der diesjährige Spielplan steht im Zeichen dieses Ursprungsmoments, nicht als Jubiläum im klassischen Sinn, sondern als Moment des Erinnerns an die Kraft des Anfangs: an Solidarität, den Willen zum Neubeginn und die Überzeugung, dass Kultur Menschen verbinden kann, über geografische und kulturelle Grenzen, soziale Unterschiede und Generationen hinweg. In einer Zeit, in der weltweit Fakten infrage gestellt, demokratische Institutionen untergraben und autokratische Denkweisen wieder salonfähig werden, setzen die Ruhrfestspiele 2026 auf Kunst, die empathisch ist, komplex sein darf und gesellschaftliche Verantwortung einfordert.“

Vorverkauf startet am 7. März 2026 um 9 Uhr

Unter dem Motto „Erschrecken und Erstaunen“ wird ein wieder alle Genres umfassender, vielfältiger, aber auch betont politischer Spielplan offeriert mit Schauspiel, Tanz, Literatur, Musik, Neuem Zirkus und Kabarett. Wie gewohnt wird mit einem großen Kulturvolksfest am 1. Mai 2026 gestartet, auch heuer setzt – nach erstmals rund sechs Wochen – eine Kopfhörer-Party den Schlussakkord.

Da rund 10.000 Plätze weniger zur Verfügung stehen, sollten sich Interessierte frühzeitig um Karten bemühen, der Vorverkauf startet am Samstag, 7. März 2026, um 9 Uhr – persönlich in der Kartenstelle am Recklinghäuser Hauptbahnhof, telefonisch unter 02361 – 92180 sowie unter ruhrfestspiele.de im Netz.

Die Highlights

Barrie Koskys fulminante Auseinandersetzung mit Kafkas Judentum, hier Kathrin Wehlisch als Josef K., kommt vom Berliner Ensemble ins Theater Marl.

Wie gewohnt an dieser Stelle eine subjektive Highlight-Auswahl mit dem Hinweis, dass hier die Karten als Erstes vergriffen sein werden. So bei den Uraufführungen, Deutschlandpremieren und hochkarätigen Gastspielen im Schauspiel. Lisa Hagmeister und Cathérine Seifert kommen mit „Hard Times“ von Charles Dickens kurz nach der Premiere am Thalia-Theater Hamburg ins Theater Marl, wo auch Julia Gräfner und Wolfram Koch vom Deutschen Theater Berlin zu sehen sind in der Uraufführung des Projektes „Polaris“ von Jan-Christoph Gockel. Nach dem gleichnamigen Roman von Miranda July spielen Meike Droste, Fritzi Haberlandt, Sabine Auf der Heyde und Holle Münster „Auf allen Vieren“ im Kleinen Festspielhaus, wo auch Sibylle Bergs „Ein wenig Licht. Und diese Ruhe“ aus Hannover zu sehen ist mit Katja Riemann in einer Inszenierung von Lena Brasch.

Die Bühnen Bern kommen ebenfalls ins Kleine Haus mit „Trophäe“ nach dem gleichnamigen Roman der flämischen Autorin Gea Schoeters, die auch live zu erleben ist im Gespräch mit Denis Scheck. Mit „Thauma“ des Objekttheaters La Mula kommt ein „szenisches Gedicht“ als Koproduktion mit dem Figurentheater-Festival Fidena ins Große Festspielzelt und im Theater Marl stellt Katharina Thalbach in einer szenischen Lesung „Kästners Berlin“ vor, Texte Erich Kästners aus und über die pulsierende Metropole der 1920er und 1930er Jahre. Bjarne Mädel, Angelika Richter und Bettina Stucky lesen im Theater Marl drei Monologe aus Ingrid Lausunds „Bin nebenan. Monologe für zuhause“.

Das wie immer stark nachgefragte Kabarettprogramm bestreiten heuer Teresa Reichl, Sebastian 23, Frank Goosen, Katrin Bauerfeind, Wladimir Kaminer und Christian Ehring. Und die Neue Philharmonie Westfalen spielt in der Christuskirche Recklinghausen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Anton Bruckner.

K wie Kafka, Kosky – und Król

Joachim Król liest selbst ausgewählte Erzählungen von Franz Kafka am 7. Juni 2026 im Kleinen Festspielhaus.

Sein ganzes Leben hat Franz Kafka mit der Frage gerungen, was sein Jüdischsein für ihn bedeutet. Aufgewachsen in einer assimilierten Familie verband er die sporadischen Synagogenbesuche eher mit Zwang. Die religiösen Regeln, ihre Auslegungen und Erzählungen befremdeten ihn mindestens genauso, wie sie ihn faszinierten. Kaum verwunderlich, dass es vielmehr die jüdische Kultur, die Kunst, genauer gesagt: das Theater in jiddischer Sprache war, welches Kafka den ersten Anstoß gab, sich dem Judentum zu nähern.

Im Herbst 1911 besuchte Kafka regelmäßig die Aufführungen einer ostjüdischen Theatergruppe. Ihre tragikomische Erzählweise, die Vermischung von Gesang, Tanz, Drama und der selbst-verständliche Umgang mit dem Jiddischen beeinflusste nachweislich sein Schreiben.

Dreistündige Produktion fast ständig ausverkauft

Vor diesem Hintergrund hat Opernregisseur Barrie Kosky Kafkas berühmtesten Roman „Der Prozess“ und weitere Texte als Auseinandersetzung mit Kafkas Judentum auf Deutsch, Jiddisch, Hebräisch am Berliner Ensemble inszeniert, jeweils mit deutschen Untertiteln, und – natürlich – mit viel Musik! Die dreistündige Produktion unter der musikalischen Leitung von Adam Benzwi u.a. mit Constanze Becker, Kathrin Wehlisch und Alma Sadé ist seit der Premiere im September 2025 an der Spree fast ständig ausverkauft und jetzt von Dienstag bis Freitag, 9. bis 12. Juni 2026, im Theater Marl zu erleben. Dazu steuert Joachim Król Erzählungen von Franz Kafka bei in seiner Lesung am 7. Juni 2026 im Kleinen Haus.

Rund 600 Künstler aus der ganzen Welt werden mit ihren Produktionen und Vorstellungen Teil der diesjährigen Ruhrfestspiele sein – in 80 Produktionen mit 220 Veranstaltungen, davon drei Uraufführungen, sechs Deutschlandpremieren und eine Europapremiere. Insgesamt sechs Produktionen sind koproduziert. 51.000 Plätze stehen heuer zur Verfügung, der Kartenvorverkauf beginnt am Samstag, 7. März, um 9 Uhr.

Vergangene Termine (1) anzeigen...
  • Samstag, 7. März 2026, um 9 Uhr
Mai
1
Freitag
Freitag, 1. Mai 2026 Start Ruhrfestspiele
Mittwoch, 4. März 2026 | Autor: Pitt Herrmann