Die Herner Tafel in Corona-Zeiten

Die Ausgabestelle der
Auf Abstand: Wartende vor dem Zutritt in die Ausgabestelle. Foto: Stefan Kuhn

Covid-19 hat die Welt im Griff und beeinträchtigt auch das Leben in unserer Stadt. Wir spüren es an vielen Stellen, so gilt zum Beispiel seit Montag (23.3.2020) die Kontaktsperre als das Mittel der Wahl gegen eine Ausbreitung des Corona-Virus. Alle bisherigen Maßnahmen treffen nicht nur jeden einzelnen Bürger, sondern auch die unterschiedlichsten Hilfsorganisationen. So auch die Herner Tafel, die sich dafür einsetzt, dass die bedürftigen Menschen in unserer Stadt mit Lebensmitteln versorgt werden. Dafür holen Tafel-Mitarbeiter überschüssige und qualitativ einwandfreie Lebensmittel von den unterschiedlichsten Händlern ab und bringen sie zu dem Tafel-Standort an der Bielefelder Straße. Dort bekommen Bedürftige die Lebensmittel gegen ein geringes Entgelt.

Welche Folgen die Corona-Pandemie zum Beispiel für die Herner Tafel hat, das wollten wir von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Herner Tafel, Heinz Huschenbeth, wissen.

„Unsere Kunden erhalten nach wie vor an unserer Ausgabestelle Lebensmittel“, erzählt Huschenbeth, „allerdings kommen im Augenblick deutlich weniger Personen.“ Jeder Kunde der Herner Tafel hat einen festen Besuchtstag zugewiesen bekommen - Dienstag, Donnerstag oder Samstag. Laut Huschenbeth waren es vor Corona rund 300 Menschen, die zu den jeweiligen Besuchstagen kamen. Aktuell kommen täglich nur noch rund 80 Personen. Vor allem alte Kunden und solche mit einer Vorerkrankung blieben im Augenblick - aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Covid-19 - der Ausgabestelle fern.

Vorsichtsmaßnahmen

Dabei haben die Verantwortlichen auch hier Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Huschenbeth berichtet: „Unser Tafel-Sprecher und Vorstandsmitglied Martin v. Berswordt-Wallrabe hat mit dem Krisenstab der Stadt Herne Maßnahmen abgesprochen, damit die Ausgabe gesichert ist.“ Das Tragen von Handschuhen ist für alle Mitarbeiter der Ausgabe seit jeher verpflichtend, jetzt käme halt noch der Mundschutz hinzu. Außerdem dürfen in diesen Zeiten maximal nur vier Kunden in die Halle, alle anderen müssen draußen warten. Ein Tafel-Mitarbeiter regelt am Eingang den Zustrom und achtet darauf, dass auch die Wartenden genügend Abstand voneinander halten.

Lebensmittelsituation

Laut Huschenbeth machen sich die sogenannten Hamsterkäufe der Bürger auch bei der Tafel bemerkbar. „Die Lebensmittelhändler können uns weniger Rest-Waren zur Verfügung stellen - es bleibt einfach nicht so viel übrig.“ Dadurch entstünden jetzt Situationen, wie sie vorher nie dagewesen sind: „Manchmal müssen unsere Kunden auf bestimmte Lebensmittel warten, bis das nächste Fahrzeug mit einer Lieferung ankommt. Vor Corona war unser Lager immer gut gefüllt, fehlte während der Ausgabe etwas, so konnten wir in der Regel aus dem Lager direkt nachräumen."

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Die Ausgabestelle der "Herner Tafel" an der Bielefelder Straße. Foto: Stefan Kuhn

Gesucht: Ehrenamtliche Mitarbeiter

Aber nicht nur die Lebensmittel werden weniger: „Einige unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter bleiben aus Furcht vor einer möglichen Infektion zu Hause. Auch hier sind es vor allem ältere und Mitarbeiter, die auf Grund einer Vorerkrankung zur Risikogruppe gehören“, sagt Huschenbeth. „Wir wären froh, wenn wir junge Menschen ins Boot holen könnten, die uns ehrenamtlich unterstützen.“

Unterstützung

Die Herner Tafel ist ein gemeinnütziger Verein und arbeitet ohne öffentliche Zuschüsse. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. „Wir haben einige Firmen, die uns großzügig unterstützen und nicht genannt werden wollen“, sagt Huschenbeth. „Ohne sie wäre unsere Arbeit nicht möglich und das ermutigt uns immer wieder die Arbeit weiterzuführen.“ Wer Vereinsmitglied werden möchte, oder den Verein anderweitig unterstützen möchte, der kann sich darüber auf der Homepage informieren.

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