'Aufhören ist keine Option'

Herner Pfarrerin lässt sich trotz Todesdrohungen nicht einschüchtern

Friedensgebet vor der Kreuzkirche bei der Aktion Miteinander durch die Pandemie. (v.l.) Pfarrerin Melanie Jansen, Ev. Kreuz-Kirchengemeinde, Pfarrer Georg Birwer, Kath. Kirchengemeinde St. Dionysius Herne, Tuncay Nazik, Islamischen Gemeinde Röhlinghausen
Friedensgebet vor der Kreuzkirche mit (v.l.) Pfarrerin Melanie Jansen, Pfarrer Georg Birwer und Tuncay Nazik (Islamische Gemeinde). Foto: Björn Koch

Seit einigen Wochen haben sich das Bündnis Herne, die Schirme gegen Rechts, die katholische Kirchengemeinde St. Dionysius, die Islamische Gemeinde Röhlinghausen und die evangelische Kreuz-Kirchengemeinde zusammengeschlossen, um ein Zeichen für ein solidarisches Miteinander in der Pandemie zu setzen und den Opfern der Pandemie zu gedenken.

Dazu finden zeitgleich an drei Standorten immer samstags Kundgebungen statt (halloherne berichtete). So auch das Friedensgebet vor der Kreuzkirche, das von Pfarrerin Melanie Jansen organisiert wird. Jedoch finden auch immer samstags zur gleichen Zeit Demonstrationen von Gegnern der Corona-Maßnahmen statt (halloherne berichtete und berichtete).

Erste Drohung fiel aus Werbeprospekt

Die Friedensgebete haben einzelnen Personen dem Anschein nach überhaupt nicht gefallen. Schlimmer noch: Pfarrerin Melanie Jansen hat nun zwei Todesdrohungen erhalten. Im Gespräch mit halloherne berichtete sie von den Ereignissen. Am Sonntag (19.12.2021) habe Jansen die erste Drohung erhalten.

„Ich habe am Sonntag den Gottesdienst gehalten und war deshalb noch nicht zu Hause. Mein Mann wollte den Müll rausbringen und hat dann einen Haufen Batterien auf unserem Grundstück entdeckt. Er zeigte mir später den Haufen, den wir dann gemeinsam entsorgen wollten. Dabei fiel aus einem Werbeprospekt, welches bei den Batterien lag, ein Zettel. Auf diesem stand: 'Ihr seid tot' und es war ein qualmender Revolver aufgemalt", so Melanie Jansen.

Friedensgebet vor der Kreuzkirche bei der Aktion Miteinander durch die Pandemie
Zahlreiche Menschen versammelten sich zum Friedensgebet vor der Kreuzkirche. Foto: Björn Koch

Weiter führt sie aus: „Wäre der Zettel nicht aus dem Prospekt gefallen, hätte ich ihn gar nicht bemerkt. Als ich die Nachricht las, war ich schon geschockt. Das saß erst einmal." Gemeinsam mit ihrem Mann habe sie die Drohung dann bei der Polizei angezeigt.

Zunächst geschockt gewesen

In den darauffolgenden Tagen sei sie zunächst geschockt gewesen, aber als sich die Drohung beim nächsten Friedensgebet nicht wiederholte, kehrte wieder Normalität ein.

Jedoch ereignete sich am vergangenen Samstag (15.1.2022) ein zweiter Vorfall: Am Wohnwagen, der auf ihrem Privatgrundstück steht, fanden die Jansens 60 Zigarettenkippen und Asche. Außerdem ein Taschentuch mit der Aufschrift „Tot!“. Auch hier stellten sie Strafanzeige.

Die evangelische Pfarrerin Melanie Jansen vor dem Neubau des Ludwig Steil Forums am Europaplatz in Herne (NW), am Mittwoch (29.07.2020).
Erhielt Todesdrohungen: Die evangelische Pfarrerin Melanie Jansen. Foto: Stefan Kuhn

Auf Nachfrage von halloherne bestätigt Polizeisprecher Frank Lemanis die beiden Strafanzeigen. „Es gab jeweils eine im Dezember und eine im Januar. Beide drehen sich um die Bedrohung der Pfarrerin“, erläutert Lemanis. „Die weitere Bearbeitung übernimmt der Staatsschutz, da wir einen politischen Hintergrund für die Drohungen vermuten.“

Ferner berichtet der Sprecher, dass die Polizei und der Staatsschutz mehrfach mit Pfarrerin Jansen gesprochen hätten. Ebenfalls habe man ihr Verhaltensvorschläge unterbreitet. „Die vorgefundenen Gegenstände haben wir sichergestellt und bei Untersuchungen DNA-Spuren entdeckt. Momentan wird noch gegen Unbekannt ermittelt, wir hoffen aber, die Absender der Drohungen ermitteln zu können“, so Lemanis.

Pfarrerin ist weiterhin präsent vor Ort

„Natürlich macht das Sorgen und ich habe ein mulmiges Gefühl", so Melanie Jansen gegenüber halloherne. Auch ihr Kind schicke sie momentan nicht mehr alleine zur Schule.

Jedoch will sich die Pfarrerin nicht einschüchtern lassen: „Die Angst bestimmt nicht mein Leben. Es ist ein komisches Gefühl, aber aufhören ist keine Option. Ich werde weiterhin das Friedensgebet mitorganisieren und auch halten. Auch am Samstag, 22. Januar 2022, werde ich wieder präsent vor Ort sein."

Kundgebungen des Bündnis Herne und weiterer Organisationen am Samstag (15.1.2022) in der Herner City unter dem Motto
Kundgebungen des Bündnis Herne und weiterer Organisationen in der Herner City laufen unter dem Motto "Miteinander durch die Pandemie". Foto: Bündnis Herne

Jedoch wird dieses Mal Superintendentin Claudia Reifenberger zu den Teilnehmenden sprechen. Dies war aber auch schon vor längerer Zeit geplant und habe nichts mit den Ereignissen zu tun, versichert die Pfarrerin.

Pfarrerin erfährt große Solidarität

Was Melanie Jansen in dieser schwierigen Zeit jedoch ebenfalls bestärkt, ist die große Solidarität von ihren Mitstreitern und der Bevölkerung. „Es ist schön, dass ich so viel Unterstützung erfahre", so die Pfarrerin.

Das Bündnis Herne verurteilt die Drohungen gegen Melanie Jansen scharf. In ihrer Pressemitteilung heißt es: Dies ist ein klarer Angriff auf alle Demokraten. Wir rufen die Herner Zivilgesellschaft auf, bei unseren Veranstaltungen am kommenden Samstag Gesicht zu zeigen. Unsere Gesellschaft darf derartige Entwicklungen nicht tolerieren. In aller Deutlichkeit: Hier geht es nicht mehr um sachliche Auseinandersetzungen. Wir sehen durch derartige Aussagen und Todesdrohungen unsere Demokratie angegriffen.

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  • Samstag, 22. Januar 2022, um 11 Uhr
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