Der Gang vor die Hunde

Finale der Ruhrfestspiele

Der gang vor die Hunde.
v.l. Martin Brambach, Jürgen Hartmann und Gedeon Mfeba, liegend Christine Sommer.. Foto: Georg Sommer

Bevor am Pfingstsonntag, 9. Juni 2019, die große Abschlussparty der Ruhrfestspiele steigt, gibt es noch zwei Heimspiele für das Recklinghäuser Schauspieler-(Ehe-)-Paar Martin Brambach und Christine Sommer: Der Gang vor die Hunde lautet der Titel eines großartigen Kästner-Abends, der mit dem Begriff szenische Lesung völlig unzureichend charakterisiert wird und vom Premierenpublikum am Donnerstag (6.6.2019) im Festspielzelt auf dem Grünen Hügel mit Ovationen gefeiert wurde.

„Wir leben in einer großen Zeit, sie wird jeden Tag größer“: Erich Kästners autobiographischer Großstadtroman sollte ursprünglich Der Gang vor die Hunde heißen, wurde aber 1931 in gekürzter, zensierter Fassung unter dem Titel Fabian. Die Geschichte eines Moralisten veröffentlicht. Erst 2013 konnte das Meisterwerk in ungekürzter Version erscheinen, über das Kästner 1950 schrieb: „Das vorliegende Buch, das großstädtische Zustände von damals schildert, ist kein Poesie- und Fotografiealbum, sondern eine Satire. Es beschreibt nicht, was war, sondern es übertreibt. Der Moralist pflegt seiner Epoche keinen Spiegel, sondern einen Zerrspiegel vorzuhalten. Die Karikatur, ein legitimes Kunstmittel, ist das Äußerste, was er vermag.“

Die Nacht ist nicht allein zum schlafen da: Im Zentrum des Romans steht der Moralist Fabian, der mit seinem Freund Labude durch das unmoralische Berlin der frühen 1930er Jahre taumelt. Es geht um Liebe, Hass und Gewalt in der Zeit des Kommunismus und des aufkeimenden Faschismus, um Sehnsucht und Suizid, gekaufte und verkaufte Liebe - und um Berlin, diesen bisweilen sogar zärtlichen Moloch der Moderne. Die beiden Recklinghäuser Schauspieler Christine Sommer und Martin Brambach, der ab 11. Juli 2019 in Thomas Vinterbergs Drama „Kursk“ als russischer U-Boot-Kapitän auf der Kinoleinwand zu erleben ist, entführen das über zweieinhalb Stunden gebannte Publikum zusammen mit zwei darstellerischen, Jürgen Hartmann und Gedeon Mfeba, und drei musikalischen Mitstreitern, Gatti Groth, Christian Hammer und Markus Conrads, in eine verrückte Welt, die oft erschreckend aktuell wirkt.

Der Soundtrack reicht von Willy Fritschs heute politisch völlig unkorrektem Schlager Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln bis hin zu Willi Kollos melancholischem, hier im Duett gesungenen Foxtrott Zwei in einer großen Stadt aus dem gleichnamigen Kriegsfilm Volker von Collandes. Christine Sommer, Martin Brambach & Co spielen, singen, scherzen augenzwinkernd mit dem Publikum (Mein Geschmack neigt zu blond, meine Erfahrung spricht dagegen) - wieder am Freitag und Samstag (7.-8. Juni 2019) jeweils um 20 Uhr im Festspielzelt.

Am Pfingstsonntag legt Lars Eidinger auf bei der großen Abschlussparty, die bei freiem Eintritt um 21 Uhr im Ruhrfestspielhaus beginnt. Mit Party drinnen und Kopfhörerparty draußen heizt zunächst DJan bis Mitternacht den Festspiel-Gästen ein. Der grüne Hügel wird durch den renommierten Lichtkünstler Wolfram Lenssen zur illuminierten Wunderwelt: Illumina, die eigens für den Stadtgarten entwickelte Licht- und Klangshow startet jeweils habstündlich ab 22:30 Uhr. Anschließend heißt es dann: Autistic Disco mit DJ Lars Eidinger. Mit Spannung wird der Berliner Schaubühnen-Star (Babylon Berlin, derzeit im Kino All My Loving) mit seiner legendären Partyreihe im Ruhrfestspielhaus erwartet.

Juni
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Freitag
Freitag, 07. Juni 2019, um 20 Uhr Ruhrfestspielhaus , Otto-Burrmeister-Allee 1 , 45657 Recklinghausen Karten unter www.ruhrfestspiele.de oder Tel 02361 – 92 180.

Weitere Termine:

  • Samstag, 08. Juni 2019, um 20 Uhr
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