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Eine Stele und eine Flügelnuss erinnern an das Wirken des Josef Göbbeler im Stadtbezirk Eickel.

Menschen-, Pflanzen- und Tierfreund

'Ein Baum für Jupp'

Menschen, denen der Name Josef Göbbeler in Eickel nichts sagt, die wird man wohl an einer Hand abzählen können. Jupp, wie ihn alle nannten, war jahrzehntelang der Gartenbaumeister im Stadtbezirk Eickel. 'Sein' Betriebshof befindet sich im Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Volksgarten – dem Zentrum seines Schaffens. Am 16. Mai 2022 verstarb der Gartenbaumeister aus Eickel im Alter von 90 Jahren in der Seniorenresidenz Curanum, die in Sichtweite seines Reviers liegt.

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Am Montag (21.11.2022) wurde für den Gartenbaumeister aus Eickel ein Baum in „seinem“ Park gepflanzt – eine Flügelnuss. Möglich gemacht haben das viele ehemalige Jupp-Mitarbeiter, denen es wichtig war, dass dieser besondere Mensch in Erinnerung bleibt. „Die Flügelnuss wurde ausgewählt, da sie zu den starkwüchsigen Bäumen gehört, sie wird groß und mächtig und wirft viel Schatten und zudem hat Josef Göbbeler sie selber gerne gepflanzt“, erzählt Beate Klumpen im Gespräch mit halloherne.

Eine Stele und eine Flügelnuss erinnern an das Wirken des Josef Göbbeler im Stadtbezirk Eickel.

Der jetzige Praxisanleiter auf dem Betriebshof, Uwe Päseler, hat den Pflanz-Plan maßgeblich umgesetzt. Er hat das Geld für den Baum und auch für die Erinnerungs-Stele und das Schild gesammelt. Am Pflanztag selber waren viele seiner ehemaligen Azubis dabei, Beschäftigte von Göbbeler, Vertreter des Vereins Pro-Park und auch Mitglieder der Kath. Gemeinde St. Barbara, dort hat er fast bis zum Schluss den Blumenschmuck für die Kirche hergerichtet.

Vorübergebeugter Gang, einen Hut auf dem Kopf, Schal oder Halstuch um, eine Wetterjacke an und dazu seine geliebte Zigarillo im Mundwinkel – so kannte man ihn, wenn er über seinen Betriebshof ging, um nach dem Rechten zu sehen.

Josef Göbbeler.

So beschreibt der Autor und Musiker Peter Zontkowski seinen ehemaligen Ausbilder Josef Göbbeler in seiner Rede, die er zur Baumpflanzung vortrug und mit der er das Herz aller Anwesenden erreichte. Zontkowski ist nur einer von vielen Gärtnern, die Jupp, zuständig für die Ausbildung der städtischen Landschaftsgärtner, ausbildete. Im halloherne-Gespräch erinnert er sich: „Ich kam 1985 in Jupps Revier. Zuvor hatte ich schon drei Jahre bei der Stadt als Gärtner (ohne Ausbildung) gearbeitet. Jupp, wurde mein Mentor, packte mich sofort zu den Azubis und verhalf mir so zur Ausbildung und Prüfung."

„Mit Jupp zu arbeiten, hieß immer noch dazuzulernen. Jupp war jemand, der Freude daran hatte, sein Wissen weiterzugeben. Dabei machte er keinen Unterschied, zwischen unbekannten Menschen oder seinen Azubis." Hätten ihn Menschen bei Aldi angesprochen, weil ihr Ficus die Blätter verliert, er hätte ihnen einen Rat gegeben.

„Hatte man Spaß an der Arbeit, am Pflanz- und Steinarbeiten, Baum- und Staudenbepflanzung bei Nieselregen, Frost oder Sommerhitze, dann war man bei Jupp an der richtigen Adresse.“

Eine Stele und eine Flügelnuss erinnern an das Wirken des Josef Göbbeler im Stadtbezirk Eickel.

Als Jupp mit 65 Jahren in den Ruhestand ging, bedeutete das nicht, Ruhestand im eigentlichen Sinne: Unermüdlich gab er sein Wissen weiter und kümmerte sich um die Azubis. Zontkowski: „Bis zwei Jahre vor seinem Tod unterrichtete er sie noch in Theorie und Pflanzenkunde, dazu lief er durch den Volkspark und erklärte ihnen Bäume und Sträucher. Da er Jahrzehnte im Prüfungswesen der Landwirtschaftskammer NRW aktiv war, wusste er natürlich worauf es ankam."

In den 1960er Jahren entstand auf Josef Göbbelers Initiative hin im Volkspark ein Tierpark. Hier fanden Kleintiere ein Zuhause: Kaninchen, Ziegen, Hausschweine, Meerschweinchen, Tauben und Hühner. Als der Tierpark im Jahr 2010 einer Wohnbebauung weichen sollte, nur ein Bürgerbegehren ihn rettete und sich der Verein „Pro Park“ gründete, gehörte Göbbeler zu den ersten Gründungsmitgliedern.

Und noch im Jahr 2019 führte er Mitglieder der Kirchengemeinden durch den Stadtteil Eickel oder gab bei der vhs Herne Seminare, wie zum Beispiel: 'Die herbstliche Bodenvorbereitung für den Stadtgärtner'. Im selben Jahr erlitt er einen Oberschenkelhalsbruch und zog ins Curanum Seniorenheim.

Gartenbaumeister Josef Göbbeler nach dem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus.

„Jetzt lebt er im Curanum , direkt an der Ranch (Betriebshof) und immer wenn ich ihn besuchte, traf ich auf einen milden, in sich ruhenden Mann, dessen Augen aufleuchteten, wenn er mich erkannte. Weil ich zuvor durch 'seinen' Park gegangen war, erzählte ich ihm vom Lauf der Natur, von den ersten Knospen oder den sich bunt verfärbenden Blätter und er hörte mir zu.“

Eine Park-Nachbarin erinnert sich im halloherne-Gespräch: „Ich kenne den Park seit Kindertagen und der Herr Göbbeler, der gehörte einfach zum Park. Im hohen Alter von 88 Jahren hat er in unserem Garten noch den Obstbaum beschnitten. Meine Kinder durften an manchen Abenden mit dem Gärtnermeister im Tierpark die Gehege säubern. Der größte Spaß war für sie, dass Herr Göbbeler sie in Begleitung eines Schweins durch den Park nach Hause brachte.“

Zontkowski beendet seine Rede mit den Worten:

„Demenz: Irgendwann erreichte ich ihn nicht mehr und die Besuche hatten ihre Leichtigkeit verloren. Ich fuhr in Urlaub an die Schlei. Eine grüne Landschaft, die ihm bestimmt gefallen hätte. – Als ich zurückkam lebte er nicht mehr.“

Eine eilig organisierte Trauerfeier von Freunden fand für den Gartenbaumeister in der Barbarakirche statt, bevor seine Asche in Lüdenscheid verstreut wurde.

Allgemeine Ungläubigkeit

In den Gesprächen über Josef Göbbeler wunderten sich viele Menschen darüber, dass Josef Göbbeler von städtischer Seite anscheinend vergessen wurde:

„Für alle möglichen Menschen wird ein Nachruf von der Stadt verfasst und veröffentlicht. Aber nicht für Herrn Göbbeler. Darüber bin nicht nur ich enttäuscht. Dass ein Mann, der so viel Gutes für den Stadtteil, die Menschen, den Park und die Kleintiere getan hat einfach so verschwindet, das ist nicht richtig.“

„So lange ich denken kann, war Josef Göbbeler im Park. Wir haben ihm ganz viel Gutes zu verdanken. Ohne ihn wäre die Welt in Eickel etwas anders.“

„Jupp hat jedem eine Chance und eine Aufgabe gegeben, auch wenn jemand vom Intellekt nicht für eine Ausbildung geschaffen war.“

„Als ich Josef Göbbeler von einem Freund erzählte, der die Gärtnerprüfung nicht schafft, da er unter extremer Prüfungsangst litt, hat Jupp ihm zu einer Arbeit im Park verholfen.“

„Jupp war der Auffassung, dass es die städtische Aufgabe ist, den Menschen zu einem Job zu verhelfen – ob mit oder ohne Prüfung.“

| Autor: Carola Quickels