Babylon Berlin

„Marlow“ in Castrop-Rauxel

Tanz auf dem heißen Vulkan: Gereon Rath (Maximilian von Ulardt) und seine Gattin Charly (Franziska Ferrari).
Tanz auf dem heißen Vulkan: Gereon Rath (Maximilian von Ulardt) und seine Gattin Charly (Franziska Ferrari). Foto: Volker Beushausen

Berlin, 1935. Obwohl der gebürtige Kölner Gereon Rath (Maximilian von Ulardt), den es unfreiwillig an die Spree verschlagen hat, inzwischen zum Oberkommissar befördert worden ist, muss er sich im Polizeipräsidium am Berliner Alexanderplatz mit den Todesfällen befassen, die sonst keiner haben will. Da weder er noch seine Frau „Charly“ Charlotte (Franziska Ferrari) Parteimitglieder sind, gelten sie als verdächtig und werden von Nachbarn und Mitarbeitern misstrauisch beobachtet. Während der Nationalsozialismus mit all‘ seinen Auswirkungen Deutschland in rasendem Tempo in eine zerstörerische Diktatur verwandelt, gerät die Lebenssituation der jungen Familie zunehmend unter Druck.

Doch Rath hat sich in seiner Polizeiarbeit noch nie beirren lassen. Ein tödlicher Verkehrsunfall weckt seinen Jagdinstinkt. Der Fall ist heikel und berührt die Machtzentrale: Hermann Göring soll mit geheimen Akten erpresst werden. Als ihm seine Vorgesetzten den Fall entziehen, stachelt ihn das nur noch mehr an. Je weiter Rath in seinen Ermittlungen kommt, umso deutlicher werden seine eigenen Abhängigkeiten und Verstrickungen. Denn im Hintergrund zieht einmal mehr der Mann die Fäden, mit dem Gereon nie wieder etwas zu tun haben wollte: der Unterweltkönig Johann Marlow (Mike Kühne)…

Der Unterweltkönig Johann Marlow (Mike Kühne) zieht im Hintergrund die Fäden.
Der Unterweltkönig Johann Marlow (Mike Kühne) zieht im Hintergrund die Fäden. Foto: Volker Beushausen

Seit seine inzwischen acht Romane um Gereon Rath zur Vorlage für die in über 100 Länder verkaufte Fernsehserie „Babylon Berlin“ dienten, ist Volker Kutscher einer der auch international angesehensten und erfolgreichsten Krimiautoren unserer Zeit. Die Dramaturgin und Drehbuchautorin Jeanette Mohr hat den siebten Rath-Roman „Marlow“ für das Westfälische Landestheater adaptiert, die knapp zweistündige Inszenierung von Markus Kopf gastiert am Dienstag, 5. April 2022, um 19.30 Uhr im Herner Kulturzentrum.

Für sie hat Ausstatter Manfred Kaderk einen Einheitsraum mit nur wenigen Requisiten geschaffen, in dem sich das Archiv der Polizeibehörde befindet. In den raumhohen Aktenschränken lagern die Lebensläufe der Verdächtigen und Verurteilten. Samira Hempel und Mario Thomanek führen als Archivare in die Handlung ein und begleiten sie in der Rückblende als Erzähler. Ein dramaturgischer Kunstgriff, der auch allen Besuchern, welche die inzwischen auf drei Staffeln ausgedehnte Serie nicht kennen, Geschichte und Geschichten näherbringt.

Hilfreich auch, dass sich die Theaterfassung auf die drei Hauptfiguren konzentriert. Und dass nicht nur O-Töne etwa vom Nürnberger Parteitag der NSDAP und zeitgenössische Popularmusik der „Wilden Dreißiger“ (Comedian Harmonists) für Atmosphäre sorgen, sondern die Tonspur längere Beschreibungen etwa eines Autounfalls erspart. In „Marlow“ hat sich der Nationalsozialismus in der Reichshauptstadt etabliert. „Wir versuchen einfach nur zu überleben“: Charly Rath ist sich der Gefahr bewusst in der zunehmend beklemmenden, von Denunziation geprägten gesellschaftlichen Atmosphäre. In der sich Gatte Gedeon mit brisantem Material und gegenseitiger Überwachung verschiedener NS-Geheimdienste konfrontiert sieht. Sich dagegen zu behaupten ist der Schlüssel zum Überleben.

Volker Kutscher, 1962 in Lindlar geboren und im oberbergischen Wipperfürth aufgewachsen, arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte zunächst als Tageszeitungsredakteur und Drehbuchautor, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt er als freier Autor in Köln. Mit dem Roman „Der nasse Fisch“ (2007), dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Gereon Rath, gelang ihm auf Anhieb ein Beststeller.

"Marlow", in weiteren Rollen sind Guido Thurk als Wilhelm Böhm und Tobias Schwieger u.a. als Herr Königsberg zu sehen, wird am Sonntag, 8. Mai 2022, um 18 Uhr in der Stadthalle Castrop-Rauxel am Europaplatz aufgeführt. Karten gibt es im Netz unter westfaelisches-landestheater.de oder unter Tel. 02305 - 978020.

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  • Sonntag, 08. Mai 2022, um 18 Uhr
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