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Die aktuelle Bilanz des Herner Ausbildungsmarktes für 2022 und 2023 ist durchaus positiv (Symbolbild).

Bündnis für Arbeit stellt die Bilanz für 2022/23 vor

'Ausbildungsmarkt kann sich sehen lassen'

'Weiter dran bleiben', könnte das Motto der aktuellen Bilanz des Herner Ausbildungsmarktes für 2022 und 2023 lauten, die am Donnerstag (16.11.2023) vorgestellt wurde. Denn die derzeitigen Entwicklungen rund um den Ausbildungsmarkt sind für das Bündnis für Arbeit durchaus positiv zu bewerten. Der Stichtag zur Erfassung der Statistik ist immer der 30. September.

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Es gehe aus der Bilanz hervor, dass sich der Herner Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren verbessert habe, jedoch von einer dauerhaften Entspannung nicht die Rede sein könne.

Auf 100 Ausbildungsstellen kommen 172 Bewerber

So gab es bis dahin 1.371 Bewerber, das sind 34 Personen oder 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. 53 Bewerber sind davon derzeit noch unversorgt. Darüber hinaus wurden 797 Ausbildungsstellen gemeldet, 118 weniger als im Vorjahr. 77 dieser Stellen sind aktuell noch unbesetzt. Für 2023 kommen auf 100 Ausbildungsstellen demnach 172 Bewerber (2022: 154).

Frank Neukirchen-Füsers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bochum, lobt die positive Entwicklung des Ausbildungsmarktes.

„Wir hatten einen hohen Nachholbedarf. Von daher ist die Bilanz durchaus eine gute Nachricht für den Herner Ausbildungsmarkt. Die Zahlen sind zwar ein bisschen schlechter als im vergangenen Jahr, aber deutlich besser als vor Corona“, berichtet Frank Neukirchen-Füsers, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum, zu der auch Herne gehört. Ferner liege die Ausbildungsquote von Herne mit 21 Prozent über dem Ruhrgebietsdurchschnitt. Dieser liege bei rund 20 Prozent.

Hoher Anteil im dualen System

„Wir können mit der Entwicklung zufrieden sein. 21,1 Prozent der Betriebe bilden in Herne im dualen System aus. Der Anteil der Auszubildenden in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen liegt bei 8,5 Prozent. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ist das ein hohes Niveau", sagt Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda.

Auch erwähnt er, dass weiterhin Berufe in der Kranken- und Altenpflege (mit schulischen Ausbildungen) eine erhöhte Nachfrage verzeichnen. So würden nach Angaben von OB Dr. Dudda mehr als 800 Jugendliche eine Ausbildung in der St. Elisabeth Gruppe und in der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft absolvieren.

Ermutigt zeigt sich auch Dirk W. Erlhöfer, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen: „Unser langer Atem zahlt sich aus. Der Herner Ausbildungsmarkt kann sich mittlerweile sehen lassen. Insbesondere die Zahl der 53 unversorgten Bewerber ist ermutigend, denn diese Zahl lag in der Vergangenheit um ein Vielfaches höher."

Anzahl geschlossener Ausbildungsverträge auf Vor-Corona-Niveau

Ebenso sei die Anzahl der geschlossenen Ausbildungsverträge wieder auf einem Vor-Corona-Niveau mit einem Plus von 3,9 Prozent. „Das ist schon einmal sehr positiv zu sehen, leider bemerken wir, dass die Erwartungen von Auszubildenden und Betrieben immer weiter auseinandergehen. Herausfordernd ist, dass immer mehr Ausbildungsverträge aufgelöst werden. Die Quote liegt im IHK-Bezirk bei 15 Prozent, deutschlandweit bei rund 30 Prozent", so Dr. Katja Fox von der IHK Mittleres Ruhrgebiet.

OB Dr. Frank Dudda merkt an, dass 21,1 Prozent der Betriebe in Herne im dualen System ausbilden.

Deshalb versuche die IHK Betriebe auf die Bedürfnisse der Generation Z zu sensibilisieren. Dazu äußert sich auch Hans-Joachim Drath, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Ruhr: „Die Generation Z wird leider nicht auf die Möglichkeiten, die das Handwerk bietet, genügend vorbereitet. Wir müssen mehr transferieren, dass wir im Handwerk Klimaretter ausbilden."

Hier spricht er auf die Felder der Nachhaltigkeit und Elektromobilität an, die in vielen Betrieben umgesetzt werden.

Unterstützung bei schwierigen Startbedingungen

Stephanie Herrmann, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bochum, ergänzt: „Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen wollen wir besonders unterstützen. Wir bieten dazu mit dem Förderinstrument 'Assistierte Ausbildung' zum Beispiel auch während der Ausbildung Hilfe an. So sollen Jugendliche im Betrieb sowie in der Schule, als auch im sozialen Kontext, aufgefangen werden."

Dirk W. Erlhöfer, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung.

Auch Stefan Marx vom DGB Region Ruhr/Mark sieht die dargestellten Entwicklungen positiv. „Wir kommen aus einem tiefen Tal, von daher können wir mit den Entwicklungen zufrieden sein und weiter an einem Fortschritt arbeiten. Es ist wichtig, dass wir uns weiterhin um die Jugendlichen bemühen. Denn die Generation Z weiß, was sie will."

System Bildung macht Probleme

Auf Nachfrage von halloherne machen die Teilnehmer deutlich, dass alle noch mehr die Schulen mit ins Boot holen wollen. „Wichtig hierbei ist mir, dass nicht die Schulen - denn die sind sehr engagiert - sondern das System Bildung uns Probleme macht. Wir sehen, dass es junge Menschen gibt, die durch das System fallen und mehr Unterstützung benötigen", erläutert Neukirchen-Füsers.

Kreishandwerksmeister Drath lobt hierbei insbesondere das Engagement der Gesamtschulen: „Viele Gesamtschulen vermitteln Auszubildende ans Handwerk. Es gibt mit den Lehrern einen engen Austausch.“

Stephanie Herrmann verdeutlicht diesbezüglich nochmals: „Wir arbeiten eng mit den Schulen zusammen und auch wir unterstützen Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen besonders. Denn kein Jugendlicher darf auf dem Weg in den Beruf verloren gehen."

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Beratungsmöglichkeiten für Arbeitgeber und Jugendliche

Jugendliche, die noch eine Ausbildung suchen können sich unter Tel 0800 4 5555 00 oder herne.berufsberatung@arbeitsagentur.de oder www.arbeitsagentur.de/beratungswunsch melden. Für Arbeitgeber besteht die Möglichkeit ebenfalls per Tel 0800 4 5555 20 oder per Mail.

Das Bündnis für Arbeit will auch Jugendliche, die einen schwierigeren Jobstart haben, erreichen (Symbolbild).
| Autor: Julia Blesgen
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