Ein offener Brief an die Gesellschaft

Zu den Anschlägen auf Sri Lanka hat die Islamische Gemeinde Röhlinghausen einen offenen Brief verfasst: „Fassungslos und voller Entsetzen haben wir die Nachrichten aus Sri Lanka verfolgt. Ausgerechnet am Ostersonntag wurden hunderte Gläubige, während des Gebetes auf grausame und feige Weise in den Tod gerissen. Es ist leider wenig hilfreich, wenn wir sagen, wir sind fest davon überzeugt, dass Terror und Gewalt seine Legitimation niemals in Religion finden kann und niemand auf der Erde die Vollmacht hat, Gottes Henker zu spielen. Denn die Feststellung, wer danach sucht und entsprechend gesinnt ist, kann in den heiligen Büchern die Aufforderung zur Gewalt finden, ist nicht zu bestreiten, wenn sie auch nur aus dem Kontext gerissen funktioniert. Wer aber an Gottes Barmherzigkeit glaubt, kann feststellen, dass Religionen Quellen der Menschlichkeit sind. Daran glauben wir. Deswegen verurteilen wir in aller Schärfe jeglicher Art von Gewalt. Egal von und für wen, warum und weshalb sie auch immer ausgeführt wird.

Jeder Mensch der Gewalt erfährt ist einer zu viel. Deswegen sagen wir in aller Deutlichkeit, wir verurteilen die Terroristen, die in Sri Lanka die grausamen Taten angeblich als Vergeltung für die Opfer des Neuseeländischen Terroraktes durchgeführt haben: „Ihr seid nicht unsere Bevollmächtigten!“ Und deutlicher sagen wir, wir lieben Jesus, wir lieben unsere christlichen Mitmenschen und wir lieben die gottgewollte, religiöse Pluralität in der Gesellschaft, wie es in den Kapiteln 10 Vers 99 wie folgt festgehalten wird. Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf Erden sind, geglaubt. Willst du also die Menschen zwingen, gläubig zu werden?“

Dass es keine hundertprozentige Sicherheit gegen Terror und Gewalt geben kann, haben wir gelernt. Lernen und verinnerlichen müssen wir noch, dass Opfer gegen Opfer, Muslime gegen Christen, Weiße gegen Dunkelhäutige, nicht ausgespielt werden dürfen. Wer unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und die in der Menschenwürde wurzelnden Grundwerte der Verfassung akzeptiert, kann und darf nicht zwischen den Terroropfern, ihrer Religion, Abstammung und Farbe unterscheiden. Es darf keine Opfer erster oder zweiter Klasse geben. Genau das wollen die Terroristen erreichen. Unter den friedlich lebenden Menschen Hass verbreiten und Unheil stiften. Eine Haltung, die die Opfer zwischen unsere und eure trennt, ist weder islamisch, noch christlich oder gar menschlich.

Es sind unsere Opfer, wenn den friedlich betenden Gläubigen in den Häusern Gottes, in Kirchen, Synagogen oder Moscheen, Gewalt widerfährt. Es sind unsere Opfer, wenn Menschen aus dem Irak, Palästina, Israel, Sudan oder Jemen ums Leben kommen. Es sind unsere Opfer, wenn Menschen am Breitscheidplatz, in Quebec, Dresden oder in einem jüdischen Supermarkt von ihren geliebten Menschen getrennt werden. Unsere Herzen sind bei den Familien und Angehörigen der Verstorbenen, sowie bei den Verletzten, denen wir eine schnelle Genesung und Gottes Liebe und Barmherzigkeit wünschen."

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