Die.Linke zur städtischen Impfkampagne

Stellungnahme

Die Partei Die.Linke nimmt am Donnerstag (6.5.2021) zu den Anmerkungen und Erläuterungen der Stadt Herne zur Impfkampagne wie folgt Stellung: „Was will uns die Stadt eigentlich sagen? Da ist zum einen die wiederholt gemachte Feststellung seitens OB Dr. Dudda, dass 'die Namen der Neuinfizierten zum überwiegenden Teil auf einen türkischen beziehungsweise arabischen Familienhintergrund' hinweisen würden.

Veronika Buszewski, Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Herne erklärt dazu: 'Mal abgesehen davon, dass es generell unsäglich ist, aufgrund des Namens auf irgendeinen `Familienhintergrund´ zu schließen: In Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist diese Aussage vollkommen nichtssagend. Sie hat einen Informationsgehalt wie die Feststellung, dass in Wanne mehr Autos mit dem KfZ-Kennzeichen von Wanne fahren als in Sodingen.'

Shahnaz Bayat, Mitglied im Integrationsrat erklärt: 'Das Problem ist, dass die Inzidenz-Werte in Herne überdurchschnittlich im familiären Zusammenhang und dort noch mehr in Familien, die in beengten Wohnverhältnissen leben, steigen. Dass Familien mit Migrationshintergrund wiederum überdurchschnittlich in beengten Wohnverhältnissen leben – wie übrigens auch andere Menschen in einkommensprekären Verhältnissen - ist leider immer noch so. Selbst wenn es also wirklich so sein sollte, dass sich zur Zeit mehr Menschen mit Migrationshintergrund anstecken, ist der Grund nicht irgendeine angenommene Nationalität, sondern die soziale Lebenswirklichkeit!'

Buszewski weiter: 'Vollkommen abstrus ist der Satz `Laut Stadt sind viele Migranten skeptisch [gegenüber Impfungen], wollen sich nicht piksen lassen´. Hat da jemand von der Stadt irgendeine Untersuchung falsch interpretiert oder hat da jemand einfach nur die Karten gelegt? Denn das entspricht keineswegs der Realität. Fast ausnahmslos alle Migrantinnen-Organisationen haben bei einem Treffen mit dem Oberbürgermeister darauf hingewiesen, dass dies nicht ihren Erfahrungen entspricht.'

Bayat weiter: 'Dass sich vielleicht weniger Migrantinnen impfen lassen, hat nichts mit einer Angst vorm Piksen oder einer allgemeinen Impfskepsis zu tun, sondern mehr mit dem komplizierten und sich fast täglich ändernden Verfahren bzgl. Impfungen generell. Nebenbei: In diesem Zusammenhang sind Videos zur Impfkampagne nur sehr bedingt hilfreich – auch mehrsprachig. Sie sagen einfach nur aus, dass alle sich impfen lassen sollen. Wie und wo und wann der Zugang dazu erreichbar ist: Fehlanzeige – auch für Nicht-Ausländerinnen.'

Vollkommen absurd wird es, wenn die Stadtverwaltung meint, dass bei einer Veröffentlichung von Infektionszahlen auf Stadtbezirks- oder Stadtteilebene 'die Gefahr bestehe, dass ein Stadtteil stigmatisiert werde', dies selbst aber durch die oben gemachten Äußerungen tut: Sie stigmatisiert Menschen nicht deutscher Herkunft!

Bayat weiter: 'Was wiederum vollkommen fehlt: Ein Impfkonzept. Eine konkrete Aussage, ob man nun Impfmobile einsetzt oder nicht. Vorschläge, wie man der überproportionalen Steigerung der Inzidenz-Werte in beengten Wohnverhältnissen entgegentreten kann.“ Buszewski: „Dass Impfmobile sinnvoll sind, steht für uns außer Frage. Aber ebenso wichtig ist eine niederschwellige Informationskette zu allen Fragen rund um Covid-19, Selbsttests und Impfungen – in klaren, leicht verständlichen Worten und in allen gängigen Sprachen, schnell und leicht erreichbar. Eine Telefonhotline, die generell schlecht erreichbar ist und noch nicht einmal am Wochenende besetzt ist, ist nicht ausreichend. Flyer oder Kurzvideos, in denen nur gesagt wird, das man sich impfen lassen soll, sind vielleicht gut gemeint, aber letztendlich nur ein Minibaustein.'"

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